|  20. August 2015

Oberster Projektmanager bei Kruse Logistik

Seit 120 Jahren steht der Name Kruse in Walsrode für Transport und Logistik. Jens Kruse (56) verkörpert die vierte Generation. Seit 1991 führt er das Unternehmen, das heute aus der Kruse Spedition GmbH und der Kruse Logistik GmbH besteht. „Kruse Logistik. Bringt Sie weiter“ – der Unternehmensslogan ist dem Chef wie auf den Leib geschneidert. In den knapp 25 Jahren, in denen er nunmehr an der Spitze ist, hat er das Unternehmen beträchtlich weitergebracht.

Als er die Geschäftsführung übernahm, hatte es 20 Mitarbeiter, heute sind es 130. Neue Geschäftsbereiche wurden entwickelt, die internationalen Verkehre ausgebaut, drei neue Logistikhallen und eine eigene LKW-Werkstatt in Betrieb genommen sowie ein neues Verwaltungsgebäude im Walsroder Ortsteil Vorbrück gebaut und bezogen. In einigen Jahren steht der Generationswechsel an, und bis dahin will Kruse noch ein letztes Großprojekt angeschoben haben.

„Wir sind Nischen- und Segmentanbieter“, erklärt er, „das ist unsere Marketingstrategie.“ Und das von Anfang an: „In den 1920er Jahren leitete mein Großvater Ernst Kruse die Spezialisierung des ,bahnamtlichen Rollfuhrunternehmens‘ auf Möbeltransporte und Möbellogistik ein“, erzählt er beim Blättern in der Unternehmenschronik. „1935 wurde erstmals ein LKW im Möbeltransport eingesetzt. „Und 1939“ – er zeigt auf ein Foto und grinst – „1939 hatten wir schon den ersten Gigaliner.“ Das Foto zeigt ein rund 20 m langes Gespann, bestehend aus einem Maschinenwagen mit zwei Anhängern.

Möbeltransporte gehören heute noch zum Portfolio. Seit 2012 liegt der Fokus aber nicht mehr auf Umzügen, sondern auf Spezialmöbeltransporten, etwa von Laboreinrichtungen. Dieser Schritt ist ein Beispiel für das, was Kruse als „organisches Wachstum“ bezeichnet, nämlich Bisheriges beizubehalten und weiterzuentwickeln. „Umzüge, Möbeltransporte – da sind wir gut“, erklärt er, „aber es gibt wenig Zukunftsperspektiven. Full Service ist nicht mehr so gefragt, ,do it yourself‘ ist billiger. Aufgeben wollten wir den Unternehmensbereich aber nicht, er verkörpert schließlich auch ein Stück Tradition.“

In der Logistik groß geworden

Im Betrieb aufgewachsen, hat Kruse Logistik von klein auf miterlebt – auch die Belastungen, etwa das Hineinwachsen des Geschäfts ins Familienleben und die permanente Verfügbarkeit. Aber Flexibilität sei nun einmal beim Logistiker Trumpf. Das hat Kruse schon von seinem Vater gelernt, der nach der Maxime lebte: „Es gibt keine Probleme, es gibt nur Herausforderungen.“

Der Sohn stand mit 17 Jahren vor der Herausforderung, in Bremen auf eigenen Füßen stehen zu müssen. „Ich war ein fauler Schüler“, erinnert er sich, und sein Vater habe ihn kurzerhand zu der Bremer Spedition F.W. Neukirch in die Lehre gesteckt – „ganz schön weit weg von zu Hause“. Als Speditionskaufmann drückte er dann noch einmal zwei Jahre die Schulbank, legte das Fachabitur ab, studierte Verkehrsbetriebswirtschaft an der Hochschule Heilbronn und arbeitete anschließend drei Jahre in einer Konzernspedition. 1988 zog es ihn zurück nach Walsrode, in die Selbstständigkeit – „in einem großen Unternehmen ist man doch wie im Schuhkarton“.

Nach gut dreieinhalb Jahren als stellvertretender Geschäftsführer löste er seinen Vater als Chef ab. „Raus aus den klassischen Geschäftsfeldern und mehr Verknüpfungen machen“, hatte er sich vorgenommen.

Aus dem bereits 1960 vollzogenen Einstieg in die Lebensmittellogistik hatten sich temperaturgeführte Lagerung und Verteilung entwickelt. Inzwischen versorgen Kruses LKW die Auslieferungslager großer Discounter. Lidl, Netto, Penny stehen auf der Kundenliste. Seit 2006 liefert Kruse für Discounter wie Aldi auch bundes- und europaweit Aktionsware aus.

Zu einem großen Unternehmensbereich wuchs die ab 1995 für regionale Produktionsunternehmen aufgebaute Beschaffungslogistik heran. Dabei wünscht sich Kruse eine noch größere Differenzierung: „In der Verknüpfung von Transport und Logistik liegt die Zukunft unseres Unternehmens.“ In die Karten spielt ihm die günstige Verkehrsanbindung: Im Umkreis von weniger als 100 km liegen die Logistikdrehkreuze Hannover, Hamburg und Bremen.

Mit Ehrgeiz zum Erfolg

Vor diesem Hintergrund gelang Kruse, der sich selbst als einen planerischen und vorausschauenden Menschen sieht, 2014 ein strategisch wichtiger Schachzug. Im 10 km von Walsrode entfernten Bad Fallingbostel erwarb er in dem an der A7 gelegenen Industriegebiet Ost ein rund 5,5 ha großes Areal. Auf dem sollen nach und nach bis zu neun Hallen individuell nach Kundenwünschen realisiert werden. „Wir planen modular und denken dabei in einem Zeithorizont von bis zu 20 Jahren“, sagt Kruse. „Jede in Betrieb genommene Halle sichert den jeweils nächsten Bauabschnitt ab.“ Im Herbst 2016 soll die erste Immobilie stehen. „Das Grundstück zu kriegen war nicht einfach“, erklärt Kruse. Doch er hat die Erweiterung beharrlich vorangetrieben.

Für diesen Ehrgeiz wird der Unternehmer von seinen Mitarbeitern sehr geschätzt. „Er ist ein sehr konstruktiver Unternehmer“, heißt es über Kruse, wenn man sich in dem Unternehmen umhört, oder: „Er geht seinen Weg“, „ein exzellenter Logistikfachmann“, „ruhig, besonnen, effizient – und absolut zuverlässig“.

Parallel zum Bauprojekt betreibt Kruse das Projekt Unternehmensnachfolge. Mit Sohn Jannes (24), dem ältesten seiner vier Kinder, steht ein potenzieller Nachfolger bereit. Dessen Biografie ähnelt der seines Vaters: Er zog früh aus, machte sein Abitur in England, lernte bei Kühne + Nagel Speditionskaufmann und studiert zurzeit in Heilbronn – ebenfalls Verkehrsbetriebswirtschaft. Bis zum Ende des Studiums soll er sich entscheiden, ob er ins Unternehmen einsteigen will. „Er hat noch drei Jahre Zeit“, sagt Kruse. Er selbst wäre dann 59 und kann sich vorstellen, ein paar Jahre zusammen mit dem Filius zu arbeiten und mit 63 oder 64 in Rente zu gehen.

Auf das Neben- und Miteinander im Unternehmen bereiten sich beide zusammen mit einem Coach vor. „Wir müssen ja einige Jahre aufeinander zusteuern, und bei Vater und Sohn ist es sinnvoll, dass ein neutraler Dritter dabei ist“, findet der Unternehmer. „Ich möchte schließlich nicht das familiäre Verhältnis belasten.“

Als planerischer, vorausschauender Mensch hat er aber auch einen Plan B und sogar einen Plan C in der Schublade. Tochter Manja (21) ist ebenfalls logistikaffin. Selbst einen Verkauf des Unternehmens schließt er nicht aus. Trotzdem empfindet er, wie er sagt, persönliche Verantwortung für seine Mitarbeiter: „Sie sind das Rückgrat des Unternehmens. Sie sollen in eine gesicherte Zukunft gehen – egal, wer das Unternehmen führt.“ (reg)

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