|  09. Mai 2017

Zufall investiert in die Kontraktlogistik

Die in Göttingen beheimatete Zufall Logistics Group will das Kontraktlogistik-Geschäft in den kommenden Jahren weiter ausbauen. So will das Familienunternehmen in zwei neue Standorte in ihrer Heimatregion investieren und so Bestandsgeschäft zusammenführen und Platz für Neugeschäft gewinnen, kündigte Jürgen Wolpert, einer von drei Zufall-Geschäftsführern an. Ziel ist es, im laufenden Jahr die vorhandene Logistikfläche um 70.000 m² oder 20 Prozent auf dann 400.000 m² zu erweitern. Innerhalb der kommenden fünf Jahre soll der Jahresumsatz dieser Sparte von derzeit 50 auf 70 Mio. EUR gesteigert werden. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Gebaut wird derzeit im Gewerbegebiet Siekanger in Göttingen. Dort wird das erst 2014 eröffnete Logistikcenter Distribo um 10.000 m² auf 25.000 m² erweitert. Der Anbau für das Joint Venture mit dem Kunden Sartorius soll im Herbst fertiggestellt sein. Zudem sucht Zufall in Göttingen und Umgebung einen Standort für eine neue 20.000 m² große Anlage, in der verschiedene bestehende Kontraktlogistikprojekte zusammengefasst werden sollen. „Für Neugeschäft steht rund die Hälfte der Fläche zur Verfügung“, plant Wolpert. Schließlich soll auch in der Nähe von Fulda eine neue Anlage mit 37.000 m² entstehen, in der alle Reifen-Kunden der dortigen Niederlassung konsolidiert werden sollen. Auch hier wird ausreichend Platz für Neugeschäft geschaffen. Zudem sollen in Fulda spezielle Testflächen für neue Technologien wie autonome Fahrzeuge oder Google-Brillen eingerichtet werden. Die Sparte Kontraktlogistik ist auch einer der Wachstumstreiber bei Zufall. So wurden 2016 erstmals 50 Mio. EUR in diesem Geschäftsfeld umgesetzt, 11 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zufall gewinnt durch Zukäufe auch im Bereich Luft- und Seefracht
Deutlich zugelegt hat auch die Sparte See- und Luftfracht. Getrieben durch die Zukäufe der beiden Hamburger Seefrachtspezialisten Team Trans Hamburg und Team Trans Logistics schnellte der Umsatz von 12,8 auf 27,7 Mio. EUR in die Höhe. Der Zuwachs um 14,9 Mio. EUR teilt sich auf in 14 Mio. EUR durch die Akquisitionen sowie 0,9 Mio. EUR organischen Wachstums. Inzwischen ist Zufall nicht mehr nur in seinem bisherigen Stammgebiet Göttingen, dem südlichen Niedersachsen, dem nördlichen Hessen, dem Siegerland und dem Westen Thüringens vertrieblich aktiv, sondern deutschlandweit, wie der zuständige  Geschäftsführer Michael Tillner zufrieden konstatiert. Zudem würde die Seefracht zunehmend mit vor- und nachgelagerten Dienstleistungen wie Lagerung oder Landverkehren verknüpft.

Der nationale Landverkehr, in dem Zufall vor allem das Stückgutgeschäft betreibt, ist im vergangenen Jahr stabil geblieben. Dass dennoch für diese Sparte ein Umsatzplus von 8,4 Prozent auf 119,5 Mio. EUR gestiegen ist, wird mit einer veränderten Zuordnung erklärt: der eigene Fuhrpark von 18 LKW sowie die Lebensmitteldistribution in Fulda werden nicht mehr unter „sonstiges“ geführt, sondern dem Landverkehr zugeordnet. Unverändert ist diese Sparte mit einem Anteil von knapp 40 Prozent die umsatzstärkste."Jetzt für die Logistik News anmelden"

Trotz der Bewegungen innerhalb des Kooperation System Alliance (SyA) halte Zufall unverändert an dem Verbund fest, unterstreicht Wolpert. Allerdings müsse sich Zufall als ausgangsstarkes Unternehmen eine gewisse Flexibilität in der Partnerwahl vorbehalten, sagte er mit Hinweis auf die notwendigen Neubesetzungen von Verteilergebieten aufgrund des Raben-Ausstiegs aus dem Verbund. Speziell im Nahverkehr rechnen die Zufall-Verantwortlichen mit steigenden Kosten, denn gerade „in Ballungsgebieten wird es immer schwieriger, gute Nahverkehrsstrukturen zu schaffen“, ergänzt Tillner. Die europäischen Landverkehre trugen im vergangenen Jahr nahezu stabile 72,5 Mio. EUR zum Zufall-Umsatz bei.

Night Star Express leidet unter Hyundai-Umzug
Unter dem Standortwechsel des  Ersatzteilgeschäfts des koreanischen Autoherstellers Hyundai litt der Zufall-Geschäftsbereich Night Star Express (NSE). Dieser Kunde ist nach Leipzig umgezogen – dort aber ist der NSE-Partner Hellmann zuständig. Dadurch ging Zufall ein Umsatz von rund 2 Mio. EUR verloren, was sich exakt dem Spartenrückgang auf 28,9 Mio. EUR entspricht. Im Gegenzug baut Zufall Kompetenz für die Landmaschinenbranche auf, betont Peter Müller-Kronberg, geschäftsführender Gesellschafter.  Gemeinsam mit den Nachtexpress-Partnern wird ein Ernte-Service geboten, der in der Ernte- und Feldarbeitszeit Abholungen und Zustellungen von Ersatzteilen und Erntegeräten auch am Wochenende garantiert. Rund 400 Sendungen werden für zwei Landmaschinenkunden im Wochenendservice über den Konsolidierungspunkt bei Zufall in Kassel bewegt. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

In der Summe stiegen die Umsatzerlöse der Zufall-Gruppe im vergangenen Jahr um 17,6 Mio. EUR oder 6,5 Prozent auf 304,8 Mio. EUR. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Geschäftsverlauf“, unterstreicht Wolpert. Und auch mit der Ertragslage „sind wir zufrieden“, kommentiert Müller-Kronberg gewohnt zurückhaltend ohne detaillierte Zahlen zu nennen. Das Ergebnis sei etwas besser als im Vorjahr ausgefallen, für das der Bundesanzeiger ein Ebit von knapp 8,4 Mio. EUR und einen Jahresüberschuss von knapp 6,6 Mio. EUR ausgewiesen hatte. Dies lässt einen Jahresgewinn von annähernd 7 Mio. EUR vermuten. Für das laufende Jahr plant das Familienunternehmen „zurückhaltend und verhalten optimistisch“. Müller-Kronberg kalkuliert mit einem Umsatzplus von 2 Prozent – auch wenn die Auswirkungen des Brexit und des zunehmenden US-Protektionismus noch nicht solide einzuschätzen sind.

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