28. Juni 2018

Welthandel: DHL bleibt weiter optimistisch

Die Deutsche Post prognostiziert für die kommenden drei Monate ein weiteres Wachstum des Welthandels. Das DHL Global Trade Barometer stieg seit der letzten Veröffentlichung im März um einen Punkt auf jetzt 67 Punkte. „Der Anstieg des Barometers ist insofern bemerkenswert, als dass sich in den zugrundeliegenden Daten die derzeit zunehmenden internationalen Handelskonflikte nicht widerspiegeln“, teilt der Logistikkonzern mit.

Das Barometer basiert auf der Auswertung großer Mengen von Logistikdaten mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Der Index entspricht dem gewichteten Durchschnitt des aktuellen Wachstums und dem der nächsten zwei Monate. Ein Wert von über 50 steht für eine positive Entwicklung, ein Wert darunter deutet auf einen Rückgang des Welthandels hin.

Exporterwartungen sinken weiter

Das Ergebnis des Frühindikators überrascht – zumindest aus deutscher Sicht: Denn hierzulande befindet sich die Stimmung unter den deutschen Exporteuren weiter im Sinkflug, wie das Münchner Ifo-Institut gestern mitteilte. Demnach sind die Exporterwartungen im Juni das siebte Mal in Folge zurückgegangen. Die Wirtschaftsforscher sprechen von einer „nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik“.

Erstmals seit Dezember 2016 geht die deutsche Autoindustrie von keinen Zuwächsen bei ihren Exporten mehr aus. Auch die Erwartungen der Elektroindustrie sowie der Nahrungsmittelhersteller erhielten einen deutlichen Dämpfer, wie das Institut weiter mitteilte. Deutlich optimistischer mit Blick auf das Auslandsgeschäft waren hingegen die Hersteller aus der Textil- und Bekleidungsbranche.

Euphorie in Deutschland ist vorerst vorbei

Das verarbeitende Gewerbe ist nicht gut in das Jahr gestartet, wie Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur erklärten. Noch zu Jahresbeginn hatten viele der Experten geradezu euphorisch auf die kommenden zwölf Monate geblickt. Doch die globalen Risiken ließen viele Hoffnungen schwinden.

Zentrales Thema dabei seien die Handelskonflikte. Vergangene Woche hatte der Autobauer Daimler seine Gewinnprognose für das laufende Jahr wegen voraussichtlich steigender Zölle in China für Importautos aus den USA gesenkt. Die USA und China steuern mittlerweile auf einen handfesten Handelskrieg zu. Daimler produziert in den Vereinigten Staaten auch Autos für den Weltmarkt.

Doch auch die Zweifel am Stabilitätskurs Italiens unter der neuen populistischen Regierung wertete KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner als großen Unsicherheitsfaktor.

Weiter hohes Niveau in der globalen Luftfracht

Der Anstieg des DHL Global Trade Barometer geht vor allem auf ein leichtes Plus in der Container-Seefracht zurück, die nun bei 64 Punkten notiert (März: 63 Punkte). Der Indexwert für die globale Luftfracht liegt unverändert bei 70 Zählern.

Bessere Aussichten für die USA

Nach Ländern aufgeschlüsselt ist der Anstieg insgesamt vor allem auf die optimistischeren Aussichten für China und Südkorea zurückzuführen. Auch der Handelsausblick für die USA verbesserte sich leicht. Die positive Entwicklung in diesen drei Ländern wurde jedoch durch die rückläufigen Prognosen für Indien, Japan und Großbritannien zum Teil kompensiert.

Großbritannien verliert weiter an Schwung

Trotz eines starken Rückgangs um 5 Punkte im Ausblick für Indien weist das Land mit 79 Punkten nach wie vor den insgesamt höchsten Prognosewert auf. Das Land mit dem niedrigsten Wert ist Großbritannien. Hier steht das Barometer nach einem Rückgang um 4 Punkte gegenüber März aktuell bei 57 Zählern.
Deutschland liegt in der Mitte: Dem deutlichen Anstieg von 3 Punkten bei der Luftfracht steht allerdings ein Rückgang bei der Seefracht um 1 Punkt gegenüber. Der Ausblick für Deutschland liegt unverändert bei 64 Punkten und ist damit weiter deutlich positiv.

Positiver Ausblick für alle Branchen

In der Branchenbetrachtung des DHL-Frühindikators zeigt sich die deutlichste Verbesserung bei Maschinenteilen, gefolgt von Konsumgütern und Hightech. Der Handelsausblick ist für alle berücksichtigten Segmente weiter positiv. Die einzige Ausnahme bilden Basisrohstoffe, für die der Logistikkonzern einen signifikanten Rückgang des Welthandels prognostiziert. (cs/mit dpa)

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