|  26. Mai 2014
aktualisiert am 12.08.15 15:06h

Alles aus einer Hand

Eine eigene Firma gründen, sie zum Erfolg bringen und schließlich auch die Früchte ernten, die sie trägt. Das war schon lange das persönliche Ziel von Peter Kienle, der mittlerweile seit fast 40 Jahren in der Speditionsbranche tätig ist. 2010 bekam er bei der Pfaff GmbH im baden-württembergischen Baienfurt endlich seine Chance. Denn schon lange wollte Priska Pfaff-Vorwig, derzeitige Geschäftsführerin und Tochter des Unternehmensgründers Willi Pfaff, das Leistungsangebot des bis dahin auf nationale Verkehre fokussierten Logistikdienstleisters ausweiten. Und holte schließlich Kienle mit ins Boot - für die Gründung der Pfaff International GmbH.

Dass dieser Schritt nur eine logische Konsequenz in der bisherigen Unternehmensgeschichte ist, versteht man, wenn man sich die Entwicklung der Pfaff GmbH seit ihrer Gründung im Jahr 1945 anschaut. Angefangen mit einem Mitarbeiter war das damalige Fuhrunternehmen auf den Transport von Mineralöl spezialisiert. 1970 wurde Pfaff schließlich Gebietsspediteur in Stuttgart für die Tankstellendistribution. Um sich in diesem Geschäftsfeld noch breiter aufzustellen, übernahm das Unternehmen die Heinrich Schneider Spedition (HSS) in Weingarten, einen Spezialisten für Mineralöl- und Planentransporte, der zwei Jahre später ebenfalls zum Gebietsspediteur für die Tankstellendistribution in Karlsruhe wurde.

"Doch irgendwann wurde klar, dass man sich neu ausrichten und das Leistungsangebot erweitern muss", erklärt Kienle die Entwicklung des Unternehmens. Und zwar mit der Logistik für Lebensmittel. Dafür baute Pfaff 1999 eine 4000 m2 große Logistikhalle in Baindt-Mehlis und startete schließlich die Filialdistribution für einen Lebensmittelhändler. Um dieses zweite Standbein weiter zu festigen, kam ein Jahr später eine weitere, temperaturgeführte Logistikhalle hinzu, über die Pfaff schließlich auch die Distribution für verschiedene Discounter abwickelte.

Zwei Standbeine sind gut, drei sind besser: Selbiges dachte sich damals sicher auch die Unternehmensinhaberin und ebnete damit den Weg für weitere Geschäftsfelder: Seit 2003 nahm Pfaff eine Industriereinigungsanlage für Metallkomponenten in Betrieb, übernahm die Reifenlogistik und den Betrieb einer Reifenwaschanlage für einen Automobilhersteller, bekam schließlich die Genehmigung für die Lagerung von Gefahrgut, wickelte die Möbellogistik für ein Versandhaus ab und stieg in die Beförderung mit Silofahrzeugen ein.

Doch damit war der Expansionskurs des mittlerweile breit gefächerten Logistikdienstleisters noch nicht am Ende. "Wer heute nationale Transporte anbietet, kann es sich nicht mehr erlauben, an der Landesgrenze zu passen. Genau das ist nämlich das K.o.-Kriterium bei der Kundenentscheidung - wenn man sich auf zu kleine Geschäftsfelder beschränkt", argumentiert Kienle. Und so entstand die Idee, mit der Gründung einer weiteren GmbH künftig auch verstärkt internationale Verkehre anzubieten. "Das war schon lange der Wunsch meiner Kollegin Pfaff-Vorwig, und für mich die Chance, in einem bestehenden Betrieb Fuß zu fassen und meine Verbindungen sowie mein Know-how erfolgreich einzubringen", ergänzt Kienle.

Pfaff International wird gegründet

Heute hat es der erfahrene Spediteur geschafft. Er ist Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Pfaff International GmbH, die 2010 gemeinsam von ihm und Pfaff-Vorwig gegründet wurde. "Frau Pfaff hat den Namen gegeben und ich führe die Geschäfte", erklärt er. Zum Leistungsspektrum der neu gegründeten GmbH gehören neben Europäischen Landverkehren, Schwer- und Sondertransporte, Projektgeschäfte, Fahrzeugtransporte, der Transport per Schiff und Bahn, sowie die Zollabwicklung. All diese Dienstleistungen bietet Pfaff International seit 2010 auch über seine Lübecker Tochtergesellschaft LTK Logistik & Transport Kontor GmbH in Norddeutschland an. Mit insgesamt 200 Mitarbeitern, 23 davon entfallen auf Pfaff International, 80 eigenen Nutzfahrzeugen, vier Standorten, zwei Werkstätten, drei Lagern mit einer Gesamtfläche von 12000 m2 und 20.000 Palettenstellplätzen im Hochregallager hat sich das einstige Fuhrunternehmen damit zu einem breit aufgestellten Logistikdienstleister entwickelt. Auch heute noch spielt die Tankstellendistribution bei Pfaff eine wichtige Rolle. Noch stärker aufgestellt sieht Kienle das Unternehmen aber in den Bereichen Projektlogistik, Warehousing - und natürlich bei internationalen Transporten, vor allem im Schwergutbereich.

Positive Zwischenbilanz

Nur wenige Tage vor dem vierten Unternehmensjubiläum von Pfaff International zieht der Geschäftsführer eine positive Zwischenbilanz: "Heute können wir sagen, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Wir sind gewachsen und haben uns einen ordentlichen Kundenstamm aufgebaut", resümiert er. Natürlich, sagt Kienle ganz offen, hat das Unternehmen wie jedes andere auch, mit dem Auf und Ab in der Wirtschaft zu kämpfen. "Als Neuer hat man nicht immer gleich die Traummargen bei den Kunden", erklärt er. Vor allem bei dem anhaltenden Trend zum Preisdumping sieht sich der Spediteur im Vergleich zu den großen Platzhirschen in keiner guten Verhandlungsposition. "Allerdings gibt es gerade in dieser Zeit auch immer mehr Kunden, die sich ganz bewusst von der Billigbewegung abwenden, weil damit häufig Qualitätsverlust und Unzuverlässigkeit verbunden sind. Wenn wir genau in dieser Phase auf den Kunden treffen, haben wir eine reelle Chance, uns den Zuschlag zu holen", weiß er aus Erfahrung.

Und die Pfaff GmbH hat noch einen weiteren Vorteil auf ihrer Seite: "Wir bieten ein Rundum-sorglos-Paket an", betont Kienle und ergänzt: "Das hilft uns, uns in der Nische zu behaupten, weil der Kostendruck mittlerweile auch in der Industrie ankommt." Wer zum richtigen Zeitpunkt den Einstieg wagt, da ist sich Kienle sicher, hat gute Chancen, auf dem Markt zu bestehen. Und anscheinend hat Pfaff den richtigen Zeitpunkt erwischt. Nicht ganz unwichtig scheint dabei auch die Wahl des geeigneten Standortes zu sein: "Wir sind hier, in Baden-Württemberg, genau dort, wo die Industrie noch was zu tun und zu befördern hat". Und auch die Nähe zu Österreich und der Schweiz spielt dem Unternehmen in die Karten.

Gefragt nach seinen Plänen für die nächsten Jahre ist Kienles Antwort klar: Wachstum. Kurzfristig soll etwa der Mitarbeiterstamm am Lübecker Standort von derzeit sechs auf zehn Personen aufgestockt werden. "In zehn Jahren sehe ich Pfaff doppelt so groß wie heute", ergänzt er. Mehr Vision als konkreter Plan ist für den Geschäftsführer ein eigener Standort in Russland. Bereits vor 25 Jahren hat Kienle seine ersten Erfahrungen mit Transporten nach Russland gemacht. "Damals war das noch ein sehr lukrativer Markt. Heute ist das Land nicht mehr ganz so stark, da spüren wir schon einen gewissen Rückgang", beobachtet Kienle. Und trotzdem beschäftigt er in seinem Unternehmen heute noch fünf Russisch sprechende Mitarbeiter. Und dass sich das auszahlt, zeigt ein kürzlich eingegangener Auftrag von Liebherr, für den Pfaff mehrere Bagger und Planierraupen nach Russland transportierte. "Das ist schon eine gute Referenz. Wer kann sich so was, als so kleiner Spediteur wie wir, schon auf die Fahne schreiben?", fragt er und gibt auch gleich die Antwort darauf: "Da muss man schon eine gewisse Leistung bringen. Deshalb weiß ich auch genau, was wir können."

Problemlöser für die Kunden

Und wahrscheinlich ist auch gerade das der Grund, weshalb es dem Unternehmen immer mal wieder gelingt, auch den großen Playern der Region einen Auftrag abzuluchsen. "Die Kundschaft sucht eigentlich immer nach Dienstleistern, die ihnen ihre Probleme abnehmen und genau dieses Rundum-sorglos-Paket anbieten. Und eben das erleben sie bei vielen großen Unternehmen, mit mehreren Standorten, hunderten Mitarbeitern und entsprechend komplizierteren Strukturen, einfach nicht. Bei uns hingegen kriegen sie alles aus einer Hand", erläutert der Geschäftsführer. Und genau das öffnet dem Dienstleister immer wieder eine Nische. "Und dann kommt es eben auch vor, dass wir gegen die "großen Konkurrenten" antreten - und den Zuschlag trotzdem kriegen", erzählt Kienle und ergänzt mit einem Lächeln: "Und das ist fast der beste Ansporn, den man als kleiner Spediteur haben kann".

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