|  29. Mai 2017

„Unser SAP-Know-how ist eine starke Waffe“

Thomas Schwarz, Geschäftsführer bei Schwarz Logistik im baden-württembergischen Herbrechtingen, ist ein Fan von Fakten. Und er ist in vielen Fragen uneins mit dem grünen Verkehrsminister Winfried Hermann. So teilt er dessen Optimismus in Sachen Verlagerung von der Straße auf die Schiene nicht. „Für viele Verkehre ist die Bahn nicht flexibel genug und zu teuer“, so seine Erfahrung. Ein weiterer Grund für den Zwist ist die Position des Ministers zu Lang-LKW: Aus Sicht des Logistikers wären sie für viele Waren, die er zu transportieren hat, eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Alternative. „Da bremst der Minister nur“, ärgert sich Schwarz. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Nähe zu Bayern hilft beim Lang-LKW
Er ist der einzige Spediteur aus Baden-Württemberg, der am Feldversuch zu Lang-LKW beteiligt war, denn er hat das Glück, dass sein Lager nur wenige Kilometer vom bayrischen Teil des Autobahnnetzes an der A7 entfernt ist. Auf der A7 kann er mit seinen bislang vier Lang-LKW fahren und bedient damit vor allem Langstrecken im Rundlauf mit unterschiedlichen Kunden. Nachdem mittlerweile auch Nordrhein-Westfalen Strecken zulässt, kann er sich vorstellen, die Flotte auszuweiten. Wichtig ist aber auch, wie sich die Lage in Baden-Württemberg nach Abschluss der Studie zum Lang-LKW entwickeln wird. Erst dann besteht Klarheit, welche Angebote auf den Weg gebracht werden können.Schwarz ist überzeugt, dass für seine Fracht, vor allem weiße Ware, die längeren LKW deutliche Vorteile bieten. Dazu hat er auch Zahlen. Seit Beginn der Lang-LKW-Touren 2012 bis Ende November 2016 habe das Unternehmen im Schnitt mit der eigenen Flotte bei gleicher Motorisierung und gleicher Strecke mit den Lang-LKW knapp 19 Prozent weniger CO2 pro Tonne Fracht emittiert als mit gängigen LKW-Typen. Bei gleichem Frachtvolumen seien 418 LKW weniger auf die Strecke geschickt worden.

Schwarz-Wiki sammelt Infos
Nicht nur zum Lang-LKW hat Schwarz viele Zahlen gesammelt, er hat das komplette Unternehmen auf IT getrimmt und nutzt alle möglichen Datenquellen zur Optimierung der Prozesse. Das beginnt mit der Aufbereitung des Wissens, das im eigenen Unternehmen generiert wird. Das verstaubt nicht mehr in Ordnern und Aktenschränken oder versinkt in den digitalen Tiefen vieler verteilter Rechner. Alle Informationen fließen stattdessen in ein zentrales SchwarzWiki, eine Wissensplattform. Basis ist die Software Confluence des Herstellers Atlassian, die an die eigenen Anforderungen angepasst wurde.

Für einen Logistiker heißt IT natürlich auch, digitale Lieferketten zu realisieren: „Wir können die komplette Versorgungskette über SAP abbilden, das können nicht viele Logistiker“, betont Schwarz. Damit habe das Unternehmen „eine starke Waffe“, um Lösungen für die Kunden schnell realisieren zu können. Auf den 40.000 m² Lagerfläche in Herbrechtingen wird jede Bewegung per SAP gesteuert und kontrolliert und direkt mit den Systemen der Kunden vernetzt. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Einer der Effekte: Das Unternehmen hat einen sehr genauen Überblick über die eigenen Prozesskosten und weist diese den Kunden gegenüber einzeln aus. „Eine Monatsrechnung kann dann schon einmal aus 10.000 einzelnen Leistungen bestehen“, erklärt Schwarz. Diese Abrechnung nach tatsächlichem Aufwand führe auch zu hoher Transparenz für die Kunden. Die Digitalisierung geht bis zu den Staplern, die ihre Aufträge aus SAP direkt auf Terminals erhalten. Im Prinzip arbeiten sie dann nach dem Grundsatz First in – First out, der Administrator kann aber priorisieren und Aufträge nach vorne ziehen. Die 250 LKW der Flotte sind komplett digital vernetzt. Für Kunden und Strecken sind Standard-Parameter für Fahrzeiten und Ladungsvorgänge hinterlegt, um ein optimales Timing zu gewährleisten. Gibt es Abweichungen, lassen sich die Ursachen durch die Aufzeichnung gut erkennen. Fehler bei der Planung sammelt das Unternehmen und nutzt sie zur Optimierung. „Wir haben auch ein CO2-Berechnungswerkzeug, mit dem wir eine Bilanz pro Kunden und Auftrag erstellen können. Das interessiert aber noch nicht viele Unternehmen“, resümiert Schwarz.

Die Fähigkeit, die komplette Supply Chain in SAP abzubilden und an die Systeme der Kunden anzudocken, ermöglicht es dem Unternehmen, sich sehr dicht in die Produktions-, Liefer- und Versandketten einzubinden. So verfolgt Schwarz Logistik bei einem Online-Händler von Haushaltswaren nicht nur die Produkte, sondern pflegt Kunden- und Seriennummern zusammen. Damit ist einfacher, Reparaturen konkreten Produkten oder Chargen zuzuordnen und diese Informationen zur Sicherung der Produktionsqualität zu nutzen, erklärt Schwarz-Geschäftsführer Wolf-Dieter Dyck. Ein Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen erhält im Kanban-System die benötigten Komponenten für seine sieben unterschiedlichen Montagelinien. Bei einem großen Hersteller von Haushaltsgeräten übernimmt Schwarz Logistik die Bestückung der Produktionslinien mit Material im Zweischichtbetrieb mit vier bis sechs Touren am Tag. Die Waren werden auf Corletten so geliefert, dass die Werker sie direkt weiterverarbeiten können. Nicht benötigte Teile holt das Unternehmen wieder ab und lagert sie ein. Auch die Montage kompletter Baugruppen übernimmt Schwarz Logistik. Der Logistiker versorgt außerdem mit Ersatzteilen, teilweise bis zu zehn Jahre. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

3D-Drucker erstellt bald Ersatzteile
Schwarz sich auch auch Gedanken darüber, wie wichtig die Bereitstellung von Ersatzteilen in Zukunft noch ist. „Wenn sich 3D-Drucker durchsetzen, werden diese Teile womöglich nach Bedarf produziert und nicht mehr gelagert“, erwartet er. Auch andere Trends wie autonomes Fahren und die Auswirkungen auf die Rolle der Spediteure beschäftigen ihn. Der Vorteil der Spediteure sei das Netzwerk, die Ende-zu-Ende-Verbindung. „Wer die Daten hat, der steuert die Sendungsströme“, ist Schwarz sicher. Da will er vorne mitspielen.Um den dazu notwendigen Zugriff auf gut ausgebildetes Personal sicherzustellen, ist in Baden-Württemberg bei starker Konkurrenz die Personalwerbung für Mittelständler enorm wichtig. Beim Nachwuchs setzt Schwarz stark auf eigene Ausbildung. 22 Lehrlinge sind im Betrieb. Außerdem ist das Unternehmen Gründungspartner der Dualen Hochschule Heidenheim, die Logistiker ausbildet. Bei Kaufleuten und Logistikern, aber auch bei Fachkräften für Lagerlogistik sei die Personalakquise nicht schwierig, meint Schwarz. Nur bei Kraftfahrern habe das Unternehmen teilweise Probleme, aber da seien die eigenen Fahrer häufig die besten Personalwerber und brächten aus dem Heimaturlaub neue Kollegen mit. 75 Prozent der Fahrer der Spedition Schwarz haben allerdings einen deutschen Pass.

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