09. November 2015
aktualisiert am 17.12.15 16:13h

Schrumpfkur bei Rothenberger

Die Liste der Übernahmen ist lang. Seit 1976 expandiert der Hersteller von Rohrwerkzeugen und -maschinen für die Sanitär-, Heizungs-, Klima-, Kälte-, Gas- und Umwelttechnik Rothenberger über Zukäufe. Heute steuert die Zentrale der Rothenberger-Gruppe von Kelkheim aus über 60 Gruppengesellschaften. Mit den Zukäufen kamen auch die Lager hinzu. Sie waren meist an die gekauften Produktionsstätten angeschlossen „Es wird Zeit zu konsolidieren“, sagt Thomas Rech, Geschäftsbereichsleiter Logistik bei Rothenberger. Rund 30 Lager gibt es heute in der Unternehmensgruppe weltweit. Im Büro des Geschäftsbereichsleiters Logistik in Kelkheim im Taunus bei Frankfurt am Main wird die Schrumpfkur organisiert. Am Ende sollen weltweit fünf bis sechs Lager übrig bleiben.

Ein Lager in Mailand hat Rothenberger aufgelöst. Das Unternehmen bedient die Kunden jetzt über das Zentrallager in Kelkheim. „Mit der Einführung von SAP R/3 haben wir uns dazu entschlossen, den Bestand in Italien zu senken und in das Zentrallager zu überführen“, sagt Rech. Das vorherige System konnte Rech zufolge die Anforderungen nicht mehr erfüllen.

Für Rech hat sich die Schließung des italienischen Lagers ausgezahlt: „Unser Servicelevel ist um 10 Prozentpunkte gestiegen.“ Das Projekt förderte auch Überraschendes zutage. Bei 100 Artikeln gab es identische Artikelnummern, obwohl es sich um unterschiedliche Produkte handelte. „Es hat zwei bis drei Wochen gedauert, bis wir die Reklamationen der Kunden verstanden haben.“ Dass die Beschwerden auf die fehlerhafte Ausstattung mit Artikelnummern zurückgingen, war für Rech und sein Team zunächst nicht ersichtlich. Zudem waren 500 Artikel in der Zentrale gar nicht gelistet. Ein wichtiger Punkt war, dass der ursprüngliche Versandweg einer Reihe von Gütern von Italien nach Deutschland und wieder zurück nach Italien so nicht mehr stattfinden sollte. „Da sind wir noch in der Bereinigung“, ergänzt der Logistiker.

Frachtkosten gestiegen

Zwei Monate dauerte der Abbau der Regale und der Aufbau in Kelkheim sowie die Rückführung der Artikel in das Zentrallager. Der italienische Markt erhält jetzt mit rund 6000 Artikeln aus der deutschen Zentrale heraus Zugang zu einem weitaus größeren Produktportfolio. Mit der Zentralisierung sind aber auch die Frachtkosten nach Italien um 25 Prozent gestiegen. „Der Frachtkostenanteil am Umsatz muss noch gesenkt werden“, beschreibt Rech die nächste Baustelle.

Neue Spediteure an Bord

Mit dem Abbau des italienischen Lagers wurde auch der Spediteur gewechselt. Dieser versorgt die Kunden nun über sein zentrallager. Die Umstellung auf die neuen Dienstleister dauerte vier Wochen. Auf 40 Prozent Bestandsreduzierung beziffert Rech den Effekt der Lagerschließung.

Hinter der Zentralisierung der Logistik steckt die Überlegung, dass mit der zunehmenden Breite des Produktportfolios eine effiziente Lagerhaltung über lokale Standorte zu komplex und zu teuer geworden ist. „Man muss auf eine kritische Masse kommen, die ein Lager durchläuft“, betont Rech.

Neue Zentrallager in Osteuropa und Südosteuropa beziehungsweise die Zusammenarbeit mit Großhändlern sind die nächsten Schritte. „In den USA, in Russland, im Baltikum und Australien haben wir Großhändler gefunden, die die Logistik übernehmen“, erklärt Rech. (jh/ben/tof)

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