|  26. März 2015
aktualisiert am 12.08.15 13:21h

Reimer geht mit der Zeit

Der Blickfang steht bereits im Eingang zur Firmenverwaltung: Ein großer Aufsteller mit der Abbildung eines Geparden begrüßt dort den Besucher. Um Missverständnisse gleich auszuschließen, die Reimer Logistics GmbH & Co. KG hat ihre geschäftliche Ausrichtung, obwohl international tätig, nicht auf den Umgang mit exotischen Tieren umgestellt. „Dass Ihnen das Bild der Raubkatze gleich aufgefallen ist, zeigt, dass sich unsere Wahrnehmung verbessert hat“, sagt Simon Reimer, geschäftsführender Gesellschafter des Bremer Unternehmens. Und das ist auch so beabsichtigt.

Tierische Symbole

Der Gepard ist nicht das einzige Tier, das symbolisch einen Wandel in der Firmenphilosophie repräsentiert. Er hat auch noch Gesellschaft von einem Seeadler und einem Delfin. Das schnellste Landtier der Welt steht als Synonym für Wendigkeit und rasche Reaktion, Eigenschaften, die auch im Alltag von Speditions- und Logistikdienstleistern immer wichtiger werden. Den Seeadler zeichnet ein gutes Sehvermögen auch für Kleinigkeiten aus, und der Delfin macht mit dem ihm nachgesagten Sozialverhalten deutlich, dass es auch in der Logistik auf das Anpassungsvermögen an neue Situationen ankommt. Der Rückgriff auf das Tierreich wurde von der mit dem Relaunch des Auftritts beauftragten Agentur gewählt, um die Umstellung, die das Unternehmen vor etwas mehr als einem Jahr vorgenommen hat, deutlich zu machen.

Aus der Bremer Warenverteilungs-Gesellschaft Reimer & Co. (BWG Reimer) ist im November 2013 die Reimer Logistics GmbH & Co. KG geworden. Seit Gründung 1925 ist der Familienname Reimer Teil des Wortstamms der zur Firmierung gehörte: „Unser Geschäft hat sich in den vergangenen Jahren so grundlegend gewandelt und weiter internationalisiert. Dies wollen wir nach außen sichtbar machen“, sagt Reimer, der das Unternehmen in dritter Generation führt. Der Wandel lässt sich auch daran erkennen, dass der LKW-Fuhrpark des im Europahafen ansässigen Unternehmens deutlich zurückgefahren worden ist. Das Speditionsgeschäft, also der ursprüngliche Kern des Unternehmens, wird nach wie vor betrieben und weiter ausgebaut, aber das reine Fuhrgeschäft im Selbsteintritt ist im Vergleich zu anderen Geschäftsfeldern in den Hintergrund getreten. „Für den Selbsteintritt haben wir noch rund 50 eigene Fahrzeuge“, berichtet Reimer.

Keineswegs ist es für Simon Reimer so, dass der Traditionsnamen BWG Reimer aufgegeben wird. Vielmehr sei die Umfirmierung eine Entscheidung, stärker herauszustellen, „wer wir sind und was wir tun“. Auch internationales Verständnis spiele in der immer weiter vernetzten Welt bei der Namensfindung eine Rolle. Es habe viel positives Feedback gegeben, erinnert sich Reimer. „2014 war für uns das Jahr mit dem größten Zuwachs an Neugeschäft.“ Das sei aber im Wesentlichen auch der Verdienst von Teamarbeit und im Unternehmen vorhandenem Expertenwissen. Im Übrigen, sagt der gelernte Speditionskaufmann, werde die Tradition ja nicht über Bord geworfen. „Wir haben wie bei einer Gebäudesanierung, das Innere vorsichtig entkernt und modernisiert, aber der alte Bestand ist noch erkennbar.“

Bestandteil der Modernisierungsoffensive sind ein neues Logo, ein neuer Internetauftritt und ein Slogan, der mit „Just Full Service“ die Richtung des heutigen Dienstleistungsschwerpunkts markiert: „Wir haben uns vom Spediteur zu einem Logistiker entwickelt, der Liefer- und Herstellungsprozesse in Industrie und Handel auf ganzer Linie unterstützt“, erläutert der Chef von 450 Mitarbeitern. Zusammengefasst werden die Dienstleistungsfelder unter drei großen C: Consulting, Contract und Cargo.

Verzahnung von Leistungen

Auch die Beratungstätigkeit rund um die weltweit organisierte Transportkette gewinnt nach Reimers Beobachtungen zunehmend an Bedeutung. Der Prozess umfasst viele Einzelkomponenten von der Abholung der Waren beim Hersteller über die Zwischenlagerung, den physischen Transport auf Abruf und die zeitgenaue Zustellung. Aber auch Rücktransporte und Bündelungen spielen eine Rolle. Mit der Expertise von Reimer Logistics sollen Optimierungsmöglichkeiten in den Abläufen aufgedeckt werden, die dem Kunden helfen, nicht nur die Transportkosten zu senken. Hier ergeben sich Verzahnungen mit dem zweiten C: Contract.

Für Unternehmen aus der Automobilindustrie, des Maschinenbaus, des Pharma- und Chemiesektors und der Medizintechnik steuert Reimer das Warenhandling. Dazu zählt im Maschinenbau beispielsweise die weltweite Beschaffung und Lieferung von Ersatzteilen für Schiffe. Die benötigten Komponenten werden gelabelt, kommissioniert und direkt weltweit zugestellt. Bei Bedarf wird auch die seemäßige Verpackung selbst vorgenommen. In getakteten Verkehren werden Werke von Kunden mit Rohstoffen aus aller Welt versorgt und Fertigwaren abgeholt, um sie im Anschluss auf dem Land- oder Seeweg oder per Luftracht wieder an deren Kunden in aller Welt zu versenden.

Reimer Logistics versteht sich als Komplettdienstleister, der dem Kunden so viel wie möglich abnimmt, damit dieser sich aufs Kerngeschäft konzentrieren kann. Ein Beispiel liefert die Pharma- und Medizintechnik. Dort ist das Unternehmen im Verbund in der Ver- und Entsorgung von Krankenhäusern tätig. „Wir haben tägliche Lieferungen an rund 4000 Krankenhäuser und andere Einrichtungen des Gesundheitswesens. Selbst Rollstühle und Krankenbetten können bis auf die Station oder nach Hause zu Patienten geliefert werden“, beschreibt Simon Reimer das umfangreiche Leistungsangebot.

Auf dem 30.000 m² großen Grundstück am Firmenstammsitz in Bremen findet ein großer Teil des Warnumschlags statt. Aber auch das Entpacken und Neubestücken von Containern gehört zum täglichen Geschäft, ebenso die Verzollung. Darüber hinaus befinden sich für den Mittelständler über 650 Transporteinheiten im Einsatz. Neben Bremen ist das Unternehmen noch an acht weiteren Standorten im Bundesgebiet vertreten.

Hafennähe ist hilfreich

Reimer, der auch Vorstandsvorsitzender des Vereins Bremer Spediteure ist, stellt dem Standort an der Weser ein gutes Zeugnis aus. Er sei wirtschaftsfreundlich, und die Hafennähe sowohl zu Bremen/Bremerhaven, Hamburg und auch Wilhelmshaven, aber auch Rotterdam und Antwerpen erlaube eine vielfältige Kombination der Warenströme. Was Reimer ebenfalls lobend hervorhebt, ist das breite Angebot an Ausbildungs- und Qualifizierungseinrichtungen für das Berufsbild des Logistikers. Die Hochschule für Internationale Wirtschaft und Logistik (HIWL) bietet einen Studiengang Logistik und Prozessmanagement an.

An der Universität gibt es einen Lehrstuhl für Logistik, und die Deutsche Außenhandels- und Verkehrs-Akademie (DAV) bietet Praktikern eine Aufstiegsfortbildung im Bereich Güterverkehr. Ebenso ist es möglich, ausbildungsbegleitend den Bachelor am Bremer Institut für Handel und Verkehr (BIHV) zu erwerben. Denn qualifizierter, engagierter Nachwuchs, der besonders vielfältig ausgebildet werden kann, „sichert unsere Zukunft“, so Reimer.

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