|  29. März 2016

Stabwechsel bei der SGKV

Neuer Läufer, altes Rennen: Die Studiengesellschaft für den Kombinierten Verkehr (SGKV) bekommt mit Clemens Bochynek (35) einen anderen Geschäftsführer. Thore Arendt (42) wechselt in seine alte Heimat Ostwestfalen-Lippe.

Damit holt der gebürtige Niedersachse mit reichlich Verspätung nach, was er eigentlich schon vor acht Jahren tun wollte. „Als ich damals nach Berlin kam, sollte das nur für ein oder zwei Jahre sein. Dann stellte sich die interessante Aufgabe, die SGKV neu auszurichten und ein tragfähiges Geschäftsmodell für die Gesellschaft zu entwickeln. Das habe ich nun gemeinsam mit Clemens Bochynek seit 2011 getan, und wir hatten ja durchaus Erfolg.“

Heute finanziert sich die Studiengesellschaft zum weitaus größten Teil aus Forschungsaufträgen mit hoher Praxisrelevanz, die dann auch Mehrwert für die aktuell mehr als 80 Mitglieder bringen. Dazu gehören die Schwerpunkte:

Optimierung von Schnittstellen – eher technisch ausgelegthöhere Transparenz rund um den Kombinierten VerkehrFörderung des KV-Wettbewerbs

„Wir entwickeln beispielsweise im Auftrag der Obersten Baubehörde des Freistaats Bayern in den kommenden beiden Jahren Lehrmaterialien rund um den Kombinierten Verkehr“, berichtet Bochynek. Dieses praxisnah erarbeitete Material werde es dann gebündelt und offen zugänglich für alle geben – für Unternehmer, Auszubildende, Berufsschüler. Und: „In den kommenden Monaten bewerben wir uns auf weitere zehn Forschungsaufträge.“

Berater und Ansprechpartner

Auch die Beratungstätigkeit hat sich entwickelt – beispielsweise für das Bundesverkehrsministerium (BMVI) und das Schweizer Bundesamt für Verkehr (BAV) bei der Beurteilung von förderwürdigen Umschlagterminals. Terminalbetreibern im Ausland hilft die Gesellschaft zudem bei der Bewertung von Standorten. Außerdem steht die SGKV dem BMVI als fachkundiger Ansprechpartner für alle Fragen rund um den Kombinierten Verkehr zur Verfügung. Die Mitarbeiterzahl hat sich von zwei auf sechs erhöht – „damit können wir auch wieder größere Projekte abbilden“, freut sich Arendt.

Bochynek ist Diplom-Geograf mit den Schwerpunkten Wirtschafts- und Verkehrsgeografie sowie Umweltmanagement. Seit 2010 ist er bei der SGKV dabei – zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann als Projektleiter. Er verantwortet den Forschungsbereich Transportsicherheit und Diebstahlprävention, koordiniert die Aktivitäten für BAV und BMVI, kümmert sich um die Akquisition von Forschungsmitteln und die Mitgliederberatung.

Diese Mitglieder sind Verlader, besonders aus der Chemiebranche, Operateure, Terminalbetreiber, Hafengesellschaften, IT-Dienstleister. Sie betrachteten die SGKV zusehends als „Wissensmotor für die Branche“ und als idealen Marktplatz zum Netzwerken mit versierten Kombipraktikern, sagt Bochynek. Klar sei hingegen allen, dass die SGKV keine Lobbyarbeit leisten könne: „Das verbietet schon unser Status als gemeinnütziger Verein – wir sind strikt neutral aufgestellt.“

Moderator für kritische Themen

Was aber prima geht, das ist die Organisation von Themenzirkeln, beispielsweise zur Qualität im KV. „Gerade weil unsere Mitglieder so heterogen sind, können wir über die SGKV alle Beteiligten zusammenbringen, um Lösungen zu finden“, so Bochynek. Es gebe vorbildliche Ansätze, die hier praxisnah vorgestellt und gegebenenfalls übertragen werden könnten. Für ihn gehört dazu auch die Definition von zentralen Qualitätsmaßstäben, auf die sich die Beteiligten einigen und an denen sie sich dann auch messen lassen sollten.

Aus ihrer neutralen Position heraus sieht sich die SGKV auch als kritischer Moderator. Arendt: „Optimieren können nur alle Partner zusammen – jeder muss sich bewegen, wenn Anforderung und Produktqualität nicht zusammenpassen.“

Es verwundert nicht, dass die beiden SGKV-Manager dem Kombinierten Verkehr trotz aktuell eher stagnierender Zahlen eine glänzende Zukunft vorhersagen. Bochynek: „Er hat weiter die politische Unterstützung, es gibt auch künftig Fördergelder für den Terminalbau, wir bekommen bald Unterstützung durch Megahubs, der reine LKW-Verkehr kämpft mit Engpass- und Kostenproblemen. Spätestens in zwei Jahren haben wir wieder die gewohnten Steigerungsraten auf der Schiene.“

Evolution statt Revolution

Der Übergang in der Geschäftsführung findet zum 1. April statt. Arendt wechselt dann in eine GmbH, die an die Regionalplanung Ostwestfalen-Lippe angehängt ist, und wird sich dort vor allem mit Industrie 4.0 beschäftigen. Und was steht bei der SGKV an? „Da wird nur ein kleiner Staffelstab übergeben“, grinst Bochynek: „Wir beide arbeiten hier ja seit sechs Jahren zusammen. Seitdem ist die SGKV schon in die Richtung unterwegs, die auch ich für richtig halte. Eine Revolution sollten Sie also nicht erwarten – eher Evolution.“

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