|  03. Juli 2017

Spedition Schanz: Seit 4 Generationen innovativ

Entwicklungen frühzeitig erkennen und im eigenen Unternehmen vorantreiben – damit schreibt die Spedition Schanz aus Ober-Ramstadt seit 90 Jahren unternehmerische Erfolgsgeschichte. Seit 2015 stehen erstmals zwei Frauen an der Spitze des Familienunternehmens. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Manchmal beginnen Geschäftsverbindungen über den Gartenzaun. Als einen solchen Glücksfall sehen die beiden geschäftsführenden Schwestern der Spedition Hans Adam Schanz GmbH & Co KG, Christine Hemmel und Kerstin Seibert, ihre direkte Nachbarschaft zum Hauptsitz der Caparol GmbH an. Bereits seit 1970 liefert Schanz deren Putze, Farben und Lacke aus, erledigt Werksverkehre und Transporte zwischen den einzelnen Standorten. Ein „großer Vorteil“ sei diese Lage, sagt Christine Hemmel. „Da kann man kurzfristig reagieren.“ Zug um Zug habe man immer wieder Aufgaben übernommen, die Caparol nicht mehr selbst erledigen wollte. So ist die Baustellenlogistik heute eines der wichtigsten Standbeine der Spedition Schanz. Hinzu kommen der reguläre Nah- und Fernverkehr.

Mit einem einzigen Lastwagen hatte der Urgroßvater von Hemmel und Seibert, Adam Schanz, das Fuhrunternehmen im Jahr 1927 gegründet. Er transportierte damals schon hauptsächlich Baumaterialien. Nach dem Krieg musste Schanz wieder fast bei null beginnen, da einige der LKW konfisziert worden waren. 1960 übernahm der Sohn, der ebenfalls Adam hieß, die Geschäftsführung und stellte die Flotte von Kipplastern auf Planenfahrzeuge um. Damit stieß er die Entwicklung zur heutigen Spedition an. 18 Jahre später kam Hans Adam Schanz dazu, der heutige Seniorchef und Vater von Hemmel und Seibert. Das Unternehmen expandierte, Schanz kaufte einige kleinere Firmen auf und eröffnete 1982 eine Niederlassung in Nürnberg – Letzteres nicht nur für Caparol, sondern auch für einen besonderen Auftrag einmal im Jahr: „Wir haben für Quelle immer den Katalog ausgefahren“, erzählt Seibert. Obwohl der Versandhändler pleite ging, seien die Umsätze in Nürnberg stabil geblieben.

Wende sorgte für Wachstum
Kurz nach der Wende folgte ein dritter Standort in Coswig bei Dresden, unter anderem weil die Großkunden aus der Baubranche von dort den Aufbau Ost bedienten. Dieser Nachfrage folgte Schanz, indem er Mitnahmestapler, Hebebühnen- und Kranfahrzeuge für seine Flotte anschaffte. Heute ist der Neubau am Stammsitz aus dem Jahr 2000 für die 65 Mitarbeiter schon wieder zu klein geworden: „Aktuell sind wir mit dem Umzug beschäftigt“, berichtet Hemmel daher von der aktuellen Erweiterung des Betriebs. Neben zusätzlichen Büros gibt es nun einen Schulungsraum. „Wir wollen versuchen, uns unsere Leute verstärkt selbst heranzuziehen.“ Erstmals ist eine Auszubildende zur Speditionskauffrau im Betrieb. Auch bei den Kraftfahrern, die „ganz, ganz schwer“ zu bekommen seien, bemühe man sich um eigenen Nachwuchs. Der erste Azubi steht kurz vor Abschluss seiner Ausbildung, zum neuen Ausbildungsjahr wird ein neuer beginnen. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

In der Flotte bemüht sich die Spedition um kontinuierliche Erneuerung: Schon früh baute Schanz Telematik und GPS-Ortung ein. Ab 2013 rüstete er seine mehr als 35 Fahrzeuge auf Euro-VI-Norm um. Einige der LKW fahren zusätzlich mit Flüssiggasantrieb, um die Umwelt zu schonen. Es sei schon immer ein Hobby des Vaters gewesen, gemeinsam mit dem Werkstattleiter zu tüfteln und Neuerungen – auch beim Umweltschutz – früh einzuführen, erzählt Hemmel. In Kooperation mit einem Hersteller entstand so eine Wechselbrücke aus Leichtbaumaterialien, die mehr als eine Tonne leichter ist als die herkömmlichen. Seit Anfang des Jahres setzt Schanz als erstes Unternehmen diese ein. Erste Erfahrungen zeigen laut Hemmel, dass die damit bestückten Lastwagen etwa 1 l Diesel weniger pro 100 km verbrauchen.

Test des Oberleitungs-LKW
Auch an einem echten Zukunftsprojekt wird sich die Spedition beteiligen: dem Feldversuch mit Oberleitungs-LKW. Ende 2018 erwarten Hemmel und Seibert das Fahrzeug von Scania. Bis dahin soll auch das 6 km lange Teststück auf der Autobahn 5 zwischen Darmstadt und Frankfurt mit Oberleitungen bestückt sein. „Wir fahren diese Strecke vier, fünf Mal am Tag, da waren wir von Anfang an prädestiniert“, sagt Hemmel. „Wenn die Batterie so weit reichen würde, dass wir elektrisch in die Städte fahren könnten, ohne CO2-Belastung und ohne Lärm, wäre das ein Riesenfortschritt.“ Aufladen kann der Lastwagen wieder während der Fahrt auf der Autobahn. In Ergänzung dazu holt die Familie derzeit Angebote für eine große Solaranlage auf dem Dach ihrer Halle ein. „Wir wollen eigenen Strom produzieren, den wir dann eventuell für diese Fahrzeuge nutzen können.“ "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Dass Hemmel einmal in den elterlichen Betrieb einsteigt, war keinesfalls vorgezeichnet. „Ich habe bei der Lufthansa in Frankfurt angefangen und wollte in der Tourismusbranche arbeiten. Durch die Kinder hat es sich dann ergeben, dass es von Vorteil ist, wenn man in der Nähe des Wohnorts arbeitet.“ Anders bei ihrer Schwester: „Ich war mir schon früh klar darüber, dass es in die Richtung gehen soll“, erzählt Kerstin Seibert. „Nach dem Abi habe ich Speditionskauffrau in Aschaffenburg gelernt, danach noch ein Studium in Verkehrswirtschaft und Logistik draufgesetzt.“ Die Eltern hätten sie nie gedrängt, die Firma zu übernehmen, versichern beide, aber: „Viele Fahrer kennen wir seit unserer Kindheit. Da ist das familiäre Gefühl schon vorhanden, dass wir das Unternehmen weiterführen wollen“, so Hemmel. „Es ist schön, weil es nie langweilig wird“, sagt Seibert. (tm)

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