|  11. Januar 2016
aktualisiert am 14.01.16 16:57h

Bodenständiger Teamplayer

Spelle, Mittagessenszeit, weil für ein richtiges Frühstück keine Zeit war. Kaminzimmer im Hotel Krone. Es gibt Bodenständiges: Grünkohl mit Bratkartoffeln und hausgemachter Bratwurst. Passt zum Gastgeber.

Für Bernard Krone spielt das „Sehen und Gesehenwerden“ eine untergeordnete Rolle. Im Leben des Eigentümers der Bernard Krone Holding zählen Werte wie Fleiß, Ehrlichkeit und gesunder Menschenverstand – Tugenden, auf denen der Erfolg des Unternehmens fußt. Dieses Selbstverständnis zieht sich durch alle Ebenen der Firmengruppe. „Das Klima bei uns ist leistungsorientiert, aber immer fair“, sagt der 38-jährige Firmenchef, der vor fünf Jahren endgültig die Zügel von seinem Vater übernommen hat.

Er geht mit gutem Beispiel voran: An einem normalen Arbeitstag abseits von Geschäftsreisen und Messen verbringt er zehn bis elf Stunden im Büro. „Mein Tag beginnt unterschiedlich“, sagt Krone. „Habe ich im Fahrzeugwerk in Werlte zu tun, heißt es um 6 Uhr aufstehen, damit ich gegen 8 Uhr in der Firma bin. Dann frühstücke ich eigentlich nicht, sondern nehme mir ein Brötchen für unterwegs mit. Habe ich dagegen im Landmaschinenwerk in meinem Heimatort Spelle zu tun, kann ich es etwas entspannter angehen: Kurz vor 7 Uhr fängt der Tag an, und dann kann ich mir morgens auch mal Zeit für die Kinder nehmen.“

Auch das ist ein wichtiger Eckpfeiler in Krones Leben, die Familie: „Im Idealfall gehe ich abends zwischen 18.30 und 19 Uhr – damit ich Zeit für meine Frau und meine Töchter habe.“ Die stehen auch am Wochenende für ihn im Vordergrund. Dann wird Krone ganz zum Papa, der gern mit den Kindern ins Schwimmbad geht oder Ausflüge unternimmt.

Unter der Woche widmet er sich strukturiert, aber – wie er betont – „nicht völlig durchgetaktet“ dem Tagesgeschäft. Seine Agenda wird dabei von den Themen der beiden Hauptgeschäftsfelder bestimmt. Landmaschinen stehen hierbei auf der einen Seite, Auflieger auf der anderen – eine abwechslungsreiche Aufgabe. Wertvoll ist dabei die erste Stunde, in der er konzentriert die Post abarbeitet, bevor er dann mit dem ersten Espresso des Tages eine Zäsur setzt. Das schwarze Gebräu ist eine seiner Leidenschaften: „Ab 9 Uhr gönne ich mir den ersten Schluck – ohne Zucker, aber immer mit einem Stückchen Schokolade.“

Krone hat seinen ganz eigenen Stil. Wer sich mit ihm unterhält, findet einen sehr aufmerksamen Zuhörer: „Persönliche Gespräche halte ich für extrem wichtig, denn nur so bekomme ich auch die Zwischentöne mit.“ Hinzu kommt viel Eigenverantwortung beim Miteinander in der Krone Gruppe. „Ich bin davon überzeugt, dass eine hohe Eigenverantwortung nicht nur die Motivation, sondern auch das kreative, selbstständige Arbeiten fördert“, sagt der Unternehmer. Dabei sieht er sich auch in der Rolle des Moderators. Ihm geht es darum, zwischen dem notwendigen Entfaltungsspielraum für die Mitarbeiter und dem Punkt, an dem ihnen Grenzen gesetzt werden müssen, die Balance zu halten. „Unsere Mitarbeiter motivieren sich immer wieder selbst über ihre Projekte.“ Und sie bekommen Feedback: „Wenn ich sehe, dass bei einem Projekt etwas wirklich Gutes herauskommt und meine Erwartungen von fantastischen Ideen übertroffen werden, dann freue ich mich riesig – und sage das auch.“ Ein paar Dinge bringen den Firmenchef indes auf die Palme: „Was mich ärgert, ist, dass sich manche Menschen viel zu lange mit dem Althergebrachten befassen.“

Krone ist freilich auch kein Mann, der in die Vergangenheit blickt oder sich mit Fehleranalysen aufhält. „Es geht doch darum, an der Gestaltung der Zukunft zu arbeiten.“ Dabei macht er auch vor sich selbst nicht halt: „Man sollte den Sinn getroffener Entscheidungen immer wieder mal hinterfragen – das gilt auch für Entscheidungen, die ich getroffen habe.“ Eine Herausforderung für die Mitarbeiter? „Nein, ich gehe als Unternehmer ganz selten mit dem Kopf durch die Wand, sondern ziehe es vor, die Sachargumente abzuwägen.“

Er führt aus: „Egal, wann man eine Entscheidung trifft, man ist nie im Besitz aller relevanten Informationen. Kommen aber mehr Informationen hinzu, muss man prüfen, ob sich damit die Grundlage der Entscheidung nicht verändert hat.“ Das heißt für Krone aber nicht, dass man nun alle vier Wochen einen kompletten Kurswechsel vornehmen sollte, es geht ums Nachjustieren. Hier kommen dem 38-Jährigen seine Erfahrungen aus der Unternehmensberatung zugute – auch in diesem Umfeld entwickeln sich Lösungen im laufenden Prozess.

Krone fühlt sich in der Moderatorenrolle wohl: „Ich will Ideen pflanzen oder eine Atmosphäre schaffen, in der Ideen entstehen und wachsen können.“ Bei aller Bodenständigkeit und Familienbezogenheit gönnt sich Bernard Krone auch Zeit für sich selbst: Mal geht er mit Freunden zu einem Fußballspiel, mal spielt er eine Runde Golf. Ab und zu wird er doch mal „gesehen“ – wenn er eine Runde in seinem wunderbar erhaltenen roten Porsche 356 Speedster dreht.

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