|  09. Januar 2014
aktualisiert am 14.08.15 16:06h

Von Blättern und Bohnen

Der Weg zum Hauptsitz der Berthold Vollers GmbH in Bremen beeindruckt. Er führt im neuen Quartier Überseestadt an den mehrere hundert Meter langen Speichern entlang, in denen das auf Commodities spezialisierte Familienunternehmen vor allem Kaffee, Kakao und Tee lagert und verarbeitet.

Allein hier, am Heimatstandort Bremen, verfügt Vollers über 150.000 m² überdachte Lagerfläche und eine Siloanlage mit einer Kapazität von rund 40.000 t. "Es ist eine der modernsten Siloanlagen Europas", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Christian Vollers mit Stolz.

Sein Unternehmen - so darf man es seit April 2013, als er alle restlichen Anteile von seinem Vater Lüder übernommen hatte, mit Fug und Recht bezeichnen - sein Unternehmen also gilt in der Logistikbranche als führend in Umschlag, Reinigung, Mischung und Lieferung von Kaffee und Kakao. Die Börsen für Rohkaffee in London und New York haben Vollers damit beauftragt, Börsenkaffee der Sorten Robusta und Arabica zu lagern. Und auch die Kunden sind respektabel.

Logistikpartner von Aldi

Vollers ist etwa der Logistikpartner von Aldi für seine Marke Markus-Kaffee. "Wir beliefern die Röstereien von Markus-Kaffee mit Rohkaffee", sagt der 41 Jahre alte Firmenchef.

Und so hat sich über die Jahrzehnte ein bestimmtes Image der Firma Vollers in der Logistikwelt gefestigt. "Als Lagerhalter für Kaffee und Kakao", sagt der junge Unternehmer, der in St. Gallen Supply Chain Management und Management studiert hat. Für den neuen Inhaber greift das jedoch deutlich zu kurz. Christian Vollers trieben schon lange Zeit vor allem folgende Fragen um: Wer sind wir? Welche Geschäfte machen wir? Wer sind unsere Wettbewerber? Und weil diese Fragen, wie er wortreich erklärt, im Unternehmen niemand zufriedenstellend beantworten konnte, hat er Ende 2012 einen Prozess in Gang gesetzt, der ein Jahr später zu einem neuen Leitbild geführt hat.

"Ein Unternehmen benötigt eine Struktur, die es dem Management ermöglicht, es sehr einfach zu steuern", erklärt er den Grundansatz des Prozesses. "Oder umgekehrt: Je komplexer das Firmengeflecht ist, desto schwieriger ist es, entscheidend durchzugreifen. Und desto problematischer wird es, in Krisenfällen Hilfe zu erhalten, etwa von Banken."

Die Struktur, sagt Vollers, müsse so einfach sein, dass man sie jedem Mitarbeiter in wenigen Sätzen erklären könne. Vollers setzt sich heute aus dem bekannten Modell von Holding und operativen sowie administrativen GmbHs zusammen. Der Holding sind noch eine Beteiligungs-GmbH sowie ein Beirat angeschlossen.

Beirat als wichtiges Korrektiv

Die Bedeutung des Beirats stuft Christian Vollers übrigens enorm hoch ein. "Wir haben ihn 2006 gegründet und es noch nicht eine Sekunde bereut", sagt er. Der Beirat sei ein sehr wertvolles Instrument, wenn man es vernünftig nutzt. "Das Wichtigste ist, dass darin ehrlich und offen über Zahlen und Projekte berichtet wird", sagt der gelernte Speditionskaufmann. "Jeder Inhaber hat blinde Flecken, sieht bestimmte Entwicklungen nicht oder nicht richtig. Da kann ein gut besetzter Beirat ein wichtiger Reality Check sein."

Im Vollers-Beirat sitzen der Berater René Suter, der BLG-Finanzvorstand Jens Bienik sowie der Forstwirt Christian Lürßen. Dieser löste Anfang Dezember 2013 die frühere Kraft-Foods-Managerin Annemiek Wijn ab. Sie ist eine der weltweit renommiertesten Expertinnen für Nachhaltigkeit. Ein Thema, das Christian Vollers sehr wichtig ist. So hat er sich früh dafür eingesetzt, Euro-VI-LKW zu kaufen.

Bei der Beantwortung der Frage, wer die Firma Vollers eigentlich genau ist, kam das Management schnell zum Befund, dass es eine hochwertige Mischung der Attribute Qualität, Leidenschaft, Erfahrung sowie Vertrauenswürdigkeit sein würde. "In unseren Lagern bewahren wir für unsere Kunden Ware im Wert von 1,5 Mrd. EUR auf", sagt Vollers. "Das erfordert eine Menge Vertrauen." Das Vertrauen bestehe jedoch nur wegen des Anspruchs an Qualität und einem gewissen Preis, den die Qualität erfordere.

Außerdem war dem Juniorchef früh klar, dass sich die Vollers-Gruppe entlang der gesamten Lieferkette definieren müsse. "Eine breite Dienstleistung muss jedoch gut strukturiert werden", sagt er und spannt damit wieder den Bogen zur möglichst einfach organisierten Firmenstruktur. "Wir definieren unsere Aktivitäten auf klar bestimmte strategische Geschäftsfelder", erklärt er die Philosophie des neuen Leitbilds. "Das sind Kaffee, Kakao und hochwertige Commodities."

Ein derartiges Leitbild helfe dabei, gegenwärtige und zukünftige Erfolgspotenziale systematisch zu entwickeln. "Die Strategie dazu geben wir in der Holding vor, das Management der einzelnen Standorte setzt sie dann auf ihre Bedürfnisse angepasst um", sagt Vollers weiter.

100.000 t Rohkaffee ab Bremen

Den Transport wickelt Vollers möglichst intermodal ab. Viel läuft jedoch über LKW. 40 Fahrzeuge mit dem markanten blau-gelben Schriftzug hat die Gruppe selbst in Betrieb. "Insgesamt", sagt Vollers, "transportieren wir 500 t pro Tag." Das Bremer Unternehmen, das Vollers Großvater 1932 als Lagereibetrieb und Küperei (Büro für Warenempfang in Häfen) gegründet hat, unterhält Beziehungen zu insgesamt 3000 Kunden. "200 bis 300 sehen wir als langfristige Kunden mit vertrauensvollen Beziehungen an", sagt Vollers.

Der Logistiker aus der Hansestadt sieht sich als deutsches Unternehmen mit Fokus auf Europa. "Wir glauben, dass Nähe zu den Kunden, lokales Wissen und Unternehmergeist Schlüssel für eine hohe Kundenzufriedenheit sind", sagt der Firmenchef. Den Blick auf globale Kaffeemärkte sieht er skeptisch. "Wir haben im Jahr 2013 zwar 26 Mio. Sack Kaffee aus Vietnam importiert, aber den Schritt dorthin zu machen, ist noch mal eine andere Geschichte", sagt Vollers. Das Unternehmen sei nun mal sehr anlagenlastig. Und die müssten erstmal bezahlt werden. "Das Wachstum ist da automatisch begrenzt." Interessant findet Vollers den US-Markt, mittlerweile der größte Importmarkt für Kaffee und Kakao.

Der Standort Bremen scheint aber nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes für ein Unternehmen wie die Vollers Gruppe nicht verkehrt zu sein. 600.000 t Kaffee - und damit fast so viel wie alle anderen Häfen zusammen - wurden im Jahr 2012 über die bremischen Häfen nach Deutschland eingeführt. Hamburg folgt mit rund 330.000 t auf Platz zwei. Der Warenwert des über Bremen importierten Kaffees beträgt rund 1,6 Mrd. EUR.

In den Lagerhallen von Vollers in der Bremer Überseestadt werden die Bohnen aufbewahrt, gereinigt und von dort aus in alle Welt weitertransportiert. Mit seinen 380 Mitarbeitern verschickt Vollers allein von Bremen aus jährlich 100.000 t Rohkaffee in 60 Länder der Welt. "Wir müssen täglich den Mehrwert für unsere Kunden finden", beschreibt Vollers die Herausforderung für sein Unternehmen. "Wenn uns das gelingt, haben wir für die Zukunft eine solide Basis."

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