|  09. Februar 2016

Klartext statt Geschwurbel

10:15 Uhr, Friedrichsdorf, Otto-Hahn-Straße 11, ein zweckmäßiger Bau. Nur wenige würden hier die Zentrale eines erfolgreichen mittelständischen Lebensmittellogistikers vermuten. Hier trifft die DVZ Matthias Strehl, der sich zielstrebig vom Kraftfahrer mit kaufmännischem Hintergrund zum Geschäftsführer hochgearbeitet hat. Auf dem Tisch: Kaffee, Wasser, Brötchen, Croissants und Brezeln.

Sportlich sieht er aus, sportlich ist er: Der Logistikmanager aus dem Ruhrpott – genauer gesagt aus Essen – ist ein Läufertyp, der 2001 sogar den Hamburg-Marathon in beachtlich guter Zeit zurückgelegt hat. „Ich war fix und fertig, als ich im Ziel ankam, aber schon zwei Stunden später schoss mir der Gedanke ‚Da geht noch was‘ durch den Kopf“, erzählt Strehl. Diese Einstellung zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Beruflich ist er ebenfalls ein Dauerläufer, der in den 29 Jahren, die er mittlerweile in der Logistik tätig ist, getreu der Maxime „Aufgeben geht gar nicht“ immer wieder an sich gearbeitet hat. Für seine Beständigkeit spricht, dass Strehl lediglich einmal vor 17 Jahren den Arbeitgeber gewechselt und ansonsten immer seine Möglichkeiten im Unternehmen wahrgenommen hat. „Man kann wirklich nicht sagen, dass ich ein Jobhopper bin“, lächelt er.

Neben der Beständigkeit ist auch die Nähe zu Kollegen und Mitarbeitern ein wesentliches Kennzeichen Strehls. Anstatt per Mail kommuniziert er lieber direkt mit seinen Ansprechpartnern. „Ich bin sehr viel im Haus unterwegs, denn auf der einen Seite will ich natürlich als Chef wahrgenommen werden, und auf der anderen Seite will ich einfach auch wissen, wenn etwas Spannendes passiert.“ Strehl ist präsent – und auch seinerseits für jeden ansprechbar. Dabei kommt ihm auch zugute, dass er sich von der Pike auf hochgearbeitet hat und aus eigener Erfahrung den Job des Kraftfahrers, des Disponenten, des Niederlassungs- und Regionalleiters kennt. Er ist mit den Sorgen und Nöten vertraut und weiß die Themen einzuschätzen. Allerdings weiß er auch um seinen Schwachpunkt: „Ich lächle nicht sehr viel und wirke dadurch auf den ersten Blick etwas grimmig.“ Zudem sieht er sich als gradlinigen Typen, der von unspezifischen Aussagen wenig hält – Klartext statt Geschwurbel ist angesagt.

Muss man sich den Geschäftsführer also als harten Hund vorstellen? Ganz sicher nicht. Schon nach wenigen Minuten ist klar, dass Strehl seiner Umwelt sehr positiv gegenübersteht. Wer ihm mit offenem Visier begegnet, kann mit ihm zusammen viel bewegen. Taktierer oder durchschaubare Ausflüchte liegen ihm dagegen nicht. „Wenn jemand einen Fehler macht, dann soll er dazu stehen“, so Strehl. „Menschliches Versagen gehört einfach dazu, denn wir sind keine Maschinen – aber ich erwarte, dass die Menschen bereit sind, aus den Fehlern zu lernen“, erklärt der Logistiker.

Was würde Strehl sich selbst ins Pflichtenheft schreiben? „Ich wirke nach außen hin kühl und geschäftsmäßig, aber ich arbeite daran, mehr Gefühle zu zeigen.“ Was er auch tut, als er über ein tragisches Unglück spricht, das seine vergangenen Wochen überschattet hat. Dennoch gestattet er sich nicht zu viel Emotionalität, denn die Firma fordert viel Aufmerksamkeit. „Da stelle ich bisweilen persönliche Empfindsamkeiten zurück.“

Die ehrgeizigen Ziele früherer Sportler-Jahre sieht Strehl mittlerweile gelassener. „Nach wie vor laufe ich gern, denn so kann ich wunderbar abschalten und den Kopf freimachen“, sagt er. Ansonsten versucht er sich einmal in der Woche mit Freunden und Bekannten zum Hallenfußball zu treffen, arbeitet im Garten oder ist mit dem Familien-Labrador auf Tour.

Die Familie ist Strehl wichtig: Er ist seit 26 Jahren verheiratet und freut sich, mit seiner 17-jährigen Tochter laufen oder mit seiner Frau auf Reisen zu gehen. Letzteres ist eine Leidenschaft: In seinem Büro hängt eine Weltkarte, auf der eine erkleckliche Menge Stecknadeln anzeigt, wo Strehl bereits gewesen ist. Doch rasten will er nicht: „Ich will die Welt sehen, die Menschen und die Kulturen kennenlernen.“ Da ist sie wieder, die Beharrlichkeit – und sie scheint vererbbar zu sein: Als Strehl von seinem Sohn erzählt, wirkt er sichtlich stolz. Von klein auf habe der Pilot werden wollen und nun stünde er kurz vor dem ersehnten Ziel. „Sobald er mich in einem Flugzeug als Pilot begrüßt, mache ich da einen dicken Haken dran.“

Auch bei anderen schätzt Strehl die Langstreckenmentalität. Wer sich viele Jahre für ein Unternehmen beständig engagiert und sich, auch wenn die Tätigkeit nicht ständig neue Glanzlichter bietet, eine positive Einstellung bewahrt, findet in ihm einen Gleichgesinnten. Diese Kontinuität schweißt zusammen; Strehl sieht die Firma wie einen Familienverband, bei dem zuerst einmal die Menschen im Vordergrund stehen. Doch dabei verliert er nicht das Geschäft aus dem Augen: „Ich gehe mit dem Geld der Firma genauso sorgsam um wie mit meinen eigenen Finanzen.“ Augenmaß muss natürlich sein, doch wenn Strehl eine Maßnahme für die Qualifizierung der Mitarbeiter für wichtig erachtet, setzt er sich aktiv dafür ein und findet bei den Eigentümern des Unternehmens Rückhalt. Beharrlichkeit und Kontinuität haben die hierzu notwendige Vertrauensbasis geschaffen.

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