|  01. Februar 2016

Ihm macht Kombinieren Spaß

Der Mann hat gut zu tun. IT, Containerlogistik bei Contargo Süd, Marketing und Vertrieb: Das klingt nicht nach Acht-Stunden-Tagen. Aber die wolle und könne er auch gar nicht, sagt Heinrich Kerstgens – zu eng ist er mit seinem Unternehmen Contargo verbunden. Die heutige Rhenus-Tochter zählt zu den erfolgreichsten Container-Hinterlandnetzwerken Europas, und Kerstgens hat als Geschäftsführer ordentlich dazu beigetragen.

Der studierte Betriebswirtschaftler und Informatiker ist leidenschaftlicher Container-Binnenschiffer. Er arbeitete zunächst für die Stinnes-Reederei und wechselte dann zum Operateur Combined Container Service (CCS), der 2008 in Contargo aufging. „Das passte einfach prima zu meiner ökologisch geprägten Sicht von Wirtschaft“, hebt er hervor.

Die hat sich bis heute nicht verändert. Nachhaltige Transporte organisieren, möglichst viel Volumen in den Kombinierten Verkehr bringen, Binnenschiffe noch umweltfreundlicher machen: Das treibt und motiviert Kerstgens immer noch.

Der 50-Jährige hat ein differenziertes Bild von Nachhaltigkeit. Deswegen fühlt sich Kerstgens mit Contargo und dem Kombinierten Verkehr auch wohl. Die Binnenschifffahrt schone die Umwelt, sei aber auch ökonomisch nachhaltig, unterstreicht er. Deshalb habe sein Unternehmen einen hohen Stellenwert im Mutterhaus Rhenus, „denn die Ertragsseite stimmt“.

Nachhaltig im Beruf wie privat

Nachhaltig lebt und denkt Heinrich Kerstgens auch privat. Der gelernte Tischler und begeisterte Hobbyhandwerker hat sein Haus selbst gebaut – mit besonderem Augenmerk auf recycel- oder kompostierbaren Baustoffen. Bahn- statt Autofahren (wo möglich), wenn Auto, dann Hybrid: Die Nachhaltigkeit ist durchgängig.

Ein Eiferer ist der Kombimanager allerdings nicht. „Ich habe kein Negativbild zum Beispiel von LKW-Spediteuren“, betont er. Schließlich sei Contargo bei Vor- und Nachläufen mit den Terminals und einigen Direktverkehren ja selbst einer. Er sieht diese Dienstleister als potenzielle Kunden – „und unsere Aufgabe ist es, ihnen ein wirtschaftlich konkurrenzfähiges Produkt im Kombinierten Verkehr anzubieten“.

Das wiederum ist nicht leicht. „Kombinierter Verkehr ist für viele Nutzer zu kompliziert – das habe ich ganz schnell begriffen“, sagt Kerstgens. Als Erstes nahm er sich als überzeugter ITler deshalb vor, für die Kunden ein transparentes elektronisches Preissystem zu schaffen. Der Haken ist lange dran, und Contargo-Kunden kennen das Ergebnis: das kostenfreie Tarifinformationssystem Imtis. Es ist, wie viele der von Contargo selbst programmierten Anwendungen, auf Open Source gestellt. Jeder kann sich also dieser Ergebnisse bedienen.

Vor über 20 Jahren ist Kerstgens in den Kombinierten Verkehr mit dem Binnenschiff eingestiegen. Geblieben ist das gewinnende Lächeln. Geändert aber hat sich das Spielfeld: Seit etwa 6 Jahren gehört für Contargo und damit auch für den Geschäftsführer die Bahn unbedingt dazu. Jede zweite Box bewegt der Dienstleister heute bereits auf der Schiene. „Zu jeder unserer Binnenschiffslinien bauen wir nach und nach eine parallele Bahnlinie auf“, so Kerstgens. Von der festen Slotvereinbarung auf Drittzügen bis zum Contargo-Firmenzug reicht die Spannbreite – eingekauft immer bei einem Operateur. Und bis zu 10 Prozent des Volumens bewegt Contargo trimodal – bindet also einen zweiten Massenverkehrsträger mit ein.

Das Ganze ist allerdings an eine strikte Vorgabe geknüpft: Das Unternehmen baut nur dort Linienverkehre auf, wo an mindestens einem Ende ein eigenes Terminal wartet. Kerstgens: „Wir müssen unsere Qualität absichern – und die wird zu einem guten Teil im Terminal entschieden.“ Hinzu kommt, dass die Terminals den deutlich größten Anteil zum Umsatz Contargos beisteuern.

Großes Rad im Westhafenverkehr

Das große Rad dreht Contargo im Westhafenverkehr – mit dem Rhein als leistungsfähiger Binnenschifffahrtsachse. Auch dank der strategischen Terminalförderung Deutschlands seien viele Umschlaganlagen entstanden, die dem Kombinierten Verkehr zugutekommen, sagt Kerstgens: „Es gibt starken Wettbewerb und viele Möglichkeiten für produktive neue Kombiangebote.“ Er würde sich aber wünschen, dass die Westhäfen endlich ihre Kapazitätsengpässe in den Griff bekommen: „Die machen uns das Leben schon schwer.“

Die Entwicklung Contargos haben diese Probleme freilich nicht bremsen können. Zwischen 2009 und 2015 hat das Unternehmen alle wesentlichen Kennzahlen mindestens verdoppelt. Dahinter steckt zum Teil organisches Wachstum, vor allem aber gab es eine Reihe von Übernahmen – beispielsweise die Intermodalverkehre von Wincanton oder der Pöhland-Gruppe. Bis 2020 will Contargo um 5 Prozent jährlich wachsen. Und wenn sich die Gelegenheit biete, werde Contargo auch weiter zukaufen, macht der Manager klar. Wobei die Kartellwächter angesichts der Marktstärke des Unternehmens im Rheingraben-Verkehr sicher genau hinschauen werden.

… und dann explodiert er

Das alles klingt nach unaufgeregter, strategischer Führung. Kann ein solcher Manager, den seine Mitarbeiter als einfühlenden und menschlichen Chef beschreiben, auch mal explodieren? „Es ist schon schwer, mich richtig auf die Palme zu bringen“, grinst Kerstgens, „das kommt mir auch im Familienalltag mit drei Kindern sehr zugute“. Allerdings: „Wenn mir Ungerechtigkeit unterkommt, brodelt es doch schon mal heftig.“

Deshalb hat ihn auch die Bundeskanzlerin mit dem Schritt, Flüchtlingen die Grenzen zu öffnen, nachhaltig beeindruckt – „obwohl sie für mich das falsche Parteibuch hat“. Eine große Aufgabe habe Deutschland übernommen. Aber: „Die Entscheidung von Frau Merkel war richtig.“

Trotz hoher beruflicher Belastung gelingt Kerstgens eine gute Work-Life-Balance, mit Zeit für die Familie und das große Hobby Kanufahren. Gut so, denn einige Jährchen mit diesem anspruchsvollen Zeitmanagement hat der 50-Jährige ja noch vor sich. Die einzige Konzession, die er an sein Alter macht, liegt im Privaten: „Bis Wildwasser III paddle ich ja noch mit – alles darüber überlasse ich aber inzwischen gern meinem Sohn.“

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