21. März 2016

Mit ADSp 2016 wird es teurer – aber auch leichter

Die Spediteure haben die Wahl: Glaubt man den Verbandsvertretern, sollten ab sofort nur noch die Allgemeinen Deutschen Spediteurbedingungen 2016 (ADSp 2016) vereinbart werden. Aber einige Praktiker zögern noch. Denn die Entscheidung, von den ADSp 2003 zu den ADSp 2016 zu wechseln, hängt auch von den veränderten Haftungsgrenzen – und damit wohl auch von höheren Versicherungsprämien – ab.

Weniger Prozesse erwartet

Die Haftung ist bei den ADSp 2016 vor allem in der Lagerhaltung höher, sie begünstigt also den Auftraggeber. Allerdings sinkt das Prozessrisiko, wenn der Auftraggeber für seinen Schaden besser entschädigt wird, erklärte Axel Salzmann, Leiter Kompetenzzentrum für das Straßenverkehrsgewerbe und Logistik bei Kravag-Logistic, Hamburg, beim DVZ-Symposium „ADSp 2016“ (DVZ 18.3.2016, Seite 8) in Köln. Dadurch wird der Aufwand bei der Schadensbearbeitung geringer. Dazu trägt auch die einheitliche Haftungshöhe für Transport und Lagerung bei. Zudem werden Prozesskosten gesenkt – für Unternehmen wie für Versicherer.

Versicherer zahlen mehr

Salzmann präsentierte Beispiele: 20 Paletten mit medizinischem Material werden durch einen Brand im Umschlaglager durch Feuer und Ruß stark kontaminiert und erleiden damit einen Totalschaden. Auf den 20 Paletten befinden sich 1024 Einheiten Infusionsstopper mit einem Wert von je 58,29 EUR, was einen Gesamtwert von 59 688 EUR ausmacht. Das Gesamtgewicht betrug 7147 kg.

Nach den ADSp 2003 sind pro kg 5 EUR zu ersetzen, also 35 735 EUR. Das deckt den Wert der Ware nicht. Nach den ADSp 2016 sind 10,50 EUR pro kg anzusetzen, insgesamt also 75 043 EUR. Dem Kunden wird also sein Warenwert komplett ersetzt. Damit ist auch das Risiko eines Prozesses um den nicht ersetzten Teil des Warenwerts mit dem Vorwurf schuldhaften Verhaltens und der möglichen Folge der Haftungsdurchbrechung vom Tisch.

Weiteres Beispiel: Eine Partie Arzneimittelverpackungen ist unbrauchbar geworden, da ein Madenbefall einer Sendung mit Bio-Haselnüssen auf diese Sendung übergegriffen hat. Das Sendungsgewicht beträgt 5504 kg, der Warenwert 45 828 EUR. Nach den ADSp 2003 sind 5404 kg mit 5 EUR pro kg zu ersetzen, also 27 020 EUR. Allerdings ist die Haftung je Sendung auf 5000 EUR begrenzt. Ungedeckt bleibt demnach ein Betrag von 40 828 EUR. Ein nicht unerhebliches Prozessrisiko für den Spediteur und seine Versicherung. Der Auftraggeber könnte versuchen, dem Spediteur ein schuldhaftes Handeln vorzuwerfen, was zu einer ADSp-Haftungsdurchbrechung und im schlimmsten Fall zur vollen Haftung des Spediteurs führen könnte.

Wertdeklaration sichert Ersatz

Nach den ADSp 2016 wäre dasselbe Gewicht mit 10,50 EUR zu ersetzen gewesen, also 56 742 EUR. Jedoch hätte auch hier die Haftungsbegrenzung pro Sendung auf 25 000 EUR gegriffen. Die Differenz hätte sich jetzt auf 20 828 EUR belaufen. Das reduziere das Prozessrisiko.

Aber die ADSp 2016 bieten die Möglichkeit der Wertdeklaration bei Lagergut. Hat der Verlader also den Wert der Sendung mit den tatsächlichen 45 828 EUR angegeben und gegen einen geringen Betrag auch die höheren Haftungsgrenzen versicherungstechnisch erfassen lassen, wird ihm der volle Warenwert ersetzt. Ergebnis: kein Prozessrisiko.

Dieses geringere Prozessrisiko sehen die Versicherer natürlich auch, so dass aus den eingesparten Prozesskosten und der schnelleren Schadensabwicklung eine Ersparnis entsteht, die bei den Prämienanhebungen für die ADSp 2016 dämpfend wirkt. Denn ein Prozess bindet ja auch Ressourcen im Unternehmen des Auftragnehmers, die dieser anderweitig besser nutzen kann.

Prämienerhöhung verteilen

Wie Unternehmen jetzt strategisch vorgehen können, erklärte Franziska Hohnstein, zuständig für Recht und Versicherungen bei der Kooperation IDS Logistik in Kleinostheim: „Wir rechnen die Schadensfälle von 2015 nach den ADSp 2016 aus. Dann sprechen wir mit unserer Versicherung, um die neuen Prämien zu erfahren. Und als Nächstes werden wir dann überlegen, wie wir die höheren Prämien in unser Preisgefüge einarbeiten können.“ Schließlich hat der Auftragnehmer den Vorteil aus den höheren Haftungsbeträgen. Dann sollte er sich auch an den höheren Versicherungsbeiträgen beteiligen. (hec)

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