|  30. Juli 2015
aktualisiert am 19.08.15 11:33h

„Der Markt ist groß genug für alle“

DVZ: Herr Dreeke, wird aus der BLG jetzt ein Spediteur?

Frank Dreeke: Die BLG ist ein Logistikunternehmen, das sich in den vergangenen Jahren in den unterschiedlichsten Bereichen weiterentwickelt hat. Wir haben unter anderem auch eine Speditionsabteilung…

…die jetzt aber neu aufgestellt wurde. Immerhin haben Sie dafür eigens einen Managerposten geschaffen, den Sie mit einem früheren Kühne+Nagel-Mitarbeiter besetzt haben.

Mit dem zweiten Teil des Satzes haben Sie recht, mit dem ersten nicht. Die Speditionsabteilung ist schon seit Jahren tätig, wir haben 120 Leute, die verschiedene speditionelle Tätigkeiten ausüben.

Welche denn?

Wir sind speditionell im Bereich Autotransport, im Projektladungsbereich und auch im Containerbereich sowie im Landverkehr tätig.

Wenn das Speditionelle immer schon Teil der BLG war, wieso platzieren Sie das Thema gerade jetzt offensiver am Markt?

Weil wir den Kunden zeigen wollen, dass wir ein gesamtes Dienstleistungspaket anbieten. Die Spedition ist darin ein Bestandteil, der weiter ausgebaut werden kann. Dazu gehört die Überseespedition, inklusive der Dienstleistungen darum, also Vor- und Nachläufe. Die Spedition ist eigentlich mehr eine Verbindung zwischen verschiedenen Unternehmensteilen. Wieso sollten wir also nicht im eigenen Teich fischen?

Haben Sie dabei einkalkuliert, dass es mit dieser Kampfansage auch Ärger mit anderen Spediteuren geben kann?

Es ist keine Kampfansage. Der Markt ist groß genug. Und wenn wir schauen, was die größeren Speditionen machen, dann könnten auch wir von der BLG sagen: Wieso machen die das? Etwa Hafenumschlag, Binnentransporte, RoRo-Umschlag, Containerumschlag – vieles, was wir machen, machen andere auch. Wir agieren alle in einem freien Markt. Und wie gesagt: Ich meine, dieser Markt ist groß genug für alle.

Sind die Beteiligung am Unternehmen Motex und der damit verbundene Aufbau einer Modelogistiksparte auch im Zusammenhang damit zu sehen?

Überhaupt nicht. Für uns ist diese Beteiligung ein Highlight. Nach fünf Jahren werden wir Motex dann vollständig übernommen haben. Das Unternehmen ist hervorragend etabliert – und noch dazu in einem Markt, in dem wir selbst schon sehr gut unterwegs sind, beispielsweise über unser Logistik- und Verteilzentrum in Frankfurt für Engelbert Strauss. Motex ergänzt das perfekt, weil sie Spezialist für hängende Ware sind. Wir sind durch Motex jetzt im Sports- und Fashion-Bereich so aufgestellt, dass wir alle Dienstleistungen anbieten können. Und dieser Bereich wird damit erheblich ausgebaut. Durch das Wachstum im E-Commerce rechnen wir im Sport- und Modesegment mit einer weiter stark steigenden Nachfrage.

Was bringt Motex an zusätzlichen Fähigkeiten in das Unternehmen BLG ein?

Etwa das Vertriebs-Know-how inklusive der dazugehörigen Mannschaft. Das hat uns bislang schlicht gefehlt. Und auch die Anlage in Hörsel/Thüringen bietet bei hängender und liegender Ware große Vorteile. In Kombination mit unseren Anlagen in Frankfurt und Bremen ist es geradezu eine ideale Ergänzung.

Wie sind Sie auf Motex gekommen?

Man kennt sich im Markt. Durch Gespräche mit dem Inhaber haben wir so viele Gemeinsamkeiten festgestellt, dass wir Überlegungen angestellt haben – die zu diesem Erfolg geführt haben.

Wie sieht es mit den unterschiedlichen Gehaltsniveaus aus?

Wir halten uns bei allen Unternehmen, an denen wir uns beteiligen, generell an die geltenden Tarifstrukturen. Motex passt auch unter dem Kriterium der Arbeitsbedingungen sehr gut zu uns.

Was kann sich für die BLG mittelfristig aus dieser Verbindung ergeben?

In neuen Märkten können sich viele reizvolle Dinge ergeben. Gerade im E-Commerce wird sicher noch viel Spannendes passieren, an dem wir dann auch teilhaben werden. Mittelfristig werden wir dadurch sicher für große Unternehmen interessanter, die uns bislang nicht auf dem Schirm hatten. Mit denen wollen wir dann über ganzheitliche Konzepte sprechen. Unser Markt ist allerdings hauptsächlich der Mittelstand. Dem wollen wir Individuallösungen bieten. Dafür sind wir jetzt perfekt aufgestellt. Einen ersten Erfolg haben wir mit Motex übrigens schon erzielt: Vom 1. August an werden wir das Berufsbekleidungsgeschäft für die Deutsche Bahn abwickeln. Das machen wir von unserer Anlage in Frankfurt aus.

Ist das Geschäft der große Wurf, den alle von Ihnen als BLG-Chef erwartet haben?

Nein, es ist ein Geschäft, das wir in den vergangenen zwei Jahren aufgebaut haben. Und ich habe immer gesagt: Wir werden das weiter aufbauen, was wir gut können. Sport- und Modelogistik hat es vorher auch schon gegeben.

Aber nicht jeder in der Branche hat das so wahrgenommen.

Das mag stimmen. Deshalb werden wir künftig auch mehr über das reden, was wir tun. Wir stehen für Autoteile- und Industrielogistik, wir sind Logistiker für Möbel, für Kekse, für Mode, für Faxgeräte und Drucker. Man muss uns tatsächlich mehr wahrnehmen. Schön ist, dass wir andererseits beim Containerumschlag und bei der Fertigfahrzeuglogistik mehr als bekannt sind. Im Kontraktlogistikbereich kennt man uns, man nimmt uns aber noch nicht richtig wahr. Und das wollen wir ändern.

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