|  14. Juli 2014
aktualisiert am 15.12.15 15:39h

Hamburgs rollender Fanklub

Vor dem Gespräch mit der DVZ musste ein Kollege Michael Garbe erstmal suchen. Gefunden hat er seinen Chef dann in der Dispositionsabteilung der Garbe Transport GmbH. Dort saß der 48-jährige Unternehmer aus Hamburg mitten im Raum und hat seinen Mitarbeitern unter die Arme gegriffen. Das ist typisch für den gelernten Speditionskaufmann aus den Vier- und Marschlanden.

"Ich führe, indem ich Vorbild bin", sagt Garbe. "Ich disponiere mit, ich fahre mit. Ich zeige vollen Einsatz. Den erwarte ich aber dann auch von meinen Leuten." Heißt so viel wie: Garbe ist der Kumpeltyp, der hilft, wenn es klemmt. Er kann aber auch ruppig werden, wenn die Leistung nicht stimmt. "Das denkt man gar nicht von mir", sagt der eher schmächtig aussehende Mann mit dem akkurat gestutzten Bart. "Ich habe auch mal ein Handy an die Wand gepfeffert."

Beginn mit elf Mitarbeitern

Sein Handwerk hat der Vater eines acht Jahre alten Sohns und einer zwei Jahre alten Tochter bei einer Sammelgutspedition in den Vier- und Marschlanden gelernt. Später hat er dann als Disponent bei der Firma Offergeld gearbeitet. Unternehmer ist Michael Garbe aus einer Not heraus geworden. "Die Spedition meines Vaters - 1952 gegründet - stand 1989 kurz vor dem Aus", erzählt er. "Er wollte verkaufen, das hat aber nicht geklappt. Also bin ich eingestiegen." Bereut hat er das bis heute nicht. "Aus einer Firma mit 11 Mitarbeitern und rund einer halben Mio. EUR Umsatz habe ich eine Gruppe mit 300 Mitarbeitern und 36 Mio. EUR Umsatz gemacht."

145 Fahrzeuge sind inzwischen für die Garbe-Gruppe unterwegs. Sie besteht aus der Garbe Transport GmbH, Michael Garbe Transport, Prosped Spedition und Fahning Spedition. Die Kerngeschäfte sind Stückgut (in der Kooperation VTL mit Fahning), Teil- und Komplettladungsverkehre, Containerverkehre sowie Lagerhaltung.

Der "Hamburger Jung", wie er sich selber bezeichnet, hat freilich neben seiner Familie ("Die ist das Wichtigste überhaupt!") und der Firma noch eine weitere Leidenschaft. Und die ist ihm im wahrsten Sinn des Wortes auf den LKW geschrieben: der HSV. Garbe-LKW sind alle blau-weiß lackiert. 140 von 145 fahren mit einer halben HSV-Raute über die Straße. Die meisten haben das Hamburger Wappen an der Tür.

Die Geschichte der halben Raute

"Der Bezug zu Hamburg ist uns ganz wichtig", sagt der Firmenchef. In den ersten Jahren waren seine LKW blau-weiß und hatten die rote Hammaburg als Erkennungszeichen. Wegen seiner Fußballleidenschaft ist er dann auf die Raute gewechselt. Aber warum ist nur die halbe Raute auf den Zugmaschinen?

Garbe schmunzelt. "Ich hatte 2006 mal beim HSV offiziell angefragt, ob ich die Raute für meine Fahrzeuge benutzen darf", erinnert er sich. "Das musste dann bezahlt werden. Das hatte grundsätzliche Gründe." Aber die trafen nur auf die ganze Raute zu. Seitdem ist die eine Hälfte der Raute hinten an der Zugmaschine und eine am Auflieger. Garbe zwinkert, als er von diesem kleinen Trick erzählt.

Dass Garbe in fester Treue zum HSV steht, kann er aber auch beim besten Willen nicht verbergen. In seinem Büro hängen Fotos mit ihm und dem kürzlich verstorbenen Kultmasseur Hermann Rieger sowie mit Lotto King Karl, dem Sänger der HSV-Hymne, an der Wand. Fußball hat ihn aber auch in seiner Heimat, den Vier- und Marschlanden, immer schon begleitet. "Ich habe beim SCVM selbst gespielt", sagt er nicht ohne Stolz. Denn der Hamburger Oberligist ist Heimatverein der beiden Nationalspieler Max Kruse (Deutschland) und Martin Harnik (Österreich).

Nationalspieler als Garbe-Lehrling

Und mit dem Star vom VfL Wolfsburg verbindet Garbe eine ganz besondere und sehr persönliche Geschichte. "Kruse hat bei mir in der Firma eineinhalb Jahre eine Speditionskaufmannslehre gemacht", erzählt er. "Dann kam aber das Angebot von Werder Bremen, und er hat uns verlassen." An seinen Ex-Schützling hat Garbe sehr gute Erinnerungen. "Kruse war intelligent, sehr gut erzogen und sehr, sehr ehrgeizig." Kein Wunder, dass er als Profi seinen Weg gemacht habe, meint Garbe.

Sein Speditionsleiter Nils Heidenreich wiederum habe noch mit Martin Harnik im Dorf gekickt. Seine eigene Spielfreude, das sei der Vollständigkeit halber noch erzählt, hat eine lädierte Hüfte jäh gestoppt.

Für die Transportbranche war das jedoch ein Glücksfall. Denn so hat Garbe aus dem finanziell angeschlagenen Unternehmen seines Vaters eine heute erfolgreiche Unternehmensgruppe geformt. Freilich sieht auch er die Probleme und Herausforderungen, die in der Transportwirtschaft heute zu überwinden sind. "Wir haben 240 Fahrer", sagt er. "Es wird immer schwerer, neue Fahrer zu finden und sie zu motivieren." Gerade erst habe er 4 Mio. EUR in 50 neue LKW investiert. "Die sind mit allem Pipapo ausgestattet, inklusive TV", zählt er auf. "Das geht heute gar nicht mehr anders."

Das Klischeebild des LKW-Fahrers - "Feinrippunterhemd, Bart, Plautze und Zigarette im Mundwinkel" - sei heute schon längst überholt. "Das Wohnen im LKW ist längst vorbei. Wir fahren doch überwiegend im Linienverkehr. LKW-Fahrer werden zunehmend Busfahrer mit Arbeitshandschuhen", sagt Garbe trocken, wie es seine Art ist. Er macht keine großen Sachen, kommt auf den Punkt.

Infrastruktur frisst Rendite auf

So auch bei der Wirtschaftlichkeit seines Unternehmens. "Wir sind nur noch am Optimieren", sagte er. "Auf den meisten LKW sitzen zwei Fahrer, sonst geht das heute gar nicht mehr. Ein Fahrzeug ist 20 Stunden pro Tag unterwegs." Und er fahre lieber mehrmals Hamburg-Hannover-Hamburg als einmal nach Frankfurt. "Die kurze Tour bringt mehr", meint Garbe. Auf langen Strecken ist die Bahn einfach günstiger. Garbe sieht es so: "Der LKW ist viel zu billig."

Michael Garbe ist wie erwähnt eher der ruhige, zurückhaltende Typ. Was ihn aber so richtig auf die Palme bringt, ist die Diskussion über Politik und Infrastruktur. "Wie meine Rendite aussieht?" Die Frage amüsiert ihn. "Kann ich Ihnen sagen: Das hängt davon ab, wie sich der Dieselpreis oder wie schnell sich die Baustellen entwickeln." Das Verkehrschaos rund um Hamburg im Sommer 2014 beispielsweise habe Garbe rund 50 Prozent seines Gewinns gekostet, rechnet er vor. (tof)

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