|  24. April 2017

Führungskräfte müssen Mitarbeiter mitnehmen

Digitalen Wandel sieht Fritz Müller als wichtige Aufgabe. „Der First Step ist das eigene Unternehmen“, betont der Geschäftsführer von Müller Transporte. Der aktuelle Trend liefere zwar zahlreiche Möglichkeiten, Abläufe mit anderen Firmen zu vernetzen, aber für ihn sei anfangs der Blick auf die betriebseigenen Prozesse entscheidend. Sein Unternehmen hat den Sitz am Stadtrand von Wien. Das Kerngeschäft sind temperaturgeführte Transporte – also Lebensmittel und Pharmaprodukte, aber auch Industriegüter."Jetzt für die Logistik News anmelden"

Gegründet haben es Müllers Eltern Ende der 1950er Jahre. Digitale Prozesse waren damals – als der Familienbetrieb die ersten Planenzüge nach Holland auf den Weg brachte?– wohl etwa genauso bedeutungslos, wie es heute Schreibmaschinen und Stempelkissen sind. Die Zeiten haben sich geändert – und Müller Transporte ebenfalls. Das Unternehmen ist gewachsen. Hierfür stehen über 550 Mitarbeiter und rund 280?eigene LKW-Züge.

Der Wandel in den vergangenen Jahrzehnten hat dem Unternehmen nicht geschadet. In der zweiten Generation will Fritz Müller den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Er kann sich dem Einfluss digitaler Prozesse nicht entziehen – und will dies auch nicht. „Ich habe mich speziell 2016 sehr viel mit diesem Thema beschäftigt“, sagt Fritz Müller. Weitere Schritte sind eingeleitet. Er sieht sich und seinen Betrieb gegenwärtig „in der Mitte des Startes zur Digitalisierung“.

Aktuell gebe es eine Arbeitsgruppe, die sich in den nächsten Monaten mit konkreten Maßnahmen auseinandersetzt. Hierfür hat sich Müller wissenschaftliche Unterstützung von außen geholt. In Zusammenarbeit mit dem Logistikprofessor Franz Staberhofer von der Fachhochschule Oberösterreich in Steyr soll das Thema an Fahrt gewinnen.

Prozesse entscheidend
Wenn Müller von Digitalisierung spricht, dann meint er im Wesentlichen Prozesse: Es gebe heute etwa Telematiksysteme, EDV-Lösungen oder auch Tools für die Transportplanung. „Man hat also jede Menge Dinge, die aber zum Großteil händisch angestoßen werden“, erklärt er. Wirklich digital seien für ihn diese Abläufe erst dann, „wenn ein Prozess den anderen auslöst“."Jetzt für die Logistik News anmelden"

Immer wieder kommt Müller auf seine Mitarbeiter zu sprechen: „Die Kunst sehe ich heute darin, dass du deine nächste Führungsschicht mitnimmst und denen wiederum mitgibst, dass sie ihre Mitarbeiter in ihren Abteilungen mitnehmen – zur Digitalisierung.“ Ganz allgemein, mit einem Blick über die eigene Geschäfte hinaus, will er Ängste abbauen: Dass digitalisierte Prozesse weniger Arbeitsplätze zur Folge haben, glaubt er nicht.

Als Beispiel aus seiner Branche nennt er autonome Fahrzeuge. Diese Entwicklung findet er sehr spannend und zudem für sein Unternehmen hilfreich. Gleichzeitig bemerkt er jedoch: „Man sollte sich jetzt nicht den Kopf darüber zerbrechen, was mit den Fahrern passiert.“ Bis wirklich fahrerlose Systeme Marktreife erlangen würden, seien noch viele Schritte notwendig. Zunächst, so spekuliert er, wären in Österreich wohl gewisse Rennstrecken wie beispielsweise Hub-zu-Hub-Verkehre zwischen Wien und Salzburg denkbar.

Und mit Fokus auf sein Geschäft  betont er: „Wir sind ein Unternehmen, das mitten in Europa liegt.“ Grenzüberschreitende Verkehre in Richtung Osten – und durchaus bis in den Iran – kann er sich noch sehr lange nicht ohne Fahrer vorstellen. Zeitnahe, konkrete Ergebnisse erhofft sich Müller hingegen im Backoffice-Bereich und „natürlich auch in der Disposition“, beispielsweise bei der Auftragsannahme.

Alle sind gefordert
Dass die Digitalisierung vieles verändert, ist für Müller unbestreitbar. Grundsätzlich müssten sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam über die veränderte Berufswelt Gedanken machen. „Wo die Gesellschaft, wo der Staat, wo wir alle gefordert sein werden, ist, dass wir einfach besser ausgebildete Leute brauchen werden“, sagt der österreichische Unternehmer. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Zeitgleich mit der Digitalisierung kommt auch die Flexibilisierung. Angesprochen auf diesen Punkt, hat Müller eine klare Meinung: Diese sei „unbedingt notwendig“, aber – das betont er auch – im Rahmen von Arbeitszeitgesetzen. Die heutigen seien ihm zu starr. Nicht rütteln möchte er jedoch an festen Beschäftigungs­verhältnissen. „In unserer Branche ist es durchaus möglich, zum Großteil mit fixem Personal zu arbeiten.“ Leiharbeit hat für Müller nichts mit Flexibilisierung und Digitalisierung zu tun. Mitarbeiter, „die zum Unternehmen stehen, die eine Verbindung zum Unternehmen haben“, sind ihm sehr wichtig. Zudem betont er: „Du kannst heute keine Veränderungen machen, die stark zulasten eines anderen Teils der Gesellschaft gehen.“

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