|  23. April 2015
aktualisiert am 12.08.15 17:20h

Der Panzer fahrende Firmenchef

Mit dieser Frage hat Ernst Frankenbach nicht gerechnet: Seit Jahren fährt der Geschäftsführer der Mainzer Spedition Frankenbach die T60-Panzer vom Firmengelände der Spedition Frankenbach nahe der RoRo-Rampe auf die Tieflader der LKW. In Mainz-Mombach haben die US-Streitkräfte die Zentralwerkstatt für ihre Panzer in Europa eingerichtet und mit dem Transport der Panzer die Spedition Frankenbach beauftragt. Mitten in der Fahrt stoppt ihn ein US-Offizier: „Where is your driving license?“ Ein Führerschein für Panzer? Wie teuer wird Fahren ohne Führerschein mit einem Panzer, wenn man dabei erwischt wird?

Ähnlich wie der Erwerb eines PKW-Führerscheins in den USA keinen großen Aufwand erfordert, gilt dies dort offensichtlich auch für militärische Fahrzeuge. Zwei Stunden habe es im Anschluss gedauert, meint Frankenbach, bis er den Führerschein gemacht hatte. „Ich konnte ja fahren.“ Heute ist es nicht mehr möglich, ihn des Fahrens ohne Führerschein zu überführen: „Ich habe alle Führerscheine“, sagt Frankenbach augenzwinkernd und zählt auf: Staplerführerschein, Brückenkranfahrerführerschein, Motorradführerschein, LKW und PKW ohnehin. Ungefragt sagt er von sich selbst, dass er ein leidenschaftlicher Autofahrer sei. Er fährt einen Porsche.

Mit zehn Jahren das erste Auto

Kein Wunder, bekam er doch mit zehn Jahren das erste eigene Auto – einen VW-Käfer, den er auf dem Betriebsgelände fahren durfte. Bis sich die Nachbarn beschwerten. Doch das war erst drei Jahre später. In den Sommerferien fuhr er mit den LKW-Fahrern des elterlichen Betriebs in die Welt hinaus. Und mit 19 Jahren fing er seine Lehre als Speditionskaufmann an. Knapp 30 Jahre später sagt Frankenbach: „Es erfüllt mit Stolz zu sehen, wie sich die Welt und Europa entwickelt haben und wie sich parallel dazu ein Unternehmen entwickelt hat.“

Vor kurzem rief ihn die IHK an mit der Nachricht, dass das Unternehmen bereits 150 Jahre alt sei. Der erste Fernverkehrstransport, für den es auch im 19. Jahrhundert schon eine Genehmigung brauchte, sei 1865 eingetragen worden. Bisher war die Spedition von einer Gründung vor 100 Jahren ausgegangen. „Die Eintragungsurkunde ist im Zweiten Weltkrieg verbrannt worden“, bedauert Frankenbach. Damit dürfte der Landwirt Konrad Frankenbach Unternehmensgründer sein und nicht Christian Frankenbach, wie bisher angenommen.

Eines ist Frankenbach wichtig: „Wir vergessen nicht, wo wir herkommen.“ Das bedeute, das Logistikunternehmen sei vom Grundsatz her ein Transportunternehmen. Dafür entwickelt Frankenbach die Strategie und ist für die Finanzen verantwortlich. Er will neue Betriebsstätten schaffen, entweder durch Kauf oder in Eigenregie. Für die Expansion sucht er geeignete Standorte. „Wir gehen auch nach Mecklenburg-Vorpommern, wenn wir dort einen Kunden haben.“

Das Unternehmen ist in drei Bereiche gegliedert: Automobillogistik, Container-Terminal und Speditionsbetrieb mit jeweils eigener GmbH. Im Portfolio sind Containertransporte von und zu den Häfen Rotterdam und Antwerpen über ein eigenes Containerterminal im Mainzer Binnenhafen mit fünf Kranbrücken und vier Bahnlinien, ein temperaturgeführtes Kautschuklager in Mainz sowie Automobillogistik. Große Flächen sind dafür in Ginsheim-Gustavsburg aufgebaut worden, in den 1990er Jahren erstmals finanziert über einen Bankkredit anstelle aus eigenen Betriebsmitteln. Für Ernst Frankenbach, der damals nur zu einem geringen Anteil an dem Unternehmen beteiligt war, blieb dies nicht ohne Konsequenzen: „Dafür kommst du noch mehr in die Haftung“, bestimmte sein Vater, der klar dagegen war.

Containerterminal in Eigenregie

Der Pionier des Containerverkehrs auf dem Rhein, Alex Kayser, ist Teil der Unternehmerfamilie. Dafür baute Kayser Schiffe um und holte mit diesen Schiffen Container für seinen Baustoffhandel in Mainz aus Rotterdam. Der Funke sprang über; es entstand in der Spedition die Idee, ein neues Containerterminal nördlich des alten Standorts, entlang des Rheins, zu bauen. „Im Zoll- und Binnenhafen in Mainz standen uns mit dem Auslaufen des Mietvertrags keine Flächen mehr zur Verfügung“, sagt Frankenbach. Mit dem Partner Stadtwerke Mainz arbeitete er an einem Masterplan. Über 30 Mio. EUR investierte Frankenbach. 2011 ging das neue Terminal in Betrieb. Mit einer Fläche von 80.000 m² und 522 m Kailänge ist es das größte Terminal im Rhein-Main-Gebiet. (sm)

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