|  29. August 2017

Große Pläne für Autos in der Box

Von außen sieht die Halle im Bremer Stadtteil Habenhausen wie jedes andere Lager aus. Auf dem Hof und an den Rampen etliche Seecontainer – sicheres Zeichen dafür, dass hier kräftig Ware umgeschlagen wird. Umso größer die Überraschung beim Betreten: In der Luft der Geruch von Benzin und überall nur Autos, aber nicht irgendwelche. Da steht das efeugrüne Ford Mustang Coupé neben dem hellblauen Buick Riviera mit fettem Kühlergrill, die betagte Tin Lizzy von Ford neben einem 80er Jahre Transit Campervan. „Das ist wie ein Süßwarenladen für Jungs“, witzelt Heino Juschas, Exportmanager der CFR- Rinkens-Gruppe in Deutschland. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Die Spedition mit Hauptsitz in Kalifornien hat die Sammlerstücke für private Käufer aus Deutschland und benachbarten Ländern irgendwo in Nordamerika abgeholt und zu ihrem Depot in Bremen gebracht, wo die Kunden sie selbst abholen können. Der Name CFR steht für spezielle Seefrachtlogistik: Die Firma verschifft Autos nur per Container, nicht rollend auf eigener Achse. Dabei kommen jeweils vier Fahrzeuge in speziell ausgerüstete Behälter: 45-Fuß- oder 40-Fuß-Container (High Cube), die vor der Beladung mit einem Hubgerüst (R-Rak) ausgestattet werden, um die Wagen in zwei Lagen verstauen zu können. So wird der Frachtraum optimal ausgenutzt.

Seit 2015 in Bremen
Mehr als 50.000 Fahrzeugtransporte hat CFR eigenen Angaben zufolge 2016 disponiert – zumeist auf Routen von Nordamerika nach Europa, Australien, Neuseeland und nach Fernost. In Bremen ist das Unternehmen seit 2015 mit einer Niederlassung vertreten. Es ist der erste eigene Auslandsstandort. Weitere sollen in Kürze folgen, kündigt der geschäftsführende Gesellschafter Christoph Seitz an. „In einem Jahr werden wir sicher in Bremerhaven und in Duisburg eine Präsenz haben.“

Der gebürtige Deutsche, der seit den 90er Jahren in den USA lebt, will mit seiner Firma stärker in den Neuwagentransport für die Hersteller vordringen. Neben dem Oldtimer-Geschäft für Privatkunden bildet es schon heute ein zweites Standbein für CFR. Seine Meriten hat sich der Dienstleister als Fahrzeugspediteur für den US-Elektrowagenhersteller Tesla verdient.

Seit 2013 organisiert die Firma den Großteil der Outbound-Verschiffungen – per Container ab Werk im kalifornischen Fremont nach Europa, Fernost und Australien. In den Niederlanden – Hauptimporteur für das Tesla Model S – arbeitet CFR mit dem Netzwerkpartner Marlog Car Handling für den Nachlauf von Rotterdam bis zum Tesla-Standort Tilburg ­zusammen. Sowohl Bremerhaven als auch Duisburg bilden wichtige Hubs für Neuwagenverkehre. In der Seestadt werden pro Jahr über 2 Mio. Autos auf RoRo-Schiffe geladen oder von ihnen gelöscht. „Dort liefern die deutschen Hersteller ihre Neuwagen für den Überseeexport gebündelt an. Das wollen sie auch nicht umstellen“, sagt Seitz. Seine Idee: CFR nimmt den Herstellern dort kleinere Partien für Nischenmärkte ab, die man effizienter und sicherer per Container bedienen kann, kümmert sich um das Stauen der Fahrzeuge, organisiert die Verladung und anschließend im Empfangshafen Nachlauf und Entladung. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Verschiedene Systeme decken Herstellerbedarf
Neben dem bewährten R-Rack-System prüfe CFR zurzeit noch andere Systeme – zum Beispiel Kassetten, die außerhalb des Containers beladen und anschließend hineingerollt werden. „Für die verschiedenen Bedürfnisse­ der Hersteller müssen wir mehrere Systeme anbieten“, steht für Seitz fest. Noch ist nicht entschieden, wo sich CFR in Bremerhaven ansiedelt. Die Firma habe sich Optionen auf Flächen für eine eigene Halle gesichert, prüfe aber auch die Anmietung von Lagerkapazitäten.

In Duisburg befinde sich CFR bei der Standortsuche „in einer ganz heißen Phase“, sagt Seitz. „Da wollen wir in den nächsten drei Monaten durchstarten, in Eigenregie oder mit einem europäischen Partner.“ Die Ruhrmetropole bildet den Anfangs- und Endpunkt für Container-Bahnverkehre auf der neuen Seidenstraße nach China, die „gewaltiges Potenzial“ für den Autohandel biete. In China suche man zu diesem Zweck ebenfalls weitere Agenten. Es fänden bereits Gespräche mit mehreren Dienstleistern statt, die sich stark für die Containerisierung von Autos interessieren. Das Neugeschäftspotenzial ist aus Seitz’ Sicht gigantisch.

Das eigene Geschäftsvolumen habe CFR in den vergangenen drei Jahren verdoppelt. Mit 150 Mitarbeitern weltweit sei zuletzt ein Umsatz von rund 50 Mio. USD erwirtschaftet worden. „Es kann gut sein, dass wir das in den kommenden zwei Jahren noch einmal verdoppeln“.

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