|  19. September 2017

Weliver-Logistik nimmt Fahrt auf

Auf dem schwierigen Berliner Stückgutmarkt etabliert sich eine neue Verteilerspedition. Aus der vor rund zwei Jahren entstandenen Arbeitsgemeinschaft der beiden mittelständischen Speditionen Meyer-Jumbo aus Porta Westfalica und Osa aus dem baden-württembergischen Efringen-Kirchen ist Anfang dieses Jahres die Weliver-Logistik GmbH entstanden. Zum 1. September nun der nächste Schritt: Weliver hat eine deutlich größere Speditionsanlage in Großbeeren bezogen, bestätigt Bernd Watermann, Geschäftsführer von Meyer Jumbo und Initiator des Projekts. Bisher waren die Partner in einer provisorischen Anlage in Neubeeren in direkter Nachbarschaft zum GVZ Großbeeren aktiv.

Neben den beiden Initiatoren Meyer-Jumbo und Osa hat sich auch die in Gronau an der deutsch-niederländischen Grenze ansässige Hamacher Logistik GmbH an der Neugründung Weliver beteiligt. Bereits im April 2016 hatte Hamacher damit begonnen, Stückgüter zur Verteilung in der Berliner Region in Neubeeren einzuspeisen. Ende Juli ist auch das Stückgutnetz VTL in den Gesellschafterkreis von Weliver eingestiegen. Damit verschieben sich die zuvor von Meyer-Jumbo, Osa und Hamacher zu je einem Drittel gehaltenen Anteile. VTL ist mit 22 Prozent kleinster Gesellschafter, die drei Gründungsmitglieder halten seitdem je 26 Prozent.

VTL – Heimat von Osa – wird die neue gepachtete Anlage spätestens vom Jahreswechsel an auch als Verteilerstützpunkt nutzen. Derzeit ist der Verbund vor allem noch bei Raben in Mittenwalde aktiv, hat dort aber bereits gekündigt, wie VTL-Geschäftsführer Andreas Jäschke der DVZ bestätigt. Mit der Beteiligung an Weliver sichere der Verbund seine Flächendeckung hinsichtlich der Verteilung und der Beschaffung in der schwierigen Berliner Region, begründet der Kooperationschef den Schritt.

Terminkritisches Stückgut
Schwerpunkt von Weliver ist die Verteilung von terminkritischen Stückgütern in der Region Berlin. Die Hauptläufe gen Berlin werden so getaktet, dass die LKW spätestens um 5.00 Uhr in Berlin sind. Besonders eilige Sendungen können dann schon wenige Minuten später in die Zustellung gehen. Derzeit kommen zeitgetaktete Linienverkehre von den drei Gesellschaftern aus Porta Westfalica, aus Efringen sowie aus Gronau nach Berlin.

Ferner lädt der Expressdienst DKD-Kleinsendedienst freitags und sonnabends früh bis zu 1.000 Mö­belersatzteile derzeit noch in Neubeeren ab, die von Hand für die Verteilung sortiert werden müssen. Hinzu kommen unregelmäßig LKW eines Kunden aus Kerpen.

Zudem konzentriert sich Weliver auf die Lager- und Kontraktlogistik für Unternehmen, „die eine kurze Anlieferungszeit für ihre Kunden im Raum Berlin benötigen“, erläutert Watermann. Das können auch Industriebetriebe sein, die in sehr kurzen Zeitfrequenzen von Großbeeren aus ihre Produktion versorgen wollen.

Alles in eigener Hand
Im Gegensatz zu einem neutralen Kooperationspartner, der die Interessen aller Mitglieder zu vertreten hat, „haben wir alles in eigener Hand“, begründet Watermann, wie die hohe Zustellqualität sichergestellt werden soll. So halte das eigene Personal engen Kontakt zu den Kunden und fungiere quasi als verlängerter Arm. „Besondere Zustell­anforderungen werden von allen Beteiligten im Detail abgesprochen.“ Beispielsweise wird morgens um 6 Uhr auf Großbaustellen Material zugestellt – „da müssen Zustellfahrer und der jeweilige Monteur engen Kontakt über Zustellort und -zeit haben“.

Die neue Anlage umfasst auf einem 25.000 m² großen Grundstück eine Lager- und Umschlagfläche von 4.100 m² statt bisher 700 m². 43 Rampentore stehen zur Be- und Entladung zur Verfügung. Die steigenden Mengen will Watermann mit einem aufgestockten Verteilerfuhrpark abwickeln. War die Arbeitsgemeinschaft mit zunächst fünf Fahrzeugen gestartet, so sollen es bis zum Jahreswechsel 15 bis 18 Einheiten sein. Ein Drittel davon entfällt auf eigene Fahrzeuge mit eigenem Personal, zwei Drittel auf Subunternehmer.

Dass dieser Premiumservice seinen Preis haben muss, ist den Kunden – ob aus Spedition oder aus der Verladerschaft – klar. „Wir liegen  deutlich über dem Berliner Marktpreis“, sagt Watermann ­selbstbewusst. Aber die Kunden seien bereit, für die Qualität zu bezahlen. Und den Speditionspartnern eröffneten sich durch die Leistung neue Geschäfts- und Auftragsmöglichkeiten.

Schwarze Zahlen
Die Partner sind von dem weiteren Erfolg ihres Geschäftsmodells fest überzeugt – schon „im ersten Jahr als Arbeitsgemeinschaft haben wir schwarze Zahlen geschrieben“, so Watermann. „Wir werden die neue Anlage anfangs zwar nicht in voller Größe benötigen, aber wir gehen von weiterem Wachstum aus“, ist Watermann zuversichtlich. So ist er bereits mit weiteren Kooperationen und größeren Speditionen im Gespräch über eine Zusammenarbeit oder auch eine Beteiligung.

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