|  04. Mai 2015
aktualisiert am 12.08.15 12:58h

Thomsen bringt das Essen

Die Jens Thomsen Spedition zählt sich zwar selbst nicht zu den ganz großen Transporteuren im Lebensmittelbereich, freut sich aber dennoch, wenn sie Aufmerksamkeit erregt. Wie jüngst, als der Mittelständler verkündete, in Cloppenburg eine Niederlassung von DHL Solutions mit insgesamt 100 Mitarbeitern zu übernehmen. „Das hat die Branche schon etwas irritiert“, sagt Ulf Thomsen, der seit 2008 die Geschicke des Familienbetriebs leitet. Der neue Standort firmiert unter Thomsen & Kühne Logistics, da der bislang als DHL-Manager tätige Andreas Kühne ebenfalls ein Drittel der Anteile gekauft hat und dort nun weiterhin als Geschäftsführer tätig ist.

„Für uns ist das strategisch ein hochinteressanter Standort, weil wir von dort aus unser Distributionsgebiet im Bereich Sammelgut in Niedersachsen weiter ausbauen können“, fügt Thomsen hinzu. Bislang sei dort vor allem Lagerlogistik betrieben worden. Der Standort verfügt über 20.000 m² Fläche im Trocken- und temperaturgeführten Bereich. Künftig sollen dort auch Temperaturzonen von 0 bis 4 und 12 bis 18 °C entstehen. Cloppenburg dient zudem als Kompetenzcenter beim Thema Lagerlogistik.

Bestellrhythmen werden kürzer

Der Mittelständler hatte sich seit Jahren als Spezialist für Lebensmitteltransporte etabliert. So unterhält Thomsen insgesamt sechs Standorte, einen davon in Schweden. „Wir haben jedem unserer Standorte ein eigenes Profil gegeben. Jeder unterhält eine separate Flotte, die von dort aus disponiert wird“, sagt der Geschäftsführer. An einigen Standorten befindet sich außerdem eine eigene LKW-Werkstatt.

Von Hamburg aus erledigen die Mitarbeiter die komplette Distribution im Sammelgut- und Teilladungsbereich für Skandinavien sowie den Norden Deutschlands, also Hamburg, Schleswig-Holstein, das nördliche Niedersachsen und das westliche Mecklenburg. Die Ansprüche des Lebensmitteleinzelhandels werden immer differenzierter und die Bestellrhythmen kurzfristiger. „Wir müssen daher in der Lage sein, entsprechend zu reagieren und jeweils die passenden Lösungen anzubieten“, fügt Thomsen hinzu.

Viel in Technik investiert

Die LKW verteilen von der Hansestadt aus Waren an Lebensmitteleinzelhändler und deren Zentrallager. Sie versorgen neben Norddeutschland auch Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland mit fünf verschiedenen Temperaturdienstleistungen wie Tiefkühl, Ultrafrisch (vor allem Fleisch), Molkereiprodukte und Süßwaren sowie im Nichtlebensmittelbereich Pharmaprodukte. Je nach Bedarf sind die Fahrzeuge mit verschiedenen Kühlkammern ausgestattet, die meisten verfügen über Multitemperaturgeräte.

In Skandinavien setzt Thomsen vor allem Lang-LKW ein, die aus einem Zwei-Kammer-Motorwagen und einem Drei-Kammer-Auflieger bestehen, also fünf Temperaturbereiche umfassen. „Das ist insofern praktisch, als dass es in Skandinavien viel Fläche und wenige Einwohner gibt“, sagt Thomsen. Damit die Transporte effizient und nicht zu teuer werden, muss eine ausgeklügelte Logistik her. „Wir haben viel in die Technik investiert, um die großen Räume so eng miteinander zu verbinden, dass wir fast alles selbst zustellen können“, fügt er hinzu.

Landweg spart zwei Stunden

Die Waren für Skandinavien, die von Lebensmittelproduzenten aus einem Umkreis von rund 400 km um Hamburg stammen, kommen in der Regel morgens am Thomsen-Standort in Hamburg an und werden dort umgeschlagen und gleich verladen. Die Zustellung erfolgt am Folgetag – also ab Hamburg in 24 Stunden. „Bei vielen Kunden in Schweden und Finnland stellen wir nachts oder am Wochenende zu“, sagt Thomsen. Der Fahrer hat für das Depot oder Lager entsprechend einen Schlüssel dabei.

Einiges Aufkommen wird über klassische Trailerverkehre abgewickelt: mit der Fähre von Travemünde nach Trelleborg in Schweden, wo ein Fahrer den Trailer in Empfang nimmt und die Tour damit auch in einer Schicht schafft. Aufgrund des Volumens und der Zeit gehen dennoch drei Viertel der Transporte über Dänemark – also über den Landweg, „weil wir da teilweise zwei Stunden Zeit gutmachen“, erläutert der Geschäftsführer. Denn die Zeitfenster sind zum Teil sehr eng getaktet. Auf dem Rückweg nehmen die Trailer schwedische Getränke mit, die sie bis zu den Bordershops bringen, oder Pharmaprodukte sowie das Leergut aus der Fleischwirtschaft.

Komplexe Dokumentation

„Fresh and friendly“ lautet das Firmenmotto des Unternehmens, das zu rund 80 Prozent Lebensmittel transportiert. Und so wundert es nicht, dass Thomsen seit vielen Jahren nach den Lebensmittelstandards IFS Logistic zertifiziert ist. „Unser Geschäft funktioniert ähnlich wie Hochsprung. Die Latte wird immer höher gelegt“, sagt Thomsen. So musste das Unternehmen seine Trailer mittlerweile mit festen Schlössern ausstatten, eine Anforderung aus dem Produktschutz (Food Defense).

Auch die Dokumentation ist über die Jahre immer komplexer geworden. Es genügt längst nicht mehr, nur die Temperaturkurve aufzuzeichnen, inzwischen wird jeder Handgriff dokumentiert wie etwa Waschen des Fahrzeugs, um auch die erforderlichen Hygienestandards nach den Hazard Analysis and Critical Control Points (HACCP) nicht nur zu erfüllen, sondern jeweils auch nachweisen zu können.

Zeichen stehen auf Wachstumskurs

Für Skandinavien stellt Thomsen von Hamburg aus 40 ziehende Einheiten und deutlich mehr Auflieger bereit – allein nach Finnland gehen 30 Auflieger, die erst nach einer Woche zurückkommen. Ein finnischer Partner stellt die Waren dort für Thomsen zu. „30 Fahrzeuge erledigen die Distribution rund um den Kirchturm – also in der Region um Hamburg“, sagt der Spediteur. Hamburg platzt aus allen Nähten, weshalb der Standort derzeit um Lagerflächen erweitert wird. Mit begrenzten Möglichkeiten, da die Grundstücksfläche nicht mehr hergibt. „Wir sind aber im Gespräch mit der Stadt, um eventuell später ein angrenzendes Grundstück zu erwerben“, fügt er hinzu.

Die Firmenzentrale sitzt in Gudendorf bei Heide. Dort ist die Finanzbuchhaltung, Personalabteilung und Schadensachbearbeitung angesiedelt. Neben einem Umschlaglager und eigener Tankanlage betreibt die Spedition hier ein Reifenlager. Von dem Standort aus sind täglich 30 Fahrzeuge im Regionalverkehr mit Molkereiprodukten der örtlichen Meierei oder Gemüse unterwegs. Das Programm ist jeden Tag ähnlich mit ein paar Schwankungen. Der Standort in Güstrow bei Rostock wickelt im Bereich Obst und Gemüse zeitsensibles Geschäft ab. Der Einzelhandel bestellt die Waren meist im Laufe des Vormittags bis mittags. Die Thomsen-Mitarbeiter verladen sie am selben Tag und stellen sie, wenn möglich, taggleich zu oder spätestens am nächsten Morgen. 70 Fahrzeuge sind dafür im Einsatz.

Bei Thomsen stehen die Zeichen auf Wachstums. „Auch wenn das nicht so geplant war“, sagt der Geschäftsführer. „Wer einen guten Job macht, wird weiterempfohlen“, fügt er hinzu. Dazu komme, dass er als inhabergeführter Mittelständler häufig viel schneller Entscheidungen treffen könne. Das mache ihn für Kunden attraktiv. „Wir machen alles selbst, und auch der Fuhrpark gehört uns“, sagt er. Und Nein sagen, komme sowieso nicht infrage. Das Unternehmen agiere so flexibel, dass es alle Kundenwünsche erfüllen könne.

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