18. Juli 2018

Preiserhöhung: „Margen bei allen unter Druck“

Auf den Margendruck, trotz massiv steigender Volumnia in der Kep-Branche, der mit einem eklatanten Fahrermangel einhergeht, reagiert nun der neue Services-Vorstand der Otto Group Kay Schiebur. Er geht davon aus, dass der von der Otto-Tochter Hermes geplante „Peak-Zuschlag“ in der nächsten Wintersaison auch von Wettbewerbern übernommen wird. Gleichzeitig nimmt Hermes voraussichtlich eine Preiserhöhung von 50 Cent pro Paket vor. Der Otto-Vorstand will darüber hinaus das Thema Kooperationen stärker in den Fokus rücken. Insbesondere auf der letzten Meile sieht der Manager die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit Wettbewerbern. Man prüfe aktuell intensiv die Optionen.

Hermes, so Schiebur, sei in einem stark wachsenden Paketmarkt unterwegs und gewinne als Nummer zwei Marktanteile dazu. „Im vergangenen Weihnachtsgeschäft konnten wir zuverlässig liefern“, sagt der Otto-Group-Vorstand. „Aber die steigenden Paketmengen stellen nicht nur uns, sondern die ganze Branche vor erhebliche Herausforderungen. Der Arbeitsmarkt ist leergefegt, auch in ländlichen Regionen.“ Hermes habe eine große Verantwortung für faire Fahrerentlohnung; man sehe aber auch die Notwendigkeit, auskömmliche Preise am Markt zu realisieren.

Hermes war das erste Paketunternehmen, das im Herbst vergangenen Jahres angekündigt hatte, Preiserhöhungen durchzusetzen, um dem Fahrermangel und der Notwendigkeit zur verbesserten Entlohnung Rechnung zu tragen. In Ergänzung dazu hat Hermes einen Peak-Zuschlag genommen. Schiebur: „Wir konnten bei unseren Kunden, den Onlinehändlern, Preiserhöhungen von durchschnittlich 4,5 Prozent durchsetzen.“

"Hermes war nie der Preisbrecher"

Den Einwand, dass Hermes früher gerne mal die Preise der Wettbewerber unterboten hat, lässt Schiebur nicht gelten. Man habe zu keinem Zeitpunkt die Rolle des Preisbrechers oder Discounters gespielt. Vielmehr bestimme DHL mit einen Anteil von fast 50 Prozent im deutschen Paketmarkt die Preise. Der Hamburger an den Bonner Konzern gerichtet: „Wenn sich der Marktführer Preiserhöhungen verweigert, dann hat der Markt ein Problem. Wir hoffen, dass DHL seinen jüngst gemachten Ankündigungen, die Preise auch zu erhöhen, Taten folgen lässt.“ Neben Preiserhöhungen geht Schiebur davon aus, dass der Peak-Zuschlag in Verbindung mit Mengenbegrenzungen in der nächsten Wintersaison durchaus auch von Wettbewerbern übernommen werde.

Auf die Profitabilität bei Hermes und die Demission von Frank Rausch als Deutschland-Chef angesprochen, antwortet Schiebur offensiv: „Wir haben im vergangenen Jahr operativ schwarze Zahlen geschrieben. Das Preisniveau im deutschen Markt, völlig unabhängig davon, ob es sich um Hermes oder auch um Wettbewerber handelt, ist im Moment aber nicht auskömmlich und sorgt dafür, dass die Margen bei allen Anbietern stark unter Druck sind.“

Ob Amazon auch zum Druck beiträgt? Schiebur gibt sich gelassen: „Amazon ist für uns kein Gegner, sondern ein geschätzter Großkunde mit einem Anteil am Geschäft von knapp 20 Prozent. Der Schritt von Amazon, selbst in die Auslieferung zum Kunden einzusteigen, war vor dem Hintergrund knapper Ressourcen in der Hochsaison absehbar.“ (he)

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