Reinhard Kowalewsky  |  30. April 2018

Der neue Chefkontrolleur der Post und seine Ähnlichkeiten zu Frank Appel

Der neue Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Post, Nikolaus von Bomhard, und der Vorstandsvorsitzende Frank Appel haben viele Gemeinsamkeiten: Der 61-jährige von Bomhard fuhr zu seinem früheren Büro als Vorstandsvorsitzender des Versicherungsgiganten Munich Re (früher Münchener Rück) oft mit dem Fahrrad durch den Englischen Garten in München – der fünf Jahre jüngere Appel ist ebenfalls begeisterter Fahrradfahrer und tourt gerade am Wochenende viel um Bonn herum.

Beide haben zwei Kinder und haben immer wieder gesagt, dass ihnen das Gehalt als Leiter eines Dax-Konzernes mehr als ausreichend erscheine. „Ich verdiene genug“, sagte Bomhard zu seinem Salär von einst 3,9 Mio. EUR, Appel sagte einmal, sein Gehalt von fast 10 Mio. EUR könne er sowieso nicht ausgeben.

Drittens fällt bei beiden Managern auf, dass sie sehr politisch denken statt nur auf Quartalszahlen zu achten: So sprach sich die Munich Re unter von Bomhards Führung deutlicher als fast jeder andere Konzern Europas für einen konsequenten Klimaschutz aus, wofür er 2007 den Preis als „Ökomanager des Jahres“ erhielt. Appel wiederum wirbt regelmäßig öffentlich für den Freihandel und kritisiert Wettbewerber offen für deren seiner Meinung nach zu niedrigen Löhne.

Angesichts dieser Gemeinsamkeiten gibt es eine gute Chance, dass sich das neue Führungsduo bei der Deutschen Post bestens verstehen könnte. Von Bomhard hatte als Jurist seinen Doktortitel gemacht und galt immer als Mann der leisen und gleichzeitig sehr intellektuellen Töne – Appel der promovierte Neurobiologe und frühere Strategieberater bei McKinsey ist ein ähnlich analytisch denkender Typ. Bevor von Bomhard seine Position als Chef von Munich Re im Sommer 2017 aufgab, war er 13 Jahre im Amt gewesen – Appel ist mit nun zehn Amtsjahren auch einer der altgedienten Leiter eines deutschen Großkonzernes. Er hat noch kürzlich seinen Vertrag um weitere fünf Jahre verlängert bekommen – mit 62 Jahren könnte er sich dann 2022 gut auf neue Aufgaben konzentrieren.

Mehr als drei oder vier Tage im Monat wird sich der in München lebende Nikolaus von Bomhard wohl nicht um die Post kümmern müssen – es geht dem Unternehmen gut, nur die sehr häufigen Wechsel im Vorstand fallen zunehmend auf. Bomhard stört das wohl nur begrenzte Arbeitspensum nicht: Er wolle auch einmal einige Wochen in Rom verbringen sagte er – davon wird ihn der Zweitjob in Bonn nicht abhalten.

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