|  12. Juli 2016

Ganzheitlich statt halber Sachen

Sein Unternehmen als Marke für Gefahrgutlogistik auf höchster Ebene zu positionieren – das ist Karl Böntners (40) berufliches Lebensziel, seit er 1996 in den Betrieb seines Vaters einstieg. Hineingeboren in eine typische Wiener Speditionsfamilie, deren Wurzeln bis in die frühen 50-er Jahre zurückreichen, durchlief Karl Böntner seit frühester Kindheit eine harte Lebensschule: Nach seinem Abitur an einem katholischen Gymnasium absolvierte er zunächst die Handelsakademie, gefolgt von einem Studium für Unternehmensführung und Management an der Fachhochschule Wien.

Ebenso von Kindesbeinen an ließen ihn seine Eltern, für die Familien- und Geschäftsleben untrennbar miteinander verbunden waren, in den Betrieb hineinschauen. „Das Bewusstsein, wie wichtig menschliche Arbeit ist und was dadurch alles ermöglicht wird, war meine früheste und prägendste Lebenserfahrung“, erzählt Böntner, „letztlich ist sie auch die Quelle unseres Wohlstands.“

Eine Tradition, die der Vater zweier Töchter konsequent fortsetzt. Dies in der Hoffnung, aber ohne Zwang, dass die nächste Generation sein Lebenswerk fortführt. „Auch bei mir war nicht von Anfang an klar, ob ich den Betrieb übernehmen werde.“ Im Gegenteil: Böntner unterrichtete nach Studienabschluss einige Jahre an verschiedenen österreichischen Fachhochschulen. Eine Tätigkeit, auf die er heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückblickt.

Die Nachfolge rückt näher

Nach eingehenden Gesprächen mit seiner Familie entschied sich Böntner 2003, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Was folgte, war eine Phase organisatorischer Umstrukturierungen. Zunächst wurde der Junior in die Geschäftsführung berufen. Unter seiner Regie entwickelte sich Saexinger zum führenden Gefahrgutlogistiker in Ostösterreich. Dies sowohl im Transport- als auch im Lagerbereich: „Ausgenommen explosiver und radioaktiver Stoffe lagern wir auf rund 5500 Palettenstellplätzen (3500 m²) so gut wie jedes Gefahrgut ein.

Schließlich übernahm Böntner junior 2006 den Betrieb als Mehrheitseigentümer. Damals umfasste der Eigenfuhrpark gerade einmal vier LKW, heute sind es 15. Seine Gattin Ivana, studierte Betriebswirtin, zeichnet seit 2014 für die gewerberechtliche Geschäftsführung verantwortlich.

Ursprünglich war das Unternehmen, welches sein Vater Karl Böntner senior 1976 von der Familie Saexinger erwarb, gar nicht auf Gefahrgutlogistik, sondern auf Stahltransporte ausgerichtet. Und zwar als Hauptspediteur des Edelstahlkonzerns Böhler Werke. Der Rückgang der Stahlproduktion sowie Neukunden aus der chemisch-technischen Industrie führten zu einer Umorientierung, aus der 1989 das größte und modernste Gefahrgutlager Ostösterreichs hervorging. „Unsere Auftraggeber erwarten viel von uns, dafür müssen wir uns ständig weiterentwickeln, aber auch den gerechten Lohn für unsere Leistung einfordern“, macht Böntner in keiner Beziehung Abstriche – denn faule Kompromisse sind seine Sache nicht.

Ebenso konsequent plädiert er für „null Toleranz“ bei der Bekämpfung illegaler Einlagerungen. In diesem Sinne macht er sich für eine Konsolidierung der oft von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Rechtsvorschriften stark, um deren Effektivität und Exekutierbarkeit zu steigern.

„Ganzheitliche Lösungen erreicht nur, wer nicht in kleinen Häppchen denkt“, postuliert Böntner, den nichts mehr aufregt als Leute, die „halbe Sachen“ machen. Nicht umsonst ist Winston Churchill, der Mann mit dem eisernen Willen, sein zeitgeschichtliches Ideal. Der Erfolg gibt ihm recht, wie er mit seinem „Fünf-Säulen-Modell für sichere und zertifizierte Gefahrgutlogistik“ eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die Wirtschaftskammer Österreich bedachte ihn dafür bei der Verleihung des diesjährigen „Hermes Verkehrs Logistik Preises“ gleich mit zwei Trophäen (Kategorien „Sicherheit“ und „Bester KMU“).

Misserfolge gehören zum Leben

Wer Nein zu etwas sagt, muss einen besseren Vorschlag haben, bläst Böntner zum Kampf gegen die typisch österreichische „Das war schon immer so und geht nicht anders“-Mentalität. Auch Misserfolge schrecken ihn nicht ab: „Sie gehören zum Leben, gäbe es sie nicht, könnte ich mich auch über Erfolge nicht richtig freuen.“ Abgesehen davon bergen sie Herausforderungen und neue Chancen. Keinerlei Motivation kann ihm hingegen das schnelle Geld entlocken. Als Familienunternehmen sei vielmehr langfristiges Denken maßgeblich, um das über allem stehende Ziel zu erreichen – seinen Töchtern ein gesundes Unternehmen zu übergeben. „Bis dorthin sollen sie die bestmögliche Ausbildung erhalten und, wie einst ich, spielerisch am Unternehmen teilhaben“, erläutert Böntner seinen Denkansatz. Privat teilt die Familie die Liebe zum Skifahren und Reisen, die Eheleute frönen gern kulinarischen Genüssen und edlen Weinen.

Nicht auf allen Hochzeiten tanzen

Auch politisch hat Böntner durchaus Ambitionen, allein seine Zeit reicht dafür (noch) nicht aus. Denn der Unternehmer würde auch hier nicht kleckern, sondern am liebsten gleich ganz oben einsteigen. „Ein guter Bundespräsident braucht nicht mehr Befugnisse, sondern die Fähigkeit, durch sein Charisma den Gestaltungswillen der Bundesregierung anzutreiben“, ist Böntner überzeugt, hier viel Sand aus dem Getriebe entfernen zu können. Zudem würde er das Steuerwesen vollkommen reformieren. Aber das ist, bekennt er mit kryptischem Lächeln, eher fantastische Zukunftsmusik als konkretes Lebensziel.

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