|  22. August 2016

"Verlader sollten Schäden melden"

Das LKW-Kartell hat zwei Arten von Benachteiligten: Direkt geschädigt wurden Käufer, welche die LKW in ihrem Werkverkehr einsetzen, also Handels- und Industrieunternehmen mit eigenem Fuhrpark. Indirekt geschädigt wurden die Kunden von Speditionen und Kep-Diensten.

Die Speditionen und Kep-Dienste haben in ihrer Selbstkostenkalkulation im Punkt „Abschreibungen“ nichtsahnend die überhöhten Anschaffungskosten für die LKW eingesetzt. Als Ergebnis dieser Kalkulation haben sie höhere Frachten verlangt, als sie ohne die überhöhten Kaufpreise hätten verlangen müssen. Zu hohe Frachten wurden berechnet und bezahlt für ein- und ausgehende, nationale und internationale LKW-Transporte. Genau genommen haben auch Luftfrachtspeditionen zu hohe Frachten verlangt, denn auch für deren größere abholende und zustellende Fahrzeuge wurde unwissentlich eine zu hohe Abschreibung angesetzt.

Zwei Schritte zum Schadenersatz

Die frachtzahlenden Verlader und Warenempfänger möchten natürlich die zu viel gezahlten Frachten erstattet bekommen. Dabei sollten sie in zwei Schritten vorgehen. Zunächst sollten sie möglichst bald ihren Speditionen und Kep-Diensten schreiben, dass sie aufgrund des entdeckten LKW-Kartells erwarten, dass die Speditionen/Kep-Dienste einen Teil des Kaufpreises zurückfordern und anschließend den Teil der Frachten erstatten, welcher auf der zu hohen Abschreibung beruhte.

Diese Schreiben sind auch aus folgendem Grund wichtig: Die Anwälte des LKW-Kartells werden vor Gericht beziehungsweise in Vergleichsverhandlungen argumentieren, den Speditionen/Kep-Diensten sei gar kein Schaden entstanden. Denn diese hätten aufgrund der höheren Anschaffungskosten und höheren Abschreibungen höhere Erlöse erzielt. Diesem Argument müssen die Speditionen/Kep-Dienste durch Vorlage möglichst vieler Schreiben ihrer Kunden entgegenhalten können, dass ihre Kunden eine Frachterstattung erwarten. Die Frachtzahler müssen also zunächst einmal ihre Speditionen/Kep-Dienste für deren Gespräche mit den LKW-Verkäufern und deren Anwälte unterstützen. Wenn Urteile und Ergebnisse von Vergleichsverhandlungen vorliegen, können dann im zweiten Schritt die Verhandlungen über eine Frachterstattung beginnen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Vorstellungen der Speditionen/Kep-Dienste und die ihrer Kunden zu einer Frachterstattung zunächst einmal auseinanderliegen werden. Falls Vergleiche geschlossen wurden, sollte der Frachtzahler den Spediteur/Kep-Dienst auf Ehr und Gewissen fragen, ob ergänzend zusätzliche Vereinbarungen mit dem LKW-Händler bestehen, beispielsweise hinsichtlich eines Rabatts bei zukünftigen LKW-Käufen. Solche Vereinbarungen wären bei der Frachterstattung oder bei zukünftigen Frachtverhandlungen zu berücksichtigen.

Hilfreich für die Verhandlungen sind Kenntnisse zur Kostenrechnung im LKW-Verkehr. Fachliteratur zur LKW-Kostenrechnung gehört sowieso in den Bücherschrank jedes Logistikleiters. Denn im LKW-Verkehr gibt es immer wieder Fälle, in denen sich die Frachtzahler nicht nur die Marktpreise für Frachten, sondern auch die Selbstkosten des LKW-Unternehmers anschauen sollten. Dadurch könnten sich Lösungen ergeben, wie die Transporte effektiver durchgeführt werden können. Wer nur auf den Markt schaut, ist ein schlechter Transporteinkäufer.

Am einfachsten sind die Erstattungsgespräche für LKW-Komplettladungen zu führen. Hier ist relativ einfach auszurechnen, welchen Anteil die überhöhten Abschreibungen an den Selbstkosten des LKW-Unternehmers hatten. Schwieriger wird es für den Stückgutbereich, die Kep-Dienste und die Luftfrachten. Aber auch für diese Verkehre sind sachgerechte Vereinbarungen möglich, zumal es nicht auf den letzten Cent ankommt, sondern auf eine angemessene Erstattung. Für die Frachterstattung sollte ein einfach zu handhabender Parameter vereinbart werden, beispielsweise ein Prozentsatz der gezahlten Frachten. (hec)

Kommentare

Kommentar veröffentlichen
Nur an die Redaktion senden

Captcha:*



* - Pflichtfeld