|  17. Juni 2016

Kontrolle ist entscheidend

Auf der einen Seite bieten Frachtenbörsen eine gute Möglichkeit der Ladungsvergabe, und auf der anderen Seite werden sie immer häufiger von Leuten angegangen, um sich Ladung kriminell anzueignen. Deshalb ist es unbedingt nötig, diesbezüglich klare Prozesse in der Disposition zu implementieren. "Jetzt kostenlos den Disponaut Newsletter abonnieren"

Wenn der Disponent die Ladungsvergabe über eine Frachtenbörse organisiert, besteht das Risiko, dass er im Schadensfall keinen Cent von seinem Versicherer erstattet bekommt. Dies gilt insbesondere dann – wie der vorliegende Rechtsstreit aufzeigt –, wenn er bei der Auswahl und Kontrolle nachlässig agiert, indem er keine internen Richtlinien besitzt oder nicht einhält.

Klage abgewiesen

Das Landgericht (LG) München hatte die Klage eines Speditionsunternehmens abgewiesen, weil sich der beklagte Cargo-Versicherer zu Recht auf einen Haftungsausschluss berufen konnte. Letztlich habe der Disponent vor und nach Eintritt des Schadensfalles seine Obliegenheiten verletzt, so der Kernvorwurf des LG gemäß dem Urteil vom 10. Februar 2015 (AZ: HK O 5832/14).

Der Disponent hatte die Firma „Y“ über eine Frachtenbörse beauftragt, Transporte von Italien nach Deutschland zu transportieren, worüber sich die Parteien schnell handelseinig geworden waren. Pünktlich übernahmen die Fahrer des Transportunternehmens „Y“ die Ladungen. Jedoch fand keine tatsächlich den Weg zu ihrem rechtmäßigen Empfänger; wie sich sich letztlich herausgestellt hatte, waren alle alle Partien von kriminellen Fahrern an andere Entladeorte verbracht worden.

Der Versicherer begründete seine Ablehnung damit, dass der Disponent den Transportunternehmer nicht sorgfältig genug ausgewählt und überwacht habe. Prozesse seien unzureichend gemanagt worden; es seien regelmäßige Kontrollen, ob die laut Aussage der Spedition vorhandenen internen Richtlinien auch eingehalten werden, zwingend erforderlich, um die Sorgfalt eines ordentlichen Disponenten nachzuweisen. Der Disponent habe gegenüber dem unseriösen Transportunternehmer nur Teile der angeblich vorgegebenen Prüfkriterien abgefragt, so die Überzeugung der Richter am Landgericht. Zudem habe die Spedition nach Eintritt des Schadensfalles ihre Obliegenheiten aus dem Versicherungsvertrag verletzt. Der Disponent habe den Schadensfall verspätet dem Versicherer gemeldet. Zudem habe er auch widersprüchliche oder unzutreffende Auskünfte erteilt. Das Verhalten des Disponenten hatte fatale Folgen, denn der Spediteur blieb auf dem eingeklagten Schadensbetrag in Höhe von 72.484,50 EUR vollständig sitzen.

Kritisches Fazit: Dieser Rechtsstreit zeigt, wie wichtig es aus Sicht des Disponenten ist, dass er alle Maßnahmen unternimmt, damit Schadensfälle via Frachtenbörsen vermieden werden.

Schwarze Schafe identifizieren

Im nebenstehenden Kasten werden die wichtigsten Instrumente zusammengefasst, die dem Disponenten helfen, das Risiko signifikant zu reduzieren, um nicht Opfer von LKW-Ladungsverlusten zu werden. Denn schwarze Schafe können vom Disponenten ohne ein durchgreifendes Prozessmanagement nur sehr schwer identifiziert werden. Dies liegt beispielsweise daran, dass sich der Ladungsinteressent als bekanntes Transportunternehmen gegenüber dem Disponenten legitimiert.

Praktisch relevant ist auch, dass der angeblich seriöse Geschäftspartner eine Scheinfirma gründet, die nur das eine Ziel verfolgt, Ladung, insbesondere wertvolle und leicht absetzbare Güter, zu unterschlagen, um sie über kriminelle Absatzkanäle, vor allem im europäischen Ausland, zu versilbern. (sb)

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