|  11. Juni 2015
aktualisiert am 12.08.15 15:47h

Emons will vor allem im Osten wachsen

Wilbert Herff nimmt es gelassen, dass das US-Unternehmen XPO Logistics den französischen Logistikdienstleister Norbert Dentressangle (ND) geschluckt hat. „Für Europa wird das nicht spürbar werden und hat keinen Einfluss auf die Partnerschaften“, meint der Area Manager Zentraleuropa und Prokurist bei der Emons Spedition GmbH in Köln. Die Rheinländer haben im internationalen Landverkehr in Frankreich exklusiv mit ND zusammengearbeitet. Die Kooperation wurde teilweise auch für die Iberische Halbinsel und für Geschäft aus Großbritannien heraus genutzt.

Herff bleibt angesichts des ND-Deals entspannt, weil er eine ähnliche Transaktion bei dem Partner für Belgien und die Niederlande erlebt hat: Wim Bosman gehört seit 2011 zu dem neuseeländischen Logistikkonzern Mainfreight. „Da hat es auch keinerlei spürbare Veränderungen im Landverkehrssegment Europa gegeben oder innerhalb der Aktivitäten von Kooperationen“, sagt der Manager. Und der langjährige norwegische Partner, ein Familienunternehmen, ging an Freja, was die Zusammenarbeit ebenfalls nicht beeinträchtigte.

Emons greift gern zu

Wenn die Karten im internationalen Landverkehr neu verteilt werden, greift Emons auch selbst zu. So haben die Kölner Team Freight AS mit Sitz im dänischen Esbjerg gekauft, mit denen sie seit 15 Jahren eine Partnerschaft verband. Einer der dänischen Gesellschafter will sich nach Herffs Auskunft zur Ruhe setzen und habe den Kölnern den Einstieg angeboten. Eine Umfirmierung sei nicht geplant, Team Freight werde bis 2018 vollständig Emons gehören. Doch bis dahin verlangt das Traditionsunternehmen, das den Gesellschaftern Peter, Stefan und Willi Emons gehört, seinen Managern noch einiges ab.

Am Firmensitz in der Domstadt wurden die Ziele hochgesteckt. Bis 2018 soll der Umsatzanteil des internationalen Geschäfts laut Herff 50 Prozent der Gesamteinnahmen erreichen. Seit er 2008 von DB Schenker zu dem mittelständischen Familienunternehmen wechselte, habe es außer 2009 immer zweistelliges Wachstum gegeben. Aktuelle Zahlen sind von Emons nicht zu erfahren, aber im „Bundesanzeiger“ bis einschließlich 2013 veröffentlicht.

Der Konzernumsatz erhöhte sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozent auf 341,7 Mio. EUR. „Damit wurde wiederum ein neuer Höchststand beim Umsatz in der Emons-Historie erreicht“, heißt es im „Bundesanzeiger“. Das Rohergebnis stieg 2013 um 1,5 Prozent auf 132,7 Mio. EUR, während das Betriebsergebnis um 32 Prozent auf 4,24 Mio. EUR schrumpfte.

Wachstumsmärkte in Osteuropa

Als Wachstumsmärkte sieht Herff Russland, Weißrussland und die Ukraine – und das trotz der Wirtschaftssanktionen. In allen drei Ländern ist Emons seit mindestens zehn Jahren mit eigenen Niederlassungen vor Ort. An den drei russischen Standorten Moskau, St. Petersburg und Smolensk arbeiten circa 50 Beschäftigte, im weißrussischen Minsk über 60. Emons East baut das Netz stetig aus. An den Drehkreuzen in Bayreuth, wo Osteuropa-Bereichsleiter Dieter Müller arbeitet, und in Berlin, wo Willi Emons die Niederlassung führt, werden die Stückgüter aus West-, Nord- und Südosteuropa gesammelt. Täglich gehen Transporte nach Moskau ab, viermal pro Woche nach Minsk und zweimal wöchentlich ins ukrainische Kiew.

Die Spedition zählt die Beschaffungslogistik mit Just-in-time-Zuführung zu Fabriken in Russland zu ihren Spezialgebieten. Doch derzeit verzeichnet Emons wie viele andere deutsche Unternehmen spürbare Mengenrückgänge beim Export aus Deutschland. Der Absatz ist Herff zufolge im Vorjahresvergleich um 25 bis 30 Prozent geschrumpft.

Die Bremsspuren ließen sich aber kompensieren, denn die eigenen Landesgesellschaften machten in dem Wirtschaftsraum Geschäft, beispielsweise über die Drehscheibe in Minsk. In Smolensk steht dafür ein eigener Fuhrpark bereit, die zehn Fahrzeuge tragen einen kyrillischen Emons-Schriftzug. Intraverkehre gibt es beispielsweise zwischen Russland und Kasachstan, wo im vergangenen Jahr in Almaty eine Tochterfirma gegründet wurde.

Der neueste Standort eröffnete im April im georgischen Tiflis, um die Aktivitäten in der Kaukasus-Region sowie das Osteuropa- und Zentralasien-Netz auszubauen. Zuvor versorgte Emons die Region über einen lokalen Partner mit wöchentlichen Sammelgutverkehren.

Wachstumstreiber ist aus Herffs Sicht auch Tschechien, weil die Spedition dort über ein eigenes Netz mit acht operativen Niederlassungen verfügt. Das hat historische Gründe: Ulrich Michalski, einer von drei Emons-Geschäftsführern, stammt aus Himmelkron bei Bayreuth, von wo aus die Osterweiterung des Netzes zunächst nach Tschechien vorangetrieben wurde. Außer nationalem Geschäft würden Verkehre aus Deutschland gespeist und umgekehrt, sogar bis nach Frankreich oder Großbritannien.

Für alle nicht russischsprachigen Länder in Europa ist Herff landverkehrsseitig verantwortlich. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch Polen. Die Exporte nach Deutschland sind seinen Angaben zufolge sehr stark gewachsen, beispielsweise bei Baumaterialien, Metallen oder Möbeln. Deshalb hat Emons drei grenznahe Niederlassungen in Zgorzelec, Świdnica und Świecko für Charter, LKW-Verzollung und Fahrer. Die Frage nach einer eigenen Niederlassung stelle sich hingegen nicht, da die Spedition in Polen seit über zehn Jahren mit PKS zusammenarbeitet.

Ebenso wenig gibt es in Österreich eine eigene Landesgesellschaft, obwohl die Alpenrepublik den mit Abstand größten Stückgutverkehr verzeichnet. Emons arbeitet in Österreich mit verschiedenen Partnern zusammen, unter anderem mit Gebrüder Weiss, Lagermax, G. Englmayer oder der System Alliance Europe.

Völlig kooperationsunabhängig

Aber anders als viele Mitbewerber agiert das 1928 gegründete Familienunternehmen kooperations- und konzernunabhängig. Der Name Emons findet sich auf keiner Mitgliederliste bekannter Stückkooperationen wie Cargoline, zu denen beispielsweise G. Englmayer gehört, oder System 24 Plus, bei denen Lagermax mitmacht.

Partnerschaften sind auch hierzulande wichtig. So könnten die Kölner flächendeckende Lieferungen am Folgetag mit ihren 21 nationalen Niederlassungen nicht garantieren, sie benötigen zusätzlich 30 Partner-Niederlassungen. Im deutschen Westen und Südwesten ist das eigene Netz immer dichter geworden, auch weil Partnerstandorte übernommen wurden. Beispiele sind Bexbach bei Saarbrücken (ehemals STG Logistik), Kempten (ehemals Logwin) oder Urmitz bei Koblenz (ehemals Gith). Anders in den neuen Bundesländern. Dort gründeten die Rheinländer nach der Wende sechs Niederlassungen.

Doch in der Mitte der Republik gibt es noch weiße Flecken auf der Emons-Firmenkarte. Dazu zählen Münster, Siegen, Würzburg, Augsburg oder Ulm. Partner, die zum Teil unterschiedlichen Stückgutkooperationen angehören, springen hier in die Bresche. Im Norden sind das Bursped mit Köster & Hapke aus dem Cargoline-Verbund für den Raum Hamburg, Hannover, Osnabrück oder Heinrich Koch in Osnabrück. Im Süden heißen die Partner beispielsweise Biehle (Augsburg, System 24 Plus), C. K. Noerpel (Ulm), Geis Group (Würzburg, IDS), Michael Wolf (Straubing, System 24 Plus).

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