|  04. Mai 2015
aktualisiert am 12.08.15 12:28h

ALS macht alles vom Sauerland aus

Zwischen dem Sauerland und der Nordseeküste liegen gut 300 km, einen Flughafen sucht man im Land der 1000 Berge vergeblich. Diese keineswegs optimalen Voraussetzungen hinderten Helmut Schulte und Christoph Dahlmann vor nunmehr 26 Jahren aber nicht daran, in Arnsberg-Hüsten ein Unternehmen für See- und Luftfracht zu gründen: die Allgemeine Land- und Seespedition (ALS). Warum sich sein Unternehmen trotz der räumlichen Distanz zu den Häfen längst auf dem Markt etabliert hat und sogar stetig expandiert, erläutert ALS-Geschäftsführer Dahlmann mit wenigen Worten: „Wir bieten die komplette Logistik aus einer Hand.“

Als der gebürtige Hüstener am 1. Oktober 1989 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, war klar, wo das Unternehmen seinen Sitz haben sollte: „Ich bin in meiner Heimat verwurzelt und wollte ein Zeichen setzen.“ Doch nicht nur bei der Wahl des Standorts, sondern auch beim Zeitpunkt der Firmengründung bewiesen die beiden Speditionskaufleute ein glückliches Händchen: Nur wenige Wochen später fiel die Berliner Mauer, der innerdeutsche Markt wuchs binnen kurzer Zeit rapide an. Also entschlossen sich Dahlmann und Schulte, ihr Angebot auf den klassischen LKW-Transport auszuweiten. Auf einen eigenen Fuhrpark verzichtet der 51-Jährige seither trotzdem ganz bewusst: „Eine See spedition besitzt ja meist auch keine eigenen Schiffe und ein Spezialist für den Transport von Luftfracht keine Flugzeuge.“

Transcoop09 stellt Partner

Wie in der Luft und auf dem Wasser setzte Dahlmann fortan auch auf der Straße Subunternehmer ein. Seit sechs Jahren sind dies vor allem Mitglieder der europaweiten Kooperation Transcoop09, die der Hüstener 2009 mit mehreren Partnern aus der Taufe hob und der inzwischen 43 Logistikunternehmen aus elf Ländern angehören. „In der heutigen Zeit muss man den Netzwerkgedanken leben“, beschreibt der zweifache Vater das Erfolgsrezept dieses Verbunds. Das ermöglicht ihm beispielsweise, aus mehr als 3000 Fahrzeugen stets das passende auszuwählen: vom Sprinter für Güter von überschaubarer Größe bis hin zur Zugmaschine für überdimensionale Spezialtransporte.

Anpassungsfähigkeit beweist die Arnsberger Spedition aber nicht nur bei den Transportwegen, sondern auch bei den vielfach sensiblen Gütern, die ihr anvertraut werden. So zeichnet das Unternehmen momentan für die Beförderung von 35 t schweren Zylindern von Deutschland bis zu einem Staudamm mitten in Vietnam verantwortlich – den Nachlauf mit vietnamesischen Binnenschiffen eingeschlossen.

Ein deutlich kleineres, aber nicht minder spektakuläres Objekt übergab Borussia Dortmund Ende der 90er Jahre an ALS: Die Sauerländer fuhren den 1997 vom BVB gewonnenen Weltpokal zum Berliner Kanzleramt, damit Gerhard Schröder ausländischen Gästen den „Pott“ präsentieren konnte.

„Einmal haben wir sogar darüber nachgedacht, eigens eine Transall zu chartern, um eine riesige Kälteanlage nach China zu fliegen, die termingerecht vor Ort sein musste“, erzählt Dahlmann – und fügt nach einer kurzen Pause lächelnd hinzu: „Letztlich hat es aber doch auf dem Seeweg geklappt. Pünktlich.“

Flexibilität gehört zur Philosophie

Überhaupt nimmt Flexibilität einen großen Raum in Christoph Dahlmanns Firmenphilosophie ein, auch bei der Auswahl seiner inzwischen 15 Mitarbeiter. „Wir setzen, ähnlich wie eine erfolgreiche Fußballmannschaft, auf einen guten Mix aus jungen und erfahrenen Leuten“, sagt der 51-Jährige. Die jüngere Generation „denkt und kommuniziert ganz anders als wir älteren Jahrgänge“ – und gerade heute sei es enorm wichtig, sich in die Bedürfnisse der Kunden hineinversetzen zu können.

Ein gutes Beispiel dafür bildet der erst 31-jährige Vertriebsleiter Tobias Rahmann, der seinen Arbeitgeber schon seit Schulzeiten kennt. Damals jobbte Rahmann regelmäßig bei ALS, um nach Abitur und dualem Studium schließlich in verantwortungsvoller Position an seine einstige Wirkungsstätte zurückzukehren. Und auch Björn Stein, der die Disposition leitet, gehört mit 37 Jahren keineswegs zum alten Eisen.

Wenngleich regionale Unternehmen aus den Ressorts Leuchtenindustrie, Medizintechnik oder Maschinenbau zu den Stammkunden zählen, betreut das ALS-Team auch Auftraggeber aus zahlreichen anderen Staaten und Kontinenten. Nicht zuletzt aufgrund der Zeitverschiebung sei Beweglichkeit gerade bei außereuropäischen Kunden unabdingbar, weiß Dahlmann: „Einer unserer Mitarbeiter ist immer in Rufbereitschaft, denn mit Firmen in den USA kommuniziert man am besten nach 17 Uhr, mit denen in Fernost hingegen in den frühen Morgenstunden.“

Trotz moderner Medien geschehe dies zusätzlich auf telefonischem Wege, um so möglichst zeitnah eine aktive Lösung herbeizuführen, unterstreicht Dahlmann: „Beim E-Mail-Verkehr geht manchmal ein ganzer Tag verloren.“

Aktiver sein als der Wettbewerber

Dass sich ALS seit mehr als einem Vierteljahrhundert auf dem hart umkämpften Markt behauptet, kommt für Dahlmann nicht von ungefähr. „Man muss einfach aktiver sein als der Mitbewerber“, beschreibt er seine Strategie in Zeiten ständig wachsenden Wettbewerbsdrucks. „Der Kunde hat kaum noch Zeit, alles muss sehr schnell gehen.“ Außerdem sei die Zahl der Ausschreibungen besonders stark gestiegen – immer öfter herrsche „der nackte Preiskampf“.

Diese auf den ersten Blick negative Entwicklung verkehrt der erfahrene Spediteur jedoch ins Gegenteil: „Die modernen Medien ermöglichen mittlerweile einen effizienteren Kontakt zu den Kunden. Ich gehe davon aus, dass die Logistik weiterhin an Bedeutung zunimmt.“ Und wer geht letztlich als Sieger aus dem Konkurrenzkampf hervor? Fußballfan Christoph Dahlmann muss nicht lange überlegen: „Wer schneller und mehr läuft als der Gegner, der gewinnt.“

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