|  22. Mai 2014
aktualisiert am 19.08.15 10:14h

Der bayerische Containerexperte

Wer Ferdinand Kloiber in Petershausen bei München besucht, muss sich zunächst einmal selbst helfen. Das liegt nicht etwa daran, dass der Geschäftsführer des Logistikunternehmens Kloiber GmbH ein unhöflicher Gastgeber wäre. Es liegt vielmehr daran, dass der Besucher dort auf ein familiengeführtes, mittelständisches Unternehmen im wahrsten Sinn des Wortes trifft. Alles geschieht dort auf eine sympathisch hemdsärmelige Art.

Neues Geschäft Pool-Tankstellen 

Den Platz für das Gespräch im Büro des Inhabers muss man sich als Besucher schon mal selbst freimachen – wird dann aber belohnt mit dem Blick auf die darstellende Kunst der insgesamt fünf Kinder aus dem Hause Kloiber. Der Vater hat die Werke seiner Sprösslinge auf der braunen Schrankwand hinter seinem Stuhl in dem bescheidenen Chefbüro verteilt. Die Motive behandeln übrigens überwiegend Themen aus dem Bereich der Logistik.

Die Geschäfte, die der 50-jährige studierte Betriebswirt mit seinen insgesamt 180 Mitarbeitern betreibt, sind anspruchsvoll, zeitaufwendig und schwierg – also genau das, was für alle Transport- und Logistikunternehmen in Deutschland gilt. Ferdinand Kloiber jedoch sagt immer wieder, dass sie unter dem Strich auskömmlich wären. Und dass sein Unternehmen im Lauf der vergangenen Jahre ordentlich gewachsen sei.

Ordentlich bedeutet: Von 21 Mio. EUR Umsatz 2010 auf 32 Mio. EUR 2013. „Und in diesem Jahr", sagt er nicht ohne Stolz, „laufen wir auf 40 Mio. zu." Der Sprung von 2013 auf 2014 ist dadurch möglich, dass die Kloiber GmbH in den beiden Containerdepots in München und Augsburg – Kombinierter Verkehr ist das Kerngeschäft des Unternehmens – zwei Pool-Tankstellen aufgebaut hat. „Damit verkaufen wir pro Monat rund eine halbe Million Liter Diesel", sagt Kloiber. „Das sind die Sondereffekte für den Sprung an die 40-Millionen-Marke." 

Kerngeschäft Kombi-Verkehr 

Die Containerdepots für das KV-Geschäft, das 80 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, befinden sich im GVZ Augsburg (40 000 m²) und München-Riem (50 000 m²). Neben diesem Kerngeschäft betätigt sich das Unternehmen Kloiber als Logistikdienstleister, unter anderem für MAN. Für den Nutzfahrzeughersteller fährt Kloiber Werkverkehre, etwa Achsen von Salzgitter nach München oder Räder von Ulm nach München.

Die Containerverkehre der Kloiber GmbH laufen überwiegend von den deutschen Seehäfen Hamburg und Bremerhaven nach Augsburg und München. Und von Anfang an hat der schlaue Betriebswirt aus Petershausen darauf geachtet, dass er die lange Strecke mit der Bahn anbieten kann. Vor- und Nachlauf organisiert er mit dem LKW: 130 sowie über 300 Auflieger stehen dafür zur Verfügung.

Für die Bahnangebote hat sich der Familienmensch schon vor 20 Jahren mit Bahnoperateuren zusammengetan. „Daraus entstand der 1. private Zug von Hamburg und Bremerhaven nach München", sagt Kloiber. „Wir haben den Vor- und Nachlauf organisiert." Dieses feine Näschen für kommende Geschäfte hat sich der gebürtige Petershausener, Firmeninhaber in dritter Generation, schon früh antrainiert.

Ein halbes Jahr habe er sich im Architekturstudium ausprobiert, aber schnell erkannt: Das ist nicht die 1. Wahl. „Ich habe gespürt, dass mir das Transportgeschäft im Blut liegt", sagt der Enkel des Firmengründers. Vor allem aber kann Kloiber sagen, dass er das Geschäft von Grund auf im wahrsten Sinn des Wortes erfahren hat. Angefangen hat er nämlich als Subunternehmer in der KV-Branche. „Ich habe da gesehen, dass man mit KV mehr verdienen kann, als es mein Vater mit seinem Mineralöltransporten getan hat", sagt er. 

Wachstum durch Globalisierung 

Vor 25 Jahren hat sich Kloiber dann den Kombinierten Verkehr erschlossen. „Der Markt war da gerade dabei, sich zu öffnen, Strukturen wurden privatisiert. Für uns war das ein idealer Einstieg, um uns als neutraler Dienstleister zu positionieren." Das Unternehmen sei mit den Kunden – im Fall seiner Containergeschäfte sind das die Reedereien – stets mitgewachsen. Bekanntlich war das Containerwachstum lange Jahre enorm. „Wir sind mit unseren Depots der Nachfrage gerecht geworden", sagt Kloiber trocken.

Somit hat seinem Familienunternehmen die Globalisierung zum Erfolg verholfen. Das sagt der überzeugte Mittelständler auch selbst so. Der zweite Wachstumshebel sei die Einführung der LKW-Maut gewesen. „So wurde der KV auf langen Strecken plötzlich sehr viel interessanter", sagt der 50-jährige passionierte Mountainbiker. „80 bis 90 Prozent der Verkehre aus den Seehäfen nach München laufen über den KV. Kontinental und innerdeutsch läuft noch immer viel auf der Straße."

Kloiber sagt, er könne deshalb seine überwiegend auf der langen Schienenstrecke laufenden Containerverkehre besser kalkulieren und disponieren. Wobei er betont, dass zu seinem Glück als Geschäftsmann auch gehört, dass er eine gute Hand bei der Auswahl seiner Mitarbeiter bewiesen habe. „Mein Speditionsleiter im Depot München managt das operative Geschäft – des is a Wahnsinn", sagt Kloiber vor Begeisterung auf gut Oberbayerisch.

Das KV-Geschäft sei an den Terminalknotenpunkten hoch komplex. Da komme es drauf an, sagt er. Da müsse man sehr viel organisieren. Doch mit einem guten Partner-Netzwerk an den Endpunkten und in den Häfen sei der Systemvorteil des KV nicht zu schlagen. Problematisch für Container-Logistiker sei es, wenn man überwiegend per LKW zwischen den Terminals fahren müsse, wie etwa einige Tranporteure im Norden aus Hamburg heraus.

Die Situation dort stuft er übrigens für sein eigenes Unternehmen als unproblematisch ein. „Wir fahren mit dem Zug bis zur Kaje", sagt er trocken. „Und dann kommen unsere Partner ins Spiel." Als den großen Vorteil seiner Firma stuft Kloiber die Unabhängigkeit ein. „Wir kooperieren eng mit Partnern, haben aber keine Kapitalverflechtungen. Wo Kloiber draufsteht, ist auch Kloiber drin."

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass das so bleibt. Denn die vierte Generation steht schon in den Startblöcken. „Bei fünf Kindern wird schon eines dabei sein", sagt er.

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