|  31. Juli 2014
aktualisiert am 12.08.15 12:06h

Stückgut wächst mit der Logistik

Nein, "eine Werksspedition sind wir nicht." Entsprechende Fragen muss Manfred Heuer, Geschäftsführer der Nürnberger Spedition DTC Deutsche Transport-Compagnie Erich Bogdan, immer wieder beantworten. "Wir sind eine Spedition in Privatbesitz der Familie Diehl, zu dem auch der gleichnamige Industriekonzern gehört." Doch DTC agiert völlig frei auf dem nationalen und europäischen Stückgutmarkt - und richtet den Blick zunehmend auf das Kontraktlogistikgeschäft.

Natürlich "sind wir durch Konzerntransporte eng mit Diehl verbunden", gibt Heuer unumwunden zu. Bei einem Umsatzanteil von 15 Prozent ist Diehl aber nur zweitgrößter DTC-Kunde. Die Nummer eins nennt er nicht direkt, lässt aber durchklingen, dass Siemens in der Region mit einem Riesenpotenzial eine große Rolle spielt.

Den größten Teil des Jahresumsatzes von zuletzt 47,4 Mio. EUR erwirtschaftet DTC im europäischen Stückgutverkehr. Dabei baut das Unternehmen vor allem auf bilaterale Partnerschaften: Gebrüder Weiss in Verkehren mit Osteuropa. Groupe Heppner für Frankreich oder Sittam in Italien. Jüngster Schritt: Im Laufe dieses Jahres hat DTC Kooperationen mit der dänischen Bech-Hansen und der schwedischen Transfargo vereinbart - und kann so den skandinavischen Markt mit mehreren Abfahrten pro Woche ab Nürnberg abdecken. Dabei sind die DTC-Partner in der Regel auch Mitglieder der System Alliance Europe - eines losen Verbunds, dem auch die Nürnberger seit drei Jahren angehören.

Kunden zahlen für Qualität

Wichtig ist Heuer dabei, dass "wir überwiegend auf Direktverkehre setzen und nicht über Hubs gehen". Dies bedeute gute Laufzeiten, überwiegend tägliche Abfahrten und ein geringeres Beschädigungsrisiko. "Für diese Qualität zahlen die Kunden durchaus", ist der Spediteur überzeugt, der sich "als sehr preissensibel" bezeichnet. Darüber hinaus sieht er die persönliche Bindung zu den Kunden als wesentliches Kriterium für den Erfolg. "Letztlich muss natürlich auch der Preis stimmen." Aber "wer über den Preis kommt, der geht auch über den Preis", lautet die DTC-Devise.

Im nationalen Verkehr ist DTC mit einer Mischung aus Partnerschaften und Hubsystemen unterwegs. Auf der einen Seite werden mit Partnern wie Hellmann, Cretschmar, Bursped, Mäuler, GS Logistik oder Hasenauer und Koch Begegnungsverkehre unterhalten. Aber für "schwächere Regionen und als Back-up brauchen wir Hubverkehre", begründet Heuer die Mitgliedschaft in den Stückgutkooperationen VTL und CTL.

Letztlich hat sich DTC so ein europäisches Netz geknüpft, das aus 72 festen Relationen in 35 Ländern besteht. Damit ist die mittelständische Spedition einer der größeren Player im umkämpften Nürnberger Stückgutmarkt. Durchschnittlich 400 t nationales und internationales Stückgut verlassen die DTC-Anlage täglich, das Eingangsvolumen befindet sich in etwa in gleicher Größenordnung.

Aus der Diehl-Historie unterhält DTC Niederlassungen im schwarzwäldischen Schramberg und im sauerländischen Lüdenscheid. Sie sind im Verteilerverkehr und im nationalen Stückgutverkehr aktiv. Dabei hat sich aus Lüdenscheid heraus ein ganz eigenes Geschäftsfeld ergeben. So nimmt in der Metalllogistik neben der Versorgung mit Halbzeugen die Entsorgung von Abfällen und Rückführung von Spänen einen immer größeren Stellenwert ein.

Für die Zukunft haben die beiden DTC-Macher - zweiter Geschäftsführer ist Roland Kuhn - vor allem zwei Themen identifiziert. Das ist zum einen das vor vier Jahren gegründete Joint Venture DTC Emo-Trans. Über die 50:50-Beteiligungsgesellschaft kann DTC auch Anforderungen seiner Kunden hinsichtlich Luft- und Seefracht erfüllen. Gleichzeitig aber ist das Joint Venture Franchise- und damit Vertriebsgebiet für Emo-Trans. So konnten bereits neue Geschäfte von DTC-Bestandskunden gewonnen, aber auch Neukunden akquiriert werden.

Die DTC-Anlage in Nähe des Nürnberger Kombiterminals fungiert zudem als Hub für Emo-Trans-Seefrachtsendungen aus der Region, aber auch aus südosteuropäischen Ländern. Sie werden in Container gepackt und dann per Zug gen Hamburg und Rotterdam transportiert, skizziert Heuer die Win-Win-Aufgaben für beide Partner des Joint Ventures. "Ein zartes Pflänzchen, das wir noch gießen müssen", wissen die Beteiligten - auch wenn 2013 erstmals schwarze Zahlen geschrieben wurden.

Kontaktlogistik wird wichtiger

Zweites Thema ist der Ausbau der Kontraktlogistik. DTC verfügt in Nürnberg über zwei Hallen mit zusammen ca. 10.000 Palettenstellplätzen: eine Halle mit einem Hochregal für einen Hauptkunden und eine Multiuserhalle. "Derzeit überlegen wir, ob wir eine dritte Halle bauen können, um weitere 8000 Palettenstellplätze in einem Hochregal zu schaffen", so Heuer.

DTC ist schon seit Jahren im Logistikgeschäft aktiv, etwa für Emil Kiessling, einen Hersteller kosmetischer Produkte aus dem fränkischen Georgensgmünd. "Wir übernehmen täglich am Werk des Kunden die Ware und lagern sie ein. Über ein ERP-System werden die Bestelleingänge der Kiessling-Kunden online an uns übermittelt. Dann konfektionieren und kommissionieren wir die Waren", sagt Heuer. Nebeneffekt: Auch für den Weitertransport für mehr als die Hälfte aller Kiessling-Relationen innerhalb Europas ist DTC zuständig.

Das ist auch der Ansatz für die Zukunft. "Wir wollen über das Logistikgeschäft wachsen, aber nicht nur in der reinen Logistik, sondern auf diese Weise auch im Stückgut. Deshalb suchen wir Logistikkunden, die das Stückgutgeschäft befruchten", so Heuers Strategie. Schon heute dürften mindestens 5 Prozent des Stückgutaufkommens aus dem Logistikgeschäft generiert werden.

Wirtschaftlich hat DTC zwei nicht ganz einfache Jahre hinter sich. Während der Gesellschafter davor stabile Jahresgewinne von 1 bis 2 Mio. EUR gewohnt war, rutschte die Spedition 2013 sogar leicht ins Minus. 2014 aber landeten "Umsatz und Ergebnis wieder auf dem gewohnten Niveau", so Heuer. Das durfte die Gesellschafterfamilie auch erwarten, denn DTC ist nun mal keine reine Diehl-Werksspedition, sondern durchaus auch ein Profitcenter.

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