|  15. Oktober 2015
aktualisiert am 24.11.15 14:42h

„Wir führen an der langen Leine“

Erfolgreiche Menschen werden durch Arbeit und Leistung geformt und nicht durch schöne Worte. Diesen Leitsatz legte Firmengründer Alfred Schneckenreither seinen beiden Söhnen Alfred und Wolfgang in die Wiege. Mittlerweile haben sie die Geschäftsführung des einstigen Fuhrunternehmens, das der Vater 1960 in Gaflenz gegründet hatte, übernommen – und erinnern sich auch heute in ihrem Tagesgeschäft immer mal wieder an seine Worte.

Begonnen hat damals alles mit nur einem einzigen Lastwagen. Bald jedoch stellte der Firmengründer fest, dass es in Oberösterreich kaum Aufträge gab – wohl aber beim Kraftwerksbau im Tiroler Kaunertal. Kurzerhand übersiedelte Schneckenreither mit Kind und Kegel nach Tirol. „Reich wurden meine Eltern dort zwar auch nicht, aber die Geschäfte liefen immerhin so gut, dass 1962 weitere LKW angeschafft werden konnten“, berichtet Wolfgang Schneckenreither von den ersten Anfängen. Von da an ging es langsam bergauf: 1970 gründete die Familie eine Spedition im oberösterreichischen Ansfelden, die später um mehrere Niederlassungen, in Wiener Neudorf, Graz und Klagenfurt, erweitert wurde.

„Immer in Bewegung bleiben“

Das ist bis heute nicht nur des Seniors persönliches Motto, sondern auch das der mittelständischen Firmengruppe, die Alfred Schneckenreither seit rund 30 Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Wolfgang führt. Denn nicht die Großen würden die Kleinen überholen, sondern die Schnellen die Langsamen. „Aber im Gegensatz zu manchen, geradezu feldzugmäßig expandierenden Mitbewerbern setzen wir seit jeher auf kontinuierliches Wachstum“, betonen die Brüder. Antizyklisch, wenn niemand damit rechnet, auf den Zug aufzuspringen sei eine Grundsäule ihres Erfolgs.

Beide fielen, wie der berühmte Apfel, auch nicht weit vom Stamm. Während sein Bruder Alfred eine Speditionslehre absolvierte, maturierte Wolfgang in der Handelsakademie Krems, bevor er in Linz Betriebswirtschaft studierte. Beide absolvierten Praxisfortbildungen in England und den USA und durchlebten eine mehrjährige Jobrotation in der elterlichen Firmengruppe. Alfred zeichnet seit 1986 als geschäftsführender Gesellschafter für die Geschicke der Internationalen Spedition Schneckenreither Gesellschaft m.b.H. verantwortlich, während Wolfgang eher die Geschäfte des Transportbereiches, der Auslandsniederlassungen in Budapest und der Slowakei sowie der hauseigenen KFZ-Reparatur-Firma führt. Zudem agieren beide als Prokuristen in diversen weiteren Unternehmen der Firmengruppe. „Als Vorgesetzte sind wir beide partizipativ ausgerichtet“, betont Wolfgang und ergänzt: „Jeder kann seine Meinung sagen, denn letztlich ist konstruktive Kritik das Beste, was uns passieren kann.“ So sieht es auch sein Bruder: „Bei uns trifft man die Chefs noch jeden Tag im Büro, man kann sie anrufen und mit ihnen reden.“ Genau das verstehen die Schneckenreithers unter gelebtem Familienbetrieb. Am besten sei man immer mit dem Führungsstil „der langen Leine“ gefahren: Jeder Mitarbeiter bekommt so viel Entscheidungskompetenz, wie er Verantwortung hat, die Geschäftsführung greift nur ein, wenn Handlungsbedarf besteht. „Das allerdings geht dann auch sehr rasch und effektiv“, betont Alfred, „denn obwohl mein Bruder und ich weitgehend autonom in unseren Geschäftsbereichen agieren, brauchen wir im Fall des Falles für unseren entschlossenen Einklang keine langen Sitzungen.“

Selten unterschiedlicher Meinung

Natürlich gebe es bei einem Unternehmen dieser Größenordnung auch hier und da mal Auffassungsunterschiede. „Diese sind für gewöhnlich jedoch nicht von grundsätzlicher Natur, und wir gehen damit ganz bodenständig um“, sagt Wolfgang. „Wir raufen uns zusammen – und manchmal muss eben einer ein wenig über seinen Schatten springen.“ Und im Zweifelsfall, berichten Freunde des Hauses, gilt die mütterliche Weisheit immer noch als letzte Anlaufstelle. Überhaupt gelten die Schneckenreithers, trotz ihres Geschäftssinns, als ausgesprochene Familienmenschen. Wolfgang ist stolzer Vater von vier, Alfred von einer Tochter.

Die Werte der Familie werden in den Betrieb hineingetragen. Sie werden dadurch zu Garanten einer funktionierenden Wirtschaft. „Nicht ganz so ausgezeichnet sind die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, denen wir in Österreich ausgesetzt sind“, erklären beide ihr zusätzliches Engagement in verschiedenen Standesvertretungen. Seit September 2014 fungiert Alfred als Bundesobmann des Fachverbandes der österreichischen Spediteure. Sein Hauptanliegen ist, neben dem Einsatz für bessere Rahmenbedingungen im Speditionsgewerbe und der Sicherung von Nachwuchskräften, die bessere Vernetzung zwischen den Spediteuren: „Nur dann werden wir in der Lage sein, die komplexen Herausforderungen, die durch das Internet 4.0 auf uns zukommen, zu bestehen.“

Sein Bruder Wolfgang wiederum setzt sich ebenfalls für wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für Spediteure ein und führt als Fachgruppenobmann-Stellvertreter Güterbeförderung in der Wirtschaftskammer Oberösterreich einen Kampf auf vielen Fronten: ob bei der Maut, LKW-Fahrverboten oder den Nachtgeschwindigkeitsbegrenzungen. Und wenn sich sein Einsatz auszahlt, profitiert davon nicht nur der Familienbetrieb, sondern die ganze Branche. (reg)

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