|  14. März 2016

„Es gibt für alles eine Lösung“

Mit Kühl-LKW darf man rund um die Uhr fahren: „Dieser Gedanke, der mir als junger, leidenschaftlicher LKW-Lenker einfach durch den Kopf schoss, sollte zum Dreh- und Angelpunkt für meine Unternehmerlaufbahn werden“, erzählt Fritz Müller, Transportunternehmer mit Herz und Seele.

Auch an seinem Lebensmotto „Ich lebe heute, und es gibt für alles eine Lösung“ hat sich seither nichts geändert. Seit 1982 in der Geschäftsführung, wandelte er den 1959 als kleines Fuhrunternehmen gegründeten elterlichen Betrieb schrittweise zum Anbieter für temperaturgeführte Transporte um. Denn wo Müller aktiv wird, herrscht der Geist der Veränderung. Er gab dem Betrieb die für weiteres Wachstum notwendigen modernen Strukturen. „Meine Eltern waren ganz vorsichtige Leute, Schulden machen war tabu oder bestenfalls nach eingehendem Familienrat zur Vergrößerung der LKW-Flotte gerechtfertigt“, schildert Müller. Diese umfasste 1972 immerhin 40 Fahrzeuge, die im In- und Ausland eingesetzt wurden.

Meister fallen nicht vom Himmel

Ebenso konservativ wie die Unternehmenspolitik seiner Eltern gestaltete sich auch Müllers Schulausbildung. Nach dem Abitur in der katholischen Privatschule Kollegium Kalksburg drückte er zunächst weiter die Schulbank. Er absolvierte den Abiturientenlehrgang der Handelsakademie Wien und wechselte dann für zwei Jahre als LKW-Fahrer ins eigene Unternehmen. 1984 absolvierte er eine einjährige Ausbildung bei der Spedition Weichelt in Coburg, bevor er 1985 als Disponent wieder in den elterlichen Betrieb einstieg.

„Damals führten wir bereits Transporte nach Asien und Afrika durch und setzten unsere ersten Kühl-LKW ein“, beschreibt Müller die Lage. „Kaufmännisch waren wir jedoch auf einem Auge so gut wie blind.“ Die Zeiten waren eben anders, man begnügte sich mit einer ordnungsgemäßen Buchführung, setzte sich einmal im Jahr zur Bilanzbesprechung zusammen – Deckungsbeitrag, Kostenrechnung oder ein modernes Flottenmanagement waren eher Fremdworte.

„Mein Vater erkannte jedoch die Zeichen der Zeit und ließ mir bei der Umorganisation des Unternehmens relativ freie Hand“, sagt Müller, für den Führung bis zu einem gewissen Grad erlernbar ist. „Man sollte dabei aber seine eigene Schuhgröße kennen und sich nicht überschätzen.“

Zunächst übersiedelte das Unternehmen 1989 auf das heutige, direkt an der Südautobahn (A2) gelegene Firmengelände in Wiener Neudorf. Gemeinsam mit einem Berater modernisierte Müller in den nächsten Jahren sukzessive das Unternehmen.

Veränderungen mit Herz und Hirn

Die letzte große Neuorganisation erfolgte 2009 in den Bereichen Personalentwicklung, EDV, Kostenrechnung sowie Öffentlichkeitsarbeit. Müllers Meisterstück ist jedoch die erfolgreich umgesetzte „Entkopplung von Fahrer und LKW“. „Nur so kann der LKW immer fahren, während der Fahrer geregelte Zeiten hat“, erklärt Müller sein neues Flottenmanagement, an dem er mit seinem Team ein Jahr entwickelt hat.

Dabei gibt es keine Stammfahrer mehr, und die Kommunikation läuft zwischen Speditions- und Fahrer-Disponent. Die dafür nötige Überzeugungsarbeit fiel Müller dank seines ausgewogenen Führungsstils, von dem auch der Mitarbeiter profitieren soll, nicht schwer. Seine Argumente: Individuell vorbereitete LKW für jede Fahrt und Wegfall von Auswärtsnächtigungen führen langfristig zu weniger Fahrerfluktuation.

Niemals sich Neuem verschließen

Neben seinem unbändigen Willen zu Verbesserungen setzt Müller vor allem auf Kontinuität – sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei Kunden und Lieferanten. Nicht umsonst besteht der rund 250 LKW umfassende Fuhrpark nur aus einer LKW-Marke. „Meine Veränderungsbereitschaft zielt mehr auf neue Arbeitsweisen und Technologien ab, die wir entwickeln und nutzen müssen, um am Ball zu bleiben.“ So begann Müller 2001 mit der Distribution von Obst und Gemüse, vor drei Jahren stieg das Unternehmen in die Milchlogistik ein.

„Die für Österreich typische Mentalität, gegen Neuerungen zu mauern, bringt uns nicht weiter“, fordert Müller mehr Offenheit bei Unternehmern und Verkehrspolitik ein, „wir müssen auch lernen, dass die verschiedenen Verkehrsträger keine Konkurrenten sind, sondern ineinander greifend arbeiten sollen.“

Frühe Selbstständigkeit forcieren

Sorgen um seine Nachfolge macht sich der in einer Lebensgemeinschaft lebende, aber kinderlose Unternehmer übrigens nicht. „Jetzt bin ich 55 Jahre alt, wenn meine Begeisterung anhält und gesundheitlich nichts dazwischenkommt, arbeite ich sicher noch 20 Jahre lang.“

Jungen Menschen legt er an Herz, neben einer fundierten Fachausbildung vor allem Auslandsaufenthalte zu absolvieren, um beruflich möglichst früh auf eigenen Beinen zu stehen und Erfahrungen zu sammeln. Er selbst habe auch im Ausland viel gelernt, sagt Müller, der neben seiner Arbeit nie vergessen hat, das Leben zu genießen: „Wenn es die Zeit erlaubt, gehe ich – etwa bei Formel-1-Rennen – gern meiner Leidenschaft als Sportfotograf nach“.

Ohne Ziel kein Weg

Gemeinsam mit dem erfolgreichen Behindertensportler Georg Schwab entwickelte er das Coachingprogramm „Find your way!“ – ein in Österreich bislang einzigartiges Vortragsprojekt, das Schulen und Jugendeinrichtungen offen steht und Jugendliche in schwierigen Situationen unterstützt. „Selbst nach einem Unfall querschnittgelähmt, hält Schwab vor Kindern und Jugendlichen Vorträge über die Bewältigung unerwarteter Lebensereignisse und Krisensituationen“, postuliert Müller: „Wer seinen Weg findet, wird auch weniger von Zukunftsängsten geplagt.“ (sm)

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