|  10. Dezember 2015

Boxtraining in der Chefetage

Schwitzen, schlagen, stemmen – Carsten Erdt und seine Geschäftsführer-Kollegen haben freitags ein besonderes Meeting. Ab 15 Uhr tauschen sie Sakko gegen Sportshorts. Treffpunkt ist nicht wie unter der Woche der Besprechungstisch am Firmensitz in Viernheim, sondern in einem Fitnesspark in Schwetzingen bei Heidelberg. Nach dem Aufwärmen hauen die Manager auf Pratzen, machen Kniebeugen mit der Langhantel oder donnern ihre Fäuste auf einen Boxsack.

„Wir haben lange herumprobiert, welche Sportart zu uns passt“, sagt Torsten Kühlwein, Geschäftsführer der Erdt-Gruppe und Initiator der wöchentlichen Herrensportgruppe. Als ehemaliger Geräteturner kennt der Mittvierziger die positive Wirkung, die Sport in der Gruppe auf ein Team haben kann. „Schließlich sind wir beim Boxen gelandet“, sagt Kühlwein und schmunzelt. Denn auf die Zwölf geben sich die zwölf Kollegen natürlich nicht.

„Montags mit einem blauen Auge beim Kunden vorsprechen käme nicht so gut“, verdeutlicht er. Daher konzentrieren sich die Männer mehr auf den eigenen Körper als auf mögliche Lücken in der Deckung eines Rivalen. Pratzen und Punchingball heißen die Gegner. Und vor allem „innerer Schweinehund“. Den zu überwinden sei in der Gruppe erwiesenermaßen einfacher. Schafft etwa ein Kollege die letzte Kniebeuge nicht, hilft der Trainingspartner.

Mehr Motivation im Büro

Diese motivierenden Erfahrungen nimmt die Führungsriege mit ins Büro. Dort können dann die Macher aus Logistik, Produktion, IT, Verwaltung und Qualitätsmanagement auf beruflicher Ebene wiederholen, was sie wöchentlich im Gym trainieren. „Seit wir zusammen schwitzen, unterstützen wir einander besser“, erklärt Kühlwein. Dabei hilft auch, die Business-Maske beim Sport abzulegen. „Wer sich mal beim intensiven Sporttreiben erlebt hat, vertraut dem anderen mehr“, weiß der Manager. Das belegen übrigens auch Psycho-Studien. Gemeinsame Grenzerfahrungen schweißen zusammen.

Dieser Kitt ist wiederum Grundlage für Effektivität. Kühlwein erklärt: „Der Sportnachmittag erhöht unsere Kreativität.“ Durch den Tapetenwechsel würden Arbeitsprozesse geschmeidiger, weil im Fitness-Studio auch übers Geschäft gesprochen wird. Ideen und eine andere Denke würden gefördert. „Messen können wir das zwar nicht“, sagt Kühlwein. Aber er nimmt wahr, dass die Kollegen montags im Meeting oft Lösungen für Abläufe präsentieren, die in der Woche zuvor noch „unlösbar“ erschienen.

Die von den Chefs vorgelebte Sportlichkeit strahlt auf andere Kollegen ab. Von den rund 500 Mitarbeitern der Firmengruppe treibt inzwischen gut die Hälfte regelmäßig Sport. Auch weil Erdt beim Studiobetreiber seit fast vier Jahren einen Rahmenvertrag abgeschlossen hat – den alle Beschäftigten nutzen können. Zudem gibt es Laufgruppen und Kollegen, die sich regelmäßig zum Yoga oder beim Milon-Zirkel treffen. Das Engagement zeigt Wirkung: Fehl- und Krankheitstage sinken, und mancher Sesselsitzer hat sichtbar abgespeckt. Firmenauftritte bei lokalen Laufveranstaltungen und dem Berlin-Marathon sind inzwischen obligatorisch.

Positiv für das Unternehmensimage

Nebenbei festige das gemeinsame Training soziale Beziehungen. Die berühmten „Soft Skills“ würden gestärkt. Freundschaften entstünden, und für Büroarbeiter sei Laufen, Dehnen oder Boxen neben Körper- auch Geisttraining. Koordination und Gleichgewicht würden geschult. Alles zusammen wirke sich positiv auf die Arbeit und letztlich auf das Unternehmensimage aus, fasst Kühlwein zusammen.

Der Familienbetrieb feierte gerade sein 25-jähriges Bestehen. Gründer Carsten Erdt freute sich beim Firmenfest über die zweite Generation „Erdtler“. Er sei stolz „auf Mitarbeiter, die ihre Kinder zu uns schicken, damit wir sie ausbilden“. Offensichtlich kommt an, was sich im Sportprofil der Firma zeigt: „Wir wollen unseren Leuten langfristig eine Perspektive geben und helfen, besser zu leben“, sagt Erdt. Dreht sich um und haut auf den Boxsack, bis die Runde zu Ende ist. Nach einer kurzen Verschnaufpause nimmt er sich die Langhantel und beugt seine Knie unter Gewicht. (hec)

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