Schlaf, Fahrer, schlaf

Mehr als die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer fühlen sich nicht ausgeschlafen. Das geht aus einer Studie des Forschungsunternehmens Forsa hervor, die im Auftrag der Knappschaft – Die Krankenkasse erstellt wurde. Jeder Vierte beurteilte seinen Schlaf als nicht gut. Dies gilt auch für die Wochenenden.

Fahrer, die unausgeschlafen bei der Arbeit sind, gefährden sich, aber auch andere Verkehrsteilnehmer. Denkbar ist, dass aufgrund eines Fahrfehlers, der auf einen übermüdeten Zustand zurückzuführen ist, ein Verkehrsunfall verursacht wird, der schlimme Personen-, Sach- und Vermögensschäden nach sich ziehen kann. "Jetzt kostenlos den Disponaut Newsletter abonnieren"

Auf den ersten Blick mögen die Ausführungen wie eine Art Schreckgespenst wirken. Jedoch gibt es aus der Praxis Beweise dafür, dass das Risiko durch Schlafdefizite enorm ist. Viele erinnern sich noch an den vor der Seeküste Alaskas havarierten Öltanker „Exxon Valdez“ im Jahr 1989. Oder an das schwere Zugunglück, das sich im spanischen Santiago de Compostela ereignete. Beide Verkehrsunglücke sind auf übermüdete Personen zurückzuführen. Auch in den Verkehrsnachrichten wird immer wieder von Unfällen berichtet, die auf unausgeschlafene Fahrer zurückzuführen sind.

Viele Unfälle wegen Übermüdung

Nach Angaben des ADAC sind bei mindestens 16 Prozent der Verkehrsunfälle LKW-Fahrer beteiligt, die übermüdet sind. Diese Zahl ist erschreckend, denn es gibt ein Lenk- und Ruhezeitengesetz in Europa, welches dafür sorgen soll, dass LKW-Fahrer genügend Erholungszeiten haben. Nichtsdestotrotz kommt es vor, dass Fahrer unausgeschlafen ihre Fahrt antreten, weil die Erholungszeit zu kurz war. Oder sie nach zu geringer nächtlicher Fahrtunterbrechung noch nicht richtig fit sind und ihren Transport fortsetzen.

Schlafwissenschaftler haben herausgefunden, dass ein LKW-Fahrer, der übermüdet hinter dem Steuer sitzt, signifikant vermindert reagiert. Seine Reaktionsfähigkeit kann so eingeschränkt sein, als wenn er mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,5 Promille fahren würde. Experten gehen davon aus, dass allein in Deutschland ein volkswirtschaftlicher Schaden von etwa 4 Mrd. EUR jährlich verursacht wird, weil sich übermüdete Fahrer hinters Steuer setzen.

Der Disponent steht neben dem LKW-Fahrer selbst in der Verantwortung, dass seine LKW-Fahrer die gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten uneingeschränkt einhalten. Es ist verantwortungslos und strafbar, wenn der Disponent seinen LKW-Fahrer anweist, gegen die gesetzliche Lenk- und Ruhezeiten vorsätzlich zu verstoßen, um den vereinbarten Kundentermin noch einhalten zu können. Der Disponent begeht damit eine Ordnungswidrigkeit, erklärte Rechtsanwalt Gerhard Michel von der Kanzlei Rechtsanwälte Jehle & Kollegen, Neuötting, bei der kürzlichen DVZ-Telefonaktion. Auch der Fahrer muss sich weigern, weil auch er sonst eine Ordnungswidrigkeit begeht.

„Die Praxis sieht aber manchmal anders aus“, weiß auch Michel. Aber er führt weiter aus: „Die Konsequenzen bei diesen Verstößen sind enorm. Wenn der Fahrer gegen den Disponenten aussagt, wird Vorsatz angenommen. Dies ergibt ein erhebliches Bußgeld für den Disponenten. Die Sätze richten sich nach der Dauer der Lenkzeitüberschreitung. Beim Disponenten geht es mit 60 EUR pro Viertelstunde los, beim Fahrer mit der Hälfte.“

Da ist es doch besser, wenn der Disponent seinen Kunden rechtzeitig anruft und ihm die konkrete Situation schildert. Das bietet auch gleich die Möglichkeit, ein neues Zeitfenster für die Anlieferung zu vereinbaren. Eine solche Handhabung bei einer verspäteten Anlieferung hat meist auch für den LKW-Unternehmer sowie für den Empfänger keine gravierenden Folgen. Beide Parteien können oft doch noch die Situation meistern, die vielleicht verkehrs- oder witterungsbedingt oder aufgrund von überlangen Grenzkontrollen in Europa entstanden ist.

Stichproben durch den Disponenten

Wie oft ist die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeit vom Disponenten oder Fuhrparkleiter bzw. Verkehrsleiter zu kontrollieren? „Die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten ist wöchentlich über Auslesen des Fleetboards oder durch andere Kontrollsysteme zu überprüfen“, rät Michel. Bei Auffälligkeiten ist der Fahrer zu belehren. Dabei ist es sinnvoll, dass der Fahrer mit seiner Unterschrift die Belehrung gegenzeichnet. Wiederholte Verstöße des Fahrers sollten zumindest zu einer arbeitsrechtlichen Abmahnung führen. Zudem ist der Fahrer entsprechend zu schulen.

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