|  04. Mai 2015
aktualisiert am 12.08.15 14:50h

Leipziger bringt Getränke

Günter Bauer ist stolzer Badener. Eine Fahne seines Heimatbundeslands weht vor dem schlichten Verwaltungsgebäude seines Unternehmens, das er seit 25 Jahren führt und zu stattlicher Größe aufgebaut hat. Der Hauptsitz der Firma Leipziger Logistik und Lagerhaus befindet sich allerdings dort, worauf der Name hindeutet: in einem Gewerbegebiet südwestlich der sächsischen Stadt. Die Autobahnen Berlin–München und Breslau–Hamburg/Ruhrgebiet befinden sich direkt vor der Tür. Hier hat Bauers Unternehmerkarriere 1990 begonnen.

Neue Geschäftsfelder gesucht

Gleich neben dem Sitz der „Leipziger“ ragt ein fast 200 m hoher Schornstein einer Gießerei in die Höhe und erinnert an die Wurzeln des Unternehmens. „Ich bin mit einem winzigen Bankdarlehen in den Osten gegangen und konnte den damaligen Logistikbereich der hier ansässigen Großgießerei übernehmen“, erinnert sich Bauer. Ein scheinbar sicheres Fundament für den Start. Doch nach wenigen Jahren folgte die Insolvenz des Hauptkunden – mit offenen Rechnungen in sechsstelliger Höhe. Bauer gab nicht auf, übernahm die restlichen Anteile und suchte neue Geschäftsfelder. Er fand sie schließlich vor allem in der Lebensmittellogistik.

Pepsi, Punica, Lipton, Sprite oder Fanta – täglich 300 LKW-Ladungen, vor Feiertagen aber auch deutlich mehr, befördert der Logistiker von den Herstellern zu den Zentral- und Regionallagern des Lebensmitteleinzelhandels. Die Leipziger Logistik und Lagerhaus organisiert das von ihren mittlerweile drei Niederlassungen in Ettlingen, Hamburg, Rodgau und der Zentrale in Leipzig aus. Im vergangenen Jahr erzielte sie gut 12 Mio. EUR Umsatz.

Keine Angst vor eiligen Ladungen

Es ist ein hartes, von zahlreichen Billiganbietern umkämpftes Geschäft. Bauer aber hat wenig Lust zu klagen: „Das Geschäft ist immerhin ziemlich krisensicher, Getränke gehen immer, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“, sagt er. Da er das schnelle Massengeschäft perfekt beherrsche, komme er bei den Ausschreibungen häufig zum Zuge. „Ich habe keine Angst vor eiliger Ladung. Aber wir müssen unsere Strukturen so organisieren, dass möglichst wenige Leerfahrten entstehen“, fügt der Geschäftsführer hinzu. Die konnte das Unternehmen inzwischen auf 23 Prozent reduzieren – und jedes Prozent mehr ist verdientes Geld.

Auch seine Disponenten seien auf Tempo geeicht. Fünf Minuten für die Abfertigung lautet die harte, aber durchaus zu schaffende Vorgabe. Bei aller Automatisierung durch leistungsfähige Software hat bei Bauer jedoch noch immer der Mensch das letzte Wort. „Äußert ein Kunde einen vom Plan abweichenden Wunsch, trifft ein fähiger Disponent bessere Entscheidungen als das beste inte grierte Softwaresystem“, betont er.

Bauer setzt auf mehrere Faktoren, um kostengünstig arbeiten zu können – trotz Mindestlohn. Da ist zum einen die Strategie, ausschließlich Mietfahrzeuge zu nutzen. „Wir haben dadurch hochmodernes Gerät, was der Zuverlässigkeit und auch den Arbeitsbedingungen zugutekommt“, sagt er. Zum anderen bietet dieses Modell die geforderte Flexibilität: Unterschiedliche Laufzeiten – von 24 Monaten bis hin zu kurzen Mietdauern – garantieren, dass die Flotte trotz der saisonalen Schwankungen immer in etwa dem Bedarf entspricht. Die großen Anbieter Pema und Charterway können zudem meist auch kurzfristig einspringen, wenn zusätzliches Geschäft ins Haus steht. Schließlich lässt sich mit LKW nur Geld verdienen, wenn sie für Kunden Ladung transportieren.

Liebe zur Kunst auch im Geschäft

Die Leipziger Logistik und Lagerhaus startet an ihrem Firmensitz demnächst ein interessantes Nebengeschäft. Bauer hat dazu die Leipzig Werft gegründet, die Dienstleistungen rund um Schiffe am Zwenkauer See anbietet. Der See, der aus alten Tagebauanlagen entstanden und das größte Gewässer im Leipziger Südraum ist, wird in Kürze offiziell zur Nutzung freigegeben. Bauer: „Wir haben noch reichlich Hallenfläche, die wir damit besser auslasten können, vor allem im Winter.“ Außerdem will das Unternehmen Boote durch ganz Deutschland und darüber hinaus transportieren. Denn allein dieser See bietet rund 260 Liegeplätze und ist zudem über ein schiffbares Kanalsystem mit anderen Gewässern verbunden. Ferner will Bauer mit seinem Konzept der schnellen, zuverlässigen Kontraktlogistik weitere, neue Kundengruppen erschließen. „Wir werden in den nächsten Jahren deutlich wachsen und unser Streckennetz verdichten“, sagt der Geschäftsführer.

Kunden, die zum ersten Mal zu Bauer in die Firmenzentrale kommen, staunen nicht schlecht über die Ausstattung des Bürogebäudes. In den zwei Etagen zieren großformatige Ölgemälde und Skulpturen Gänge und Räume. „Ich bin im Zweitberuf auch Galerist und vertrete vier Maler“, sagt Bauer. Da der Platz in der Galerie in der Kleinstadt Zwenkau nicht ausreicht, stellt er die großen Flächen für die Kunstwerke gern zur Verfügung. Die Liebe zur Kunst beeinflusst auch das tägliche Geschäft. Mit seinem Kunden Pepsi hat er ein Konzept für die werbewirksame Gestaltung von Trucks erarbeitet, die für Cola und den Energy-Drink „Rockstar“ auf die Straße kommen. Die neuen Planen sind echte Hingucker, und obwohl der Name der Spedition eher klein auf den Fahrertüren steht – es ist auch eine gute Werbung für die „Leipziger“.

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