|  05. Februar 2015

Wackler wächst in der Region

Oliver Schwarz hat derzeit häufig etwas zum Jubeln. Allerdings nur in der "Hölle Süd". Dort haben die Bundesliga-Handballer des Traditionsklubs FrischAuf Göppingen haben im Verlauf der aktuellen Saison deutlich häufiger gewonnen als verloren und finden sich in der oberen Tabellenhälfte wieder.

Die Speditionsgruppe Wackler ist mittendrin und nicht nur dabei. Die Inhaberfamilie Schwarz ist seit vielen Jahren einer der Sponsoren. Und ein Besuch des VIP-Bereichs in der "Hölle Süd" genannten Frisch-auf-Sporthalle zeigt: Auch in dem wirtschaftlichen Beziehungsgeflecht dieser mittelgroßen Stadt ist der Logistiker mittendrin, wie zahlreiche Begegnungen am Rande eines Bundesligaspiels beweisen. "Wir sind der mittelständische Logistiker für den Mittelstand", unterstreicht Oliver Schwarz, geschäftsführender Gesellschafter der rund 700 Mitarbeiter beschäftigenden Logistik- und Entsorgungsgruppe.

Weniger jubelt Schwarz allerdings, wenn er an seine sich selbst gestellte Aufgabe denkt, die Zukunft des Unternehmens für die nächste Generation zu sichern. Denn es wird immer schwieriger, diesen USP eines regionalen Platzhirschen in Geschäfte und Erträge umzusetzen. "Die Art der Kontakte verändert sich und macht unser Geschäft immer schwerer", weiß der 48-Jährige, der die Unternehmensgruppe mit seinen Cousinen Gabriele und Beate Schwarz leitet. Die vierte Generation hält inzwischen zusammen 90 Prozent der Gesellschaftsanteile.

Vertriebschef Jochen Gonser präzisiert: "Verträge werden immer häufiger unpersönlich über Ausschreibungen per Onlineplattformen geschlossen. Dabei geht es oft dann nicht mehr um Prozesse, sondern um Einsparpotenziale." Die mittelständischen Vorteile im oder eben durch den persönlichen Kontakt scheinen zu schwinden.

Doch noch zieht das Motto als "Service Company". So hat Wackler im Stammgeschäft, dem nationalen Stückgut, in den vergangenen Jahren im zweistelligen Bereich zugelegt - und ist damit über dem Markt gewachsen. Dabei profitiert das Unternehmen von der ausgangsstarken Region Baden-Württemberg: 1500 Stückgutsendungen täglich im Ausgang stehen 1150 einkommende Sendungen gegenüber. Auch im internationalen Bereich ist das Verhältnis ähnlich: 350 ausgehenden Sendungen stehen 100 einkommende Sendungen gegenüber. Da im Stückgutgeschäft bekanntlich das Geld im Ausgang verdient wird, eine durchaus angenehme Konstellation für die Göppinger.

Grundsätzlich will Wackler national kontinuierlich wachsen, "aber mit Verstand", wie Schwarz einschränkt. Denn dabei müsse jeweils die Entwicklung der Kostenstruktur im Auge behalten werden, Stichwort: sprungfixe Kosten durch den Aufbau zusätzlicher Linien oder Abfahrten. Über den Preis will Schwarz dabei nicht gehen. Bei dem Thema Preis kann er sich einen Seitenhieb auf die Konzernkonkurrenz nicht ganz verkneifen: "Manchmal fehlt uns das Verständnis, wie nicht inhabergeführte Unternehmen auf dem Markt agieren", formuliert er vorsichtig.

Um sich in der sich verändernden Wettbewerbssituation behaupten zu können, fährt Wackler eine mehrgleisige Strategie. Im austauschbaren Brot-und-Butter-Geschäft Stückgut, so erläutert Vertriebschef Gonser, "versuchen wir Mehrwert zu schaffen - Mitarbeiter, optimale Qualität, schlanke Prozesse, Kontinuität", versteht er darunter.

Ein weiterer wichtiger Ansatz ist die Internationalisierung. Auch hier muss Wackler auf eine gravierende Veränderung im Markt reagieren: "Die Zeit der Länderspezialisten neigt sich seit einigen Jahren dem Ende entgegen", beschreibt Schwarz. Vielmehr werden von den Kunden inzwischen Länderpakete geschnürt. "Ein tolles Produkt wie beispielsweise einen Verkehr nach Italien reicht nicht mehr, wenn Südeuropa en bloc vergeben wird", berichtet Gonser.

Entsprechend reagiert Wackler mit dem Ausbau des internationalen Netzes. Dabei setzten die Schwaben wie im nationalen Bereich vermehrt auf Direktlinien sowie das Cargoline-Europa-Hub. Rund 20 tägliche Linien werden inzwischen betrieben, allein 2014 kamen tägliche Abfahrten nach Mailand, Paris, Budapest und Prag hinzu. Als nächstes steht Lyon auf dem Zettel. Dafür werden bevorzugt Partner gesucht, die in dem jeweiligen Land für die Flächendeckung sorgen.

Doch nicht nur das: Europäische Marktführer wie Dachser oder auch DHL geben die Maßstäbe bei der Sendungsverfolgung und/oder den Laufzeitgarantien vor. "Wir brauchen Track & Trace bis Sizilien", formuliert Schwarz überspitzt. Dabei seien nicht die Schnittstellen selbst das Problem. "Wir übertragen die in Deutschland gewohnten Ansprüche auch auf andere Länder, das ist nicht ganz einfach." Dabei geht es dann um die Ausstattung der Fahrer auf der letzten Meile, aber auch um das grundsätzliche Verständnis der Statusbedeutung.

Letztlich hängt damit auch die zweite wichtige Herausforderung zusammen: die verlässlichen Laufzeiten. "Nur wenn ich über eine gläserne IT die Partner überprüfen kann, kann ich auch eine verbindliche Leistung anbieten", zeigt Gonser den Zusammenhang auf. Da sind in einigen Ländern durchaus noch dicke Bretter zu bohren.

Dass Wackler hier im Gegensatz zum nationalen Verkehr (Schwarz: "Hier verstehen wir uns als Cargoline-Purist") gezwungenermaßen nicht allein auf Cargoline setzen kann, verdeutlicht das Beispiel Tschechien. Der dortige Cargoline-Partner ist aber mit seinem Haus in Heilbronn ein sehr ernst zu nehmender Wettbewerber des Göppinger Wackler-Stammhauses. Dies schließt nach Schwarz` Meinung eine Zusammenarbeit in Tschechien aus. Ähnliche Konstellationen gibt es auch in anderen Ländern, weshalb Wackler sich hier ein Europa-Netz aus individuellen Partnern und Cargoline-Verbindungen zusammenbaut.

In der Region sieht sich das Familienunternehmen trotz aller Herausforderungen hinter den Marktführern Dachser, Schenker und DHL "auf jeden Fall als größte inhabergeführte Spedition in der Region", schätzt Schwarz. Und reizt es nicht, die Position vielleicht durch Zukäufe abzusichern oder auszubauen? Durchaus, versichert Schwarz. "Wir haben uns schon mehrfach in der Vergangenheit damit auseinandergesetzt, auch wenn es letztlich aus unterschiedlichen Gründen nicht geklappt hat."

Doch Schwarz hat mögliche Zukäufe deshalb nicht aufgegeben. Sollten beispielsweise mittelständische Logistikdienstleister in der Region zum Verkauf stehen, wäre das eine denkbare Variante. Oder Unternehmen mit Stärken auf gewissen internationalen Routen, die zum Wackler-Netz passen wären denkbar.

Grundsätzlich denkt Wackler dabei eher an die heimische Region. "Ein Schwabe in Hamburg dürfte es schwer haben", schmunzelt Schwarz. Und wie passt in diese Überlegung das Wackler-Engagement in Dresden? "Das war eher eine emotionale Entscheidung meines Vaters", blickt Cousine Gabriele Schwarz zurück. Ihre Mutter ist Dresdnerin. Nach einem Besuch der Stadt im Jahr 1986 hatte sich Vater Günter vorgenommen, in Dresden zu investieren - falls es einmal möglich wird. Nach dem Mauerfall war er schnell vor Ort und akquirierte die ersten Unternehmen. Heute ist Wackler mit einer großen Anlage in Wilsdruff präsent. Die emotionale Entscheidung hat sich als richtig erwiesen - auch weil die Familie Schwarz vor Ort auf lokale, sächsische Mitarbeiter vertraut.

Eine wichtige Rolle wird in den kommenden Jahren das schon Ende der 90er Jahre begonnene Kontraktlogistikgeschäft für die Wackler-Gruppe spielen. Dabei "geht es uns um Geschäfte mit einer echten Wertschöpfung, nicht nur um das schnelle Pufferlager", skizziert Schwarz. "Wir gehen mit einer hochwertigen Philosophie an diesen Markt - umpacken, etikettieren, Qualitätskontrolle und kommissionieren - das geht nicht mit einer Billigpreisstrategie."

Auch wenn für Schwarz die manchmal kolportierten Renditen in der Kontraktlogistik nicht nachvollziehbar sind, ist es ein Geschäft der Zukunft. "Aber die deutlich schwerer zu entflechtende Kundenbindung ist ein immenser Vorteil gegenüber dem klassischen Stückgutgeschäft", erläutert Schwarz. Zudem brauche ein Familienunternehmen nicht das einzelne Geschäftsfeld zu betrachten, sondern letztlich "wird unterm Strich zusammengerechnet - Kontraktlogistik und möglicherweise ergänzende Tätigkeiten im Stückguttransport", kalkuliert er.

Als zur Logistik passende Geschäftsfelderweiterung sieht Schwarz das Wackler-Engagement im E-Commerce. Ausgehend von einem Logistikvertrag mit dem Onlineshop-Kunden Elektro-Plus hat sich das neue Geschäftsfeld "WacklerPlusE" entwickelt. Dabei geht es zunächst um das Angebot an vorhandene Logistikkunden, mit Hilfe von Wackler den neuen Vertriebskanal E-Commerce zu erschließen. "Wir bieten komplett alles, was mit der Gestaltung eines Onlineshops zusammenhängt - von der Gestaltung, Einrichtung, Pflege und Vermarktung bis hin zur Logistik", skizziert Gonser.

Dabei kann es - muss es aber nicht - auch zu Neugeschäft im Lager- und Transportbereich kommen. Aber: "Die gegenseitige Befruchtung von Geschäftsbereichen ist nicht die Hauptintention. Motivation war vielmehr, ein neues Geschäftsfeld mit Wachstumspotenzial zu erschließen, das eine Verbindung zur Kernkompetenz Logistik und Transport via Stückgutnetz bietet." Aber je nach Shopausrichtung können durchaus Verbindungen zu den Kerngeschäften entstehen.

Ziel all dieser Aktivitäten des schwäbischen Mittelständlers ist es, das Unternehmen fit zu halten für die nächste Generation, umreißt Schwarz seine Aufgabe - wenn diese Generation es dann will und auch in der Lage ist. Denn immerhin geht es dabei nicht nur um die Inhaberfamilie selbst, sondern auch um die Verantwortung für 700 Mitarbeiter und ihre Familien.

Dies will Schwarz letztlich mit qualitativem Wachstum im doppelten Sinn schaffen: Er will als qualitativ bester Logistiker in der Region selbstbewusst auftreten können und damit in der Ertragskraft zulegen. Nur dann habe die Nachfolgegeneration Lust auf das Unternehemn und auch eine Perspektive. Wenn dies gelingt, dann dürfte das auch für die Handballer von Frisch auf! ein Grund zum Jubeln sein - denn dann ist ein wichtiger Sponsor für die kommenden Jahre gesichert.

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