|  13. Oktober 2015
aktualisiert am 24.11.15 14:56h

Hub-Funktion am Mittelrhein

Den Titel Bundeshauptstadt hat Bonn 1990 an Berlin abtreten müssen. Als Logistikzentrum für die Region Mittelrhein hat der ehemalige Regierungssitz aber weiterhin Bedeutung. „Wir sind neben Frankenbach wohl der einzige noch verbliebene konzernunabhängige Hafendienstleister am Rhein“, sagt Alfons Am Zehnhoff-Söns. Der Geschäftsführer des 1907 gegründeten Familienunternehmens Am Zehnhoff-Söns GmbH (AZS) leitet zusammen mit seinem Bruder Gregor nicht nur eine Kraftwagenspedition für den Nahverkehr, sondern sorgt im Bonner Hafen auch dafür, dass im bimodalen Transport Container zwischen Straße und Binnenschiff wechseln können.

Herzstück ist das Containerterminal direkt am offenen Strom bei Rheinkilometer 658. Hier werden laut Alfons Am Zehnhoff-Söns monatlich etwa 60 Schiffe auf dem Weg von und zu den Überseehäfen Rotterdam, Antwerpen und Amsterdam abgefertigt, die sowohl Container als auch konventionelle Güter befördern. Mit den beiden Containerbrücken und zwei Multifunktionskränen ist eine Umschlagkapazität von 380.000 Teu möglich. „Das ist aber eine theoretische Größe“, gibt der Geschäftsführer zu bedenken. „Am Ende des Jahres werden wir wohl bei 100.000 Teu landen.“

Plus 51 Prozent im Jahresverlauf

Aber auch das ist schon eine starke Leistung. Im bisherigen Jahresverlauf (bis September) waren es 61.000 Teu, eine Steigerung von 51 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Jahres 2014. Hinzu kommen 182.000 t konventionelle Ladung. Die vier Liegeplätze reichen aus, um 135-m-Schiffe aufzunehmen. Das Haupteinzugsgebiet des Hafens befindet sich in einem Umkreis von 30 km, wobei 60 Prozent der Ladung auf den Export entfallen und 40 Prozent auf den Import.

Der gesamte Ablauf auf dem 65.000 m2 großen Terminal ist exakt durchgeplant. Ankommende LKW werden danach eingeteilt, ob sie volle Container anliefern, beladene abholen oder leere Boxen aufnehmen, um sie Kunden für die Beladung zuzustellen. Weil die Hafenfläche begrenzt ist, muss bei der Stauplanung am Kai sehr genau auf den Flächenbedarf geachtet werden.

Gleich hinter der Hafengrenze beginnt Wohnbebauung, Erweiterung ist also nicht möglich. „Wir haben mit den Anwohnern keine Probleme, was den Betriebslärm angeht“, sagt Am Zehnhoff-Söns. „Weil wir aber rund um die Uhr arbeiten, haben wir vor einigen Jahren eine Wand errichtet, die Belästigungen minimieren soll. Ein Kölner Boulevardblatt schrieb, in Bonn werde die Mauer neu aufgebaut“, erinnert sich der Unternehmer mit einem Schmunzeln.

Die Platzverhältnisse sind auch Grund dafür, dass spezielle Stapler für Leercontainer im Einsatz sind. Sie greifen die Boxen an der Stirnseite und fahren sie wie einen großen Bauchladen vor sich her. „Dadurch können wir die Fahrgassen zwischen den Containerreihen schmal halten“, erläutert Am Zehnhoff-Söns. Zusätzlich besitzt das Unternehmen auch Reachstacker für das Auf- und Absetzen der Container auf die LKW-Chassis.

In einer Ecke des Hafenareals werden Container für Bulk-Ladungen vorbereitet. Der hierfür benötigte Innerliner, ein flexibler Kunststoffbehälter für Schüttgüter, wurde von Am Zehnhoff-Söns entwickelt und zertifiziert. Vertrieben wird er an alle namhaften Verlader der chemischen Industrie. So genannte Liner Bags ermöglichen es, Schüttgüter und Flüssigkeiten in Containern zu transportieren. Auf diese Weise können Containertransportfahrzeuge mit spezieller technischer Ausrüstung wie Kippvorrichtung, Kompressor und Zellenradschleuse Kunststoffgranulate und Kunststoffpulver im 20-Fuß-Container direkt in die Siloanlagen befördern, ohne auf eine Entladevorrichtung vor Ort angewiesen zu sein.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Kostenersparnis durch optimale Raumnutzung und Minderung der Verpackungskosten, Schutz vor Schmutz und Feuchtigkeit, einfache und schnelle Montage, die auch eine Silo-zu-Silo-Beförderung möglich macht. Die Entwicklung und Produktion solcher Speziallösungen gehört zur Dienstleistungsphilosophie des Containerterminalbetreibers: „Wir sind nicht nur Hafen oder reiner Containerumschlagplatz, wir entwickeln auch Lösungen für unsere Kunden in der Containerlogistikkette“, sagt Alfons Am Zehnhoff-Söns.

Container für die Mosel

Der Bonner Hafen ist in seiner derzeitigen Form noch recht jung. Erst 2004 haben die Stadtwerke Bonn (SWB) und das Familienunternehmen AZS eine Betreibergesellschaft (Bonner Hafenbetriebe GmbH – BHB) gegründet und damit den Grundstein für eine erfolgreiche Entwicklung gelegt. Beim letzten großen Investitionsvorhaben in den Jahren 2008 bis 2012 flossen 17 Mio. EUR in den Umbau und die Erweiterung. 100 m Uferböschung wurden zu einer Spundwand mit hoher Kante ausgebaut, Flächen befestigt und eine zweite Containerbrücke errichtet. Außerdem wurden Containerflächen vergrößert und das Schrägufer zu einem Steilufer entwickelt. Dadurch wurde auch ein Schiff-zu-Schiff-Umschlag möglich, den AZS für den 2014 gestarteten Mosel-Verkehr nutzt.

Die Idee dabei ist, Containerverkehre von der Mosel zu den Nordseehäfen und umgekehrt aufzubauen und Bonn als Hub zu nutzen. „Wir haben festgestellt, dass es in der Moselregion Potenzial für nachhaltige und kostengünstige Containertransporte gibt“, sagt Am Zehnhoff-Söns. Angefangen hat es mit Binnenschiffsverkehren ab Metz. Das trimodale Terminal ist mit vier wöchentlichen Abfahrten (zwei je Richtung) an Rotterdam und Antwerpen angebunden. Als Schnittstelle fungiert Bonn mit seinen zahlreichen Verbindungen zu den Nordrange-Häfen.

Das Angebot wird kontinuierlich ausgebaut. In diesem Jahr ist das Terminal in Trier dazugekommen. Der Hafen Bonn und die Firma Theo Steil haben eine Betriebsgesellschaft gegründet, die sich um Dienstleistungen rund um den Container wie Umschlag, Trucking, Binnenschiffsverkehre, Bahnumschlag, Reparaturen und einen umfassenden Door-to-Door-Service kümmert.

Mittlerweile hat sich die Transportalternative auf der Mosel bis zu den großen Container-Linienreedereien herumgesprochen, die mit Leercontainerdepots an den Standorten des Shuttles vertreten sind. Trier und Metz werden nicht die letzten Stationen bei der Erschließung der Mosel für den Containerverkehr sein, versichert Alfons Am Zehnhoff-Söns.

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