08. Juli 2016

Container sind sein Ding

Container. So wie das Hauptgeschäft aussieht, so logiert auch die Zentrale der SST in Hamburg. Zweckmäßig in miteinander verbundenen Containern, ausgerüstet mit allem, was eine Spedition braucht. Auch der Hof wird derzeit von Containern dominiert – Unterkünften auf Zeit für Flüchtlinge. Noch leer warten sie auf ihren Transport zum Einsatzort. In diesem Monat sollte es losgehen. Drei Wochen vor dem Start kam der Anruf: Die Baugenehmigungen verzögern sich. Also bleiben die Einheiten wohl noch weitere drei Monate, wo sie sind. Und sie stehen nicht nur auf seinem Gelände, sondern auch bei allen Nachbarn auf der Peute sowie bei befreundeten Spediteuren. Etwa 10.000 m² belegt Ralph Walter, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, derzeit mit rund 1200 Containern. Nun müssen die Mietverträge verlängert und einiges umorganisiert werden.

Vertrauen in die Mitarbeiter

Wie er dabei ruhig bleibt? Er vertraut auf sein Netzwerk und seine guten Mitarbeiter. Außerdem hat er Logistik mit der Muttermilch aufgesogen, sein Vater war Geschäftsführer einer Stückgutspedition in Neu-Isenburg. Walter ist nicht so leicht zu beeindrucken – allenfalls von der so schnell voranschreitenden Digitalisierung. Seine Frau komme damit besser zurecht und bezeichne ihn gern als „technischen Embryo“ – obwohl er im Unternehmen, in dem sie ebenfalls mitarbeitet, sowohl für das Kaufmännische als auch für das Technische zuständig ist. Mit Erfolg. Den verdanke er neben seinen Branchenkontakten und seinem langjährigen Team seinem Instinkt, so Walter.

Die SST GmbH verdient ihr Geld vor allem mit Eventlogistik und dem Aufbau von Kindergärten, Schulen, Flüchtlingsheimen oder auch Büros und Autohausniederlassungen aus Containern. Hinzu kommen Projektladungen, Schwer-, Spezial- und Großraumtransporte sowie Baulogistik. Doch gerade im Projektgeschäft gebe es im Moment nichts zu holen. Mit Festivals wie in Scheeßel und Wacken, Weihnachtsmärkten, Roadshows und öffentlichen Gebäuden hingegen schon. Außer für den Transport ist das Unternehmen auch für das Aufstellen und die Montage der Einheiten nach genauen Plänen verantwortlich sowie für den termingerechten und fachmännischen Abbau. Schließlich wird alles an anderer Stelle wieder gebraucht.

Doch Walter hält ebenso an seinen übrigen Geschäftsfeldern fest, um sich breit aufzustellen. Als Schwergutspedition für Aufträge bis 45 t Ladungsgewicht sitzt SST bei einigen Kunden mit im Werk und ist direkt in die Logistik eingebunden. Das Unternehmen betreibt auch Lager wie etwa ein 6000 m² großes in Göppingen für Schwergut eines Zulieferers der Automobilindustrie. Neue Bereiche sind im Januar 2016 hinzugekommen: Durch den Kauf der Paul Bölingen GmbH in Duisburg gehört die Beförderung von flüssigem Helium mit einem eigenen Fuhrpark inklusive Befüllungsservice für medizinische Anlagen genauso zum Portfolio wie Edelmetalltransporte, die zum Teil mit Binnenschiffen abgewickelt werden. Verkehre organisiert das Unternehmen in ganz Europa, derzeit laufen 90 Prozent des Geschäfts aber innerhalb Deutschlands.

Viel Freizeit bleibt da nicht. Die aber gehört der Familie und dem Fußball. Walter trainiert die 1. F-Jugend bei Altona 93, in der auch sein achtjähriger Sohn spielt. Seine Tochter ist mit fünf Jahren ebenfalls schon auf dem Platz aktiv. Außer für Altona 93 schlägt sein Herz sowohl für den HSV, für den er zwei Dauerkarten besitzt, als auch für den FC St. Pauli. Hier guckt er mindestens immer dann zu, wenn sein Sohn mit den Profis einlaufen darf oder selbst im Förderkader des Vereins spielt. Bekäme er 1000 EUR geschenkt, würde Walter den Fußball am Wochenende allerdings einmal Fußball sein lassen, einen Babysitter organisieren und mit seiner Frau ein nettes Wochenende verbringen. Das mache man viel zu selten, ist er überzeugt.

Fahrermangel größtes Problem

Gefragt, was ihn geschäftlich am meisten beschäftige, nennt er drei Themen: Personalmangel, speziell bei den Fahrern, ist das erste. „Ich kann mir ein neues Spezialfahrzeug für 400.000 EUR kaufen – aber mir fehlen versierte Fahrer“, sagt er. Im kaufmännischen Bereich sorgt er durch eigene Ausbildungsplätze für Nachwuchs, doch für den Job hinter dem Lenkrad findet er weder Auszubildende noch erfahrene Mitarbeiter – angemessene Bezahlung und gute Betreuung in einem familiären Umfeld hin oder her. Das sieht er als größte Gefahr für sein Geschäft.

Als Zweites hält er die Vereinheitlichung von Maßen, Gewichten und Vorschriften innerhalb der EU für dringend erforderlich.

Sein dritter Punkt richtet sich an die Kunden: Sie müssten sich auf höhere Preise für Logistikleistungen einstellen. Dies führt er auf steigende Energiepreise und vor allem auf das überall fehlende Fachpersonal zurück. Wer Personal habe, werde künftig das Geschäft machen. Und derjenige werde „für den fahren, der den besten Preis bezahlt“.

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