|  20. Oktober 2014
aktualisiert am 24.11.15 10:15h

Lückenlose Kontrolle sicherstellen

Eine Aufgabe des Gefahrgutbeauftragten ist die "Überprüfung der Einhaltung der Vorschriften für die Beförderung gefährlicher Güter". So steht es in der Gefahrgutbeauftragtenverordnung (GbV), Paragraf 8, Absatz 1 in Verbindung mit ADR/RID/ADN 1.8.3.3. So weit, so bekannt. Weniger bekannt ist, dass die deutsche GbV den Gefahrgutbeauftragten auch für den Verkehrsträger Seeschiff fordert.

Aufgrund der übergeordneten UN-Modellvorschriften sind sich die Gefahrgutvorschriften der einzelnen Verkehrsträger zwar sehr ähnlich. Aber es gibt durchaus Unterschiede, die mit den Besonderheiten des verwendeten Transportmittels, wie LKW, Bahnwaggon und Seeschiff, zu tun haben.

Solange eine Beförderung nur mit einem Verkehrsträger erfolgt, ist die Einhaltung der jeweiligen Einzelvorschrift einfach und vom zuständigen Gefahrgutbeauftragten auch leicht zu prüfen. Umfangreicher werden solche Prüfungen dagegen, wenn mehr als ein Verkehrsträger für die Beförderung genutzt wird, wenn also mehr als eine Vorschrift betroffen ist. Der Gefahrgutbeauftragte muss - selbstverständlich - über einen gültigen Schulungsnachweis für alle betroffenen Verkehrsträger verfügen und sollte die Vorschriften und ihre Unterschiede oder Abweichungen voneinander entsprechend kennen.

Vorschriften nicht deckungsgleich

Kritisch wird es erfahrungsgemäß dann, wenn die Vorschriften nicht deckungsgleich sind oder sich sogar zu widersprechen scheinen. Oft resultiert dann aus Unkenntnis eine nicht vollständig eingehaltene Vorschrift. Nicht eingehaltene Vorschriften führen in der Regel jedoch nicht nur bei Kontrollen zu Verzögerungen, sondern auch zu Bußgeldern. Missachtet der Gefahrgutbeauftragte eine ihm auferlegte Pflicht (hier: Der Fehler hätte bei der Prüfung auffallen müssen), handelt es sich um einen Pflichtenverstoß, der entsprechend geahndet werden kann.

Ein Beispiel dafür, welche Probleme auftreten können:

Der Gefahrgutbeauftragte eines Logistikunternehmens, das unter anderem auch Container im Bereich internationale Seefracht mit weltweit verteilten Bestimmungsorten umschlägt, verfügt über Schulungsnachweise für alle vier Verkehrsträger. Im Rahmen der regelmäßigen Überwachung vor Ort prüft er stichprobenmäßig anstehende Gefahrgutsendungen. Dabei entdeckt er einen Container für Südamerika. In den Dokumenten findet er neben den Zollpapieren auch eine Versendererklärung für den Seeverkehr, eine IMO-Erklärung. Sie enthält die erforderliche Konformitätserklärung nach 5.4.1.6. Für Nicht-Seefrachter: Dies ist sinngemäß die rechtsverbindliche Erklärung des Versenders, dass alle Vorschriften beachtet, das Gefahrgut richtig bezeichnet, markiert und gekennzeichnet wurde und sich in einwandfreiem Zustand für den Transport befindet. Diese Erklärung ist zwar nur in Deutsch vorhanden, aber eine entsprechende Erklärung in Englisch ist nach IMDG-Code auch nicht gefordert.

Sondervorschriften beachten

Die Gefahrgutangaben sind sachlich richtig, passen zu den UN-Nummern. Bei einem Stoff auf der Versendererklärung handelt es sich um einen n.a.g.-Eintrag. N.a.g bedeutet, dass Stoffe enthalten sind, die nicht anderweitig genannt sind. Für diese Stoffe ist gemäß Sondervorschrift 274 die zusätzliche Angabe der technischen Benennung in Klammern gefordert. Bei dem Gefahrgut der Klasse 3 ist zusätzlich der Flammpunkt in Klammern angegeben. Das wurde gemacht. Die anderen Angaben zu Absender, Empfänger, Notfallinformationen sind vorhanden und schlüssig.

So weit ist der Gefahrgutbeauftragte zufrieden. Der Absender hat die papiermäßigen Vorschriften des IMDG-Codes beachtet, obwohl der Container aus dem Binnenland per Straße nach den Bestimmungen der Straßen-Gefahrgutvorschriften ADR befördert wurde.

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