18. August 2016

Im Berliner Speckgürtel wird es eng

Vor 20 Jahren fiel der Startschuss für die Errichtung des Güterverkehrszentrums (GVZ) Großbeeren am Südrand Berlins. 5 km von der A10 entfernt stand dort ausreichend Platz für gut 1.500.000 m² überbaute Logistikflächen zur Verfügung. Heute sind diese Reserven ausgereizt, die letzten Flächen werden bebaut.

Gerade erst wurde Richtfest gefeiert: Für den britischen Onlineversandhändler Asos entstehen in Großbeeren 44.000 m² Hallenflächen. Es ist das sechste Bauvorhaben für Udo Büntgen-Hartmann, geschäftsführender Gesellschafter der Alcaro Invest GmbH. „Wir sind mit offenen Armen empfangen worden“, sagt der Kölner, der seit 2009 in Großbeeren aktiv ist. „Uns wurden keine Steine in den Weg gelegt.“ Mittlerweile ist Alcaro der größte Investor auf dem 220 ha großen Areal in Großbeeren (Teltow-Fläming). Circa 36 ha Grundstücksfläche hat Büntgen-Hartmann erworben und für seine Mieter bebaut. „Etwa 4000 bis 5000 Arbeitsplätze sind entstanden“, erzählt er. Bislang hat der Immobilienentwickler nach eigenen Angaben 135 Mio. EUR investiert.

Hohes Konsumpotenzial

Der Speckgürtel Berlins ist ein Hotspot für Logistiker. Von hier aus werden Bekleidung, Lebensmittel, Pharmazeutika, Drogerieartikel, Möbel oder auch KFZ-Teile verschickt. Die Hauptstadtregion mit mehr als 5 Mio. Menschen ist ein lukrativer Markt: Der Onlineversandhändler Amazon hat hier beispielsweise 2013 ein großes Logistikzentrum in Betrieb genommen.

Was aber zieht die Unternehmen nach Brandenburg? Für sie sei vor allem die Infrastruktur entscheidend, so das Logistiknetz Berlin-Brandenburg. Seit 1990 wurden nach Angaben des Potsdamer Wirtschaftsministeriums rund 7 Mrd. EUR in die Straßenverkehrsinfrastruktur investiert. Über 12.000 km Straßen, ein großer Teil des Schienenverkehrsnetzes wie auch Binnenwasserstraßen und Häfen wurden erneuert und ausgebaut. In der Region gibt es fast 900 km Bundesautobahnen, 3000 km Schiene und 1300 km Bundeswasserstraßen.

Der Standort Großbeeren umfasst laut Rüdiger Hage, Geschäftsführer der Infrastruktur- und Projektentwicklungsgesellschaft mbH (IPG) mit Sitz in Potsdam, rund 260 ha. Im Auftrag des Landes und der Kommunen entwickelt die Firma seit Anfang der 1990er Jahre die drei GVZ Großbeeren, Wustermark und Freienbrink. Einstige Rieselfelder mauserten sich zu gefragten Logistikzentren. Allein in Großbeeren haben sich etwa 80 Firmen angesiedelt, die rund 540 Mio. EUR investierten. 8000 Menschen fanden einen Arbeitsplatz.

Noch vor Jahren mussten die IPG-Mitarbeiter um jeden Investor kämpfen. „Der Standort ist heute bekannt. Anfragen aus ganz Europa kommen fast von allein ins Haus“, so Hage. Doch jetzt wird es eng: Frei sind nur noch 32.000 m² – verglichen mit der Gesamtgröße ist das handtuchgroß. Das spürt auch Alcaro-Geschäftsführer Büntgen-Hartmann. „Die Wachstumsrate der Region ist enorm“, betont er. Als letztes Projekt entwickelt er eine Immobilie, für die er noch keinen Kunden hat – und denkt dabei an die steigende Nachfrage. „Dann ist für uns in Großbeeren Schluss.“

Spekulatives Bauen ohne Risiko

Auf Vorrat bebaut auch der Fonds Fidelity International mit einem Partner eine 38.000 m² große Fläche. Erste Einheiten sollen vom ersten Quartal 2017 an bezugsfertig sein. Sowohl Berlin als auch der Logistiksektor werden sich weiterhin wirtschaftlich sehr dynamisch entwickeln, ist Arno Väth, Immobilienfondsmanager bei Fidelity, überzeugt.

Die Platzfrage wird aber drängender. Entweder man rückt enger zusammen oder schaut sich in den anderen Brandenburger GVZ um. In Wustermark (Havelland) westlich von Berlin sind zum Beispiel noch 25 ha frei. (dpa/ben)

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