|  23. Juli 2015
aktualisiert am 16.12.15 10:19h

„Der Wettbewerb wird deutlich schärfer“

DVZ: China investiert massiv in die Seidenstraße, DB Schenker will die Verbindungen nach China ausbauen. Und auch Ihr Unternehmen bedient täglich Fahrten von Duisburg nach China. Welches Potenzial steckt in der Landverbindung Europa–Asien?

Staake: Die Auslastung der Verbindungen Richtung Europa ist gut, aber weniger gut Richtung Asien. Zuletzt fuhr einer unserer Züge in 11 Tagen nach Chongqing, nicht mehr in 16. Wenn Sie nach den Potenzialen fragen: Die größten liegen in der Achse über Kasachstan. Das Land investiert massiv in diesem Bereich.

Welche Interessen haben die Kasachen?

Sie sehen in der Logistik ein Zukunftsfeld. Mit Kazakhstan Railways haben sie einen Konzern aufgebaut, der den gesamten Markt kontrolliert. Das ist quasi wie DB Schenker, DHL und alle Flughäfen zusammen. Sie scheinen auch sehr effizient zu sein. Die Infrastruktur ist vorbildlich, auch nach Süden, zum Beispiel Richtung Iran. Deshalb glaube ich, dass viele Schienentransporte in spätestens fünf, sechs Jahren über den Iran und die Türkei nach Europa führen werden. Da entstehen ergänzende Routen. Darauf richten wir uns ein.

Mischen Sie jetzt schon mit?

Es interessiert uns immer, wenn neue Handelsrouten entstehen. Wir wollen ja gute Angebote für die Verlader entwickeln. Wir sehen den Schienenweg eher als Alternative zur Luftfracht, etwa für Ersatzteilgeschäfte in der Automobilindustrie oder für Pharmaunternehmen. Es gibt jetzt schon eine Reihe Operateure, die auf der Schienenroute Deutschland–China unterwegs sind. Da tut sich also einiges.

Ein wenig weiter westlich liegt die Türkei, die Sie schon angesprochen haben. Auch dort ist mächtig Dynamik in der Wirtschaft, es wird enorm investiert. Welche Aktivitäten verfolgen Sie in der Türkei?

Als Mittelständler müssen wir uns dort immer an einen Partner wenden. Anders geht es nicht. Wir bringen unser Know-how und unser Netzwerk ein.

Was machen Sie konkret?

Wir haben ein Projekt an der Bahnmagistrale von Istanbul nach Georgien. Wir möchten uns an der Errichtung eines Dry Port rund 50 km vor Istanbul beteiligen. In der Türkei gibt es zwei große Transitrouten, eine im Norden, eine im Süden. An den beiden Routen hat unser Partner über die Jahre Gelände kaufen können. Und darauf möchten wir jetzt gemeinsam Projekte entwickeln.

Wer ist denn der Partner?

Das türkische Logistikunternehmen Arkas Holding. Im Rahmen der führenden türkischen Logistikmesse Logitrans haben wir im November in Istanbul die Gründung eines Joint Ventures bekanntgegeben.

Wann soll es losgehen?

Die ersten Baumaßnahmen werden in 2016 beginnen.

Wie groß wird das Geschäft?

Das ist ein Areal von rund 30 ha, damit kann man schon etwas anfangen.

Wie kamen Sie eigentlich an das Geschäft?

Unser türkischer Partner kam aufgrund unserer internationalen Aktivitäten auf uns zu, insbesondere unserer jüngsten Aktivitäten für DP World in Dubai und den Port of Santos in Brasilien. Sie suchten jemanden, der über Erfahrung mit Entwicklungsprojekten verfügt. Darüber hinaus gefiel ihnen unser ganzheitlicher Ansatz sowie das multimodale Netzwerk, über das wir verfügen.

Heißt das, Sie streben das künftige Wachstum eher im internationalen Geschäft an?

In der Tat ist ein Schwerpunkt die Internationalisierung. Wir möchten unseren relevanten Kunden die Dienstleistung auch vor Ort im Ausland anbieten. Wir engagieren uns da, wo wir industrielle Produktion mit logistischen Wertschöpfungsketten profitabel verbinden können. Aber natürlich wollen wir auch weiter die regionale Ausdehnung vorantreiben.

Sie meinen zum Beispiel das Projekt mit Evonik in Lülsdorf bei Köln?

Ja, das ist ein hoch spannendes Projekt. Wir haben bereits eine lange Partnerschaft mit Evonik. Aber auf dem Gelände in Lülsdorf gibt es enorme Entwicklungsmöglichkeiten. 50 ha stehen dort für Logistik- und Industrieansiedlung zur Verfügung.

Und dann haben Sie sich mit Evonik zusammengesetzt…

Genau. Wir haben ein Joint Venture vereinbart und wollen nun gemeinsam eruieren, wie wir die Fläche für die Region entwickeln können. Wir werden etwa ein multimodales Containerterminal bauen und betreiben. 10 km entfernt liegt der Flughafen Köln/Bonn. Die Lage ist also großartig. Die Politik im Rhein-Sieg-Kreis und die Wirtschaft haben das Projekt sehr begrüßt. Das haben wir aber nicht aus dem Hut gezaubert. Evonik hat vielmehr die Frage gestellt, wie das Gelände weiterentwickelt werden kann. Und wir helfen jetzt dabei.

Wie sieht es denn mit Flächen aus? Gibt es noch genug?

Wir können im Duisburger Hafen schon noch ein, zwei große Projekte realisieren. Grundsätzlich stimmt es aber, dass wir aktuell nicht mehr die Masse an Flächen in Duisburg zur Verfügung haben. Deshalb bauen wir die Logport-Familie vornehmlich im Ruhrgebiet mit neuen Flächenangeboten aus. Andererseits stellt sich die Frage, wie die Flächen gebraucht werden. Im Massengut wird sich beispielsweise auf Jahre hinaus nur noch wenig tun. Ich sehe kein Feld, in dem im Massengüterumschlag ein Treiber entstehen könnte. Deshalb müssen wir uns auf den Containerbereich konzentrieren. Der wird mittelfristig zwei Drittel des Gesamtumschlags ausmachen.

Die Kapazität wurde ja mächtig aufgestockt…

Über Jahre hinweg haben wir zweistellige Wachstumsraten erzielt. Das ist wegen der Streiks und vor allem der Schwäche der chinesischen Wirtschaft in diesem Jahr nur schwer zu erreichen.

Im Übrigen wird sich die Logistikwirtschaft insbesondere in Europa zukünftig auf geringe Wachstumsraten einstellen müssen.

Das Wachstum der Vergangenheit wird sich so nicht mehr darstellen. In den Seehäfen gibt es schon heute Überkapazitäten. Der Wettbewerb wird deutlich schärfer werden. Nimmt man ein Wachstum von eher 5 als 10 Prozent an, dann weiß man, was auf den Markt zukommt. Wir erwarten für 2015 einen Umschlag von etwa 3,7 Mio. Teu (2014: 3,4 Mio.) und haben die Kapazität auf 5 Mio. Teu ausgebaut.

Dazu kommt, dass die Häfen in Südeuropa mächtig ausgebaut werden.

Ein Ergebnis des Juncker-Plans. Da passiert eine Menge. In spätestens fünf Jahren werden Marktverschiebungen spürbar sein. Da werden Volumina, die bislang über den Norden verladen wurden, über die Südhäfen abgewickelt werden.

Und wie reagieren Sie darauf?

Wir müssen unsere Effizienz hoch halten, das KV-Netzwerk weiterentwickeln und unsere zentraleuropäische Hubfunktion ausbauen. Unser überdurchschnittliches Wachstum resultiert nicht nur aus maritimen Mengen, sondern auch aus einem kontinentalen Aufkommen und der Vielzahl von Warenverteilzentren, die im Duisport errichtet worden sind. Und 2 Mio. m2 Verteilflächen sind ein Pfund. Um das aufrechtzuerhalten, müssen wir weiter in Flächen investieren.

Wo haben Sie das vor?

In Marl, im Chemiecluster, werden wir ganz sicher tätig werden. Zudem schließt ein Bergwerk in der unmittelbaren Nähe. In Kamp-Lintfort vermarkten wir zurzeit Logport IV mit einer Fläche von 30 ha. Weitere Areale im Rhein-Ruhr-Gebiet werden intensiv geprüft. Es gibt also eine Menge zu tun. Langweilig wird uns nicht, davon können Sie ausgehen. (tof)

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