Der Sohn wird einiges ändern

Osnabrück-Wallenhorst: Vater und Sohn im selben Unternehmen – das kann, muss aber nicht gut gehen. Seit Januar dieses Jahres ist Philipp Strohbecke (29) geschäftsführender Gesellschafter der internationalen Spedition Strohbecke, an der Seite seines Vaters Peter Strohbecke (56), der das Unternehmen 2003 gegründet hat. Man lerne viel voneinander, eine Win-win-Situation, versichern beide. Keine Konflikte? Niemals Streit? „Doch, täglich“, lacht der Senior. „Aber was wirklich zählt, ist das gemeinsame Ziel.“

Das Ziel ist klar: die Marktposition der Spedition weiter festigen und moderat ausbauen. Peter Strohbecke hat sich mit 43 Jahren als Spediteur selbstständig gemacht. Zuvor hat der gelernte Betriebswirt die längste Zeit seines Berufslebens bei dem Schweizer Transport- und Logistikkonzern Danzas gearbeitet, der 2000 von der Deutschen Post übernommen wurde. Bei Danzas hatte Strohbecke in führenden Positionen viel Gestaltungsfreiheit, die Strukturen des neuen Dienstherrn schienen ihm zu schwerfällig, also trennte man sich.

Am 1. März 2003 hat er sein eigenes Unternehmen gegründet. „Mit sechs Mitarbeitern, in einem Keller in Osnabrück, ohne Kapital, mit Arbeitsplatten vom Baumarkt“, erinnert er sich. „Die einzige Investition war eine Telefonanlage.“ Aber er habe vom ersten Tag an schwarze Zahlen geschrieben. 2006 erwarb er den heutigen Firmensitz in Wallenhorst, vor den Toren von Osnabrück. Den vorhandenen Bau hat der ambitionierte Hobby-Architekt nach seinen Vorstellungen umgestaltet. Viel Glas, eine Wendeltreppe im Zentrum des Gebäudes mit offenen Arbeitsflächen, hochwertige Büromöbel, moderne, großflächige Gemälde an den Wänden: ein Statement. „Speditionen sind oft in unschönen Zweckbauten untergebracht. Bei uns sehen die Kunden auf den ersten Blick: Wir sind ein Unternehmen, das eine hochwertige Dienstleistung anbietet. Und das wirkt“, sagt Peter Strohbecke.

Ladungsoptimierung als Schlüssel

In der Unternehmensgruppe mit weiteren Standorten in Hamburg und Herford betreuen 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund 1300 Kunden. Strohbecke organisiert europäische Landverkehre im Bereich Komplett- und Teilladungen. Wichtige Destinationen sind Großbritannien, Irland, Frankreich, Skandinavien und Südosteuropa, auf Kundenwunsch übernimmt Strohbecke auch Luft- und Seefracht. Auftraggeber sind neben Chemie- und Stahlunternehmen aus dem Ruhrgebiet auch große Hersteller von Folien oder auch Drahtwaren für die Möbelindustrie. Eigene Fahrzeuge hat Strohbecke nicht, er arbeitet mit Fuhrunternehmen aus ganz Europa zusammen. „Wir sind der klassische Broker“, sagt er. „Wir wissen, wo die Ladung ist und der dazu passende Frachtraum.“

Den Schlüssel zum Erfolg seines Unternehmens sieht er in der Ladungsoptimierung. Kein Zentimeter Frachtraum wird verschenkt. „Wir bekommen für unsere Dienstleistung auch nicht mehr als andere“, sagt er. „Unsere gute Kostenstruktur erreichen wir durch eine hohe Auslastung.“ Die Idee dazu kam ihm, als er leichte Ware, die vom Gewicht her noch Zuladung vertrug, als Teilpartie am Lager umschlug. Eine gute Ergänzung dazu war Schwergut wie Stahl, das damit die ideale Kombinationsladung ergab und sowohl vom Volumen als auch vom Gewicht die optimale Auslastung der Transporte ermöglichte. „Wir suchen uns die Kunden, die zu uns passen“, so Strohbecke. Leicht und schwer, großvolumig und kleinteilig – diese Paarungen bringt er zusammen.

Noch ist der Senior sichtbar die dominante Figur im Unternehmen. Sohn Philipp hat damit kein Problem. Er kann ihm zuhören, sich zurücknehmen, ist aber auf den Punkt da, wenn es darauf ankommt. Nach dem Studium (Betriebswirtschaft in Köln, Logistik in Dortmund) wollte er zunächst extern Erfahrung sammeln und arbeitete anderthalb Jahre lang bei Arvato-Bertelsmann – ein gutes Sprungbrett für die weitere Karriere.

Warum hat er sich dennoch für den väterlichen Betrieb entschieden? Eine Herzensangelegenheit, sagt er. Eigentlich sei immer klar gewesen, dass er das machen wolle. Die Entscheidung fiel Anfang des Jahres aber doch schneller als geplant. Vater Strohbecke sah gute Chancen, in Hamburg durch die Gründung eines weiteren Standortes stärker in den Markt einzusteigen. „Das war für mich der ideale Zeitpunkt, um etwas Eigenes aufzubauen“, sagt Philipp Strohbecke. Er ist von den Zukunftschancen des Familienunternehmens überzeugt: „Unsere Entscheidungswege sind kurz, wir sind sehr flexibel, und bei uns wissen die Kunden, dass sie nicht nur eine Nummer sind.“

Philipp Strohbecke ist nicht nur Geschäftsführer und Mehrheitseigentümer des Hamburger Standortes, er soll sich auch um die strategische Ausrichtung des Unternehmens kümmern. Das geschieht im ständigen Austausch mit dem Vater, aber mit wachsender Verantwortung, denn der Senior will sich langsam aus dem operativen Geschäft zurückziehen.

Damit der Übergang klappt, führt der Vater den Sohn bei allen wichtigen Kunden ein. Kontinuität ist wichtig. Aber er weiß auch: Philipp wird einiges ändern. Der bringt einen ganz anderen Umgang mit digitalen Medien mit, erledigt einen großen Teil seines Geschäfts über das Smartphone und will Kundendaten für neue Serviceangebote nutzen.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Neustrukturierung des Verkaufs. Von Hamburg aus will der Junior außerdem stärker den Blick auf Skandinavien richten – hier sieht er noch viel Potenzial. In der Diskussion ist auch der Aufbau weiterer Niederlassungen, etwa in Bremen oder Hannover. Es geht darum, mit kleinen Einheiten möglichst nah beim Kunden zu sein, auch darin sind sich Vater und Sohn einig. (sb)

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