|  24. Juni 2016

Ein Comeback in der Logistik

Markus Mayr ist ein fröhlicher Mensch. Der 44-jährige Geschäftsführer der Linther Spedition aus München bleibt auch dann gut gelaunt, wenn er über die schwierige Vergangenheit seines Unternehmens spricht. „Vor 14 Jahren stand ich vor einem finanziellen Trümmerhaufen“, erinnert sich der zweifache Familienvater. Der Logistikdienstleister Quirin Rusch, in den er sich im Jahr 2000 als Gesellschafter eingekauft hatte, stand vor der Insolvenz. Das eingesetzte Kapital war weg, die Schulden blieben.

Dabei hatte alles so positiv begonnen: Quirin Rusch saß bei den Molkereien Weihenstephan und Andechser als Kontraktlogistiker vermeintlich fest im Sattel, und die Geschäfte liefen gut. Doch beide Großkunden wurden 2001 kurz nacheinander mit „sehr niedrigen Preisen von zwei Lebensmittellogistikern abgeworben“. Übrig blieben ein paar kleine Auftraggeber und viele langjährige Mitarbeiter mit einem guten Kündigungsschutz. Wenige Wochen später war die Firma zahlungsunfähig.

Neuanfang im selben Jahr

Doch Mayr ließ sich nicht unterkriegen: Er überstand die Insolvenzphase und wagte noch im selben Jahr mit zwei Mitarbeitern und der aus der Taufe gehobenen Linther Spedition im Münchner Stadtteil Aubing den Neuanfang. Der Firmenname geht auf die frühere Niederlassung im brandenburgischen Linthe zurück. Statt auf einen eigenen Fuhrpark setzte der Unternehmer ab jetzt auf Lager- und Logistikdienstleistungen mit Full Service entlang der gesamten Lieferkette. „Damals haben wir wirklich jeden Auftrag angenommen und dabei viele wertvolle Erkenntnisse gewonnen“, berichtet der gelernte Speditionskaufmann.

Zum Beispiel werde er den geheimnisvollen Kunden aus Russland, für den Mayr via Italien zwei Container mit Kolophonium (Geigenharz) importierte, nie vergessen. „Nach dem zweiten Container meldeten sich die Polizei und der Zoll bei mir und ließen sich die Ware zeigen“, erzählt der Spediteur. Dabei stellte sich heraus, dass sich unter der deklarierten Fracht große Mengen geschmuggelter Markenzigaretten befanden. Aber auch andere Kunden stellten sich teilweise als schwierig heraus, so dass der Aufbau einer stabilen Kundenbasis während der ersten zehn Jahre „eine der größten Herausforderungen“ war.

Fast monatlich gab es während dieser Phase Krisensitzungen im Kreise der Familie. „Immer wieder dachten wir, es geht nicht weiter und meine Frau müsse sich jetzt eine Anstellung besorgen“, erläutert Mayr. Doch ebenso regelmäßig wie die Krisensitzungen kamen in den darauffolgenden Tagen immer wieder neue lukrative Aufträge, die das nächste halbe Jahr sicherten. Für Mayr jedes Mal ein klares Zeichen, dass er weitermachen soll.

Stabiler Wachstumskurs

Der Erfolg gibt ihm recht: Inzwischen befindet sich die Linther Spedition auf einem stabilen Wachstumskurs, und ihr Chef hat hin und wieder sogar Zeit für seine Hobbys. Außer Radfahren, Schwimmen und Joggen sei angesichts des engen Terminplans aber nicht viel möglich, bekennt Mayr. Mannschaftssport käme für einen Unternehmer aus zeitlichen Gründen „ohnehin nicht infrage“ – obwohl ihm heute aufgrund seiner Erfahrung so manche unliebsame Überraschung erspart bliebe und er wesentlich besser planen könne.

So erkennt Mayr heute sehr schnell, ob ein neuer Auftraggeber zu seinem Unternehmen passt oder nicht. „Hersteller und Händler mit billiger Massenware sind für uns weniger geeignet“, stellt der Spediteur fest. Der ideale Kunde von Linther „will intensiv beraten werden und braucht individuellen Service, den er bei einer Konzernspedition nicht bekommen kann“.

In dieser Nische fühlt sich Mayr, der nicht ganz zufällig zum Spediteur geworden ist, sichtlich wohl. Schon sein Vater war ein Transportunternehmer, der zwischen 1970 und 1995 mit bis zu 30 eigenFaddfen Fadsadhrzeugen aktiv war. „Die damalige Rudolf Mayr Spedition hatte ihren Sitz auf dem heimischen Bauernhof, und wir Kinder mussten beim Spielen gut aufpassen, dass wir nicht von einem unserer LKW überfahren werden“, lacht der Unternehmer, dessen Familie seit 1760 fest in Aubing verwurzelt ist. „Ich bin in Aubing geboren, lebe in Aubing und habe meine Firma in Aubing“, stellt Mayr fest und muss dabei schmunzeln. Sehr wahrscheinlich werde er auch nicht mehr aus diesem schönen Stadtteil im beliebten Münchner Westen herauskommen. Markus Mayr ist in seinem Leben schon weitaus Schlimmeres passiert.

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