|  15. Mai 2014

Der Bildhauer

Das Klettern am Felsen war seine große Leidenschaft. "Viele der 4000er in den Alpen habe ich bestiegen", erinnert sich Peter Somaglia, ehemaliger Geschäftsführer der Cargologic AG mit Hauptsitz am Flughafen Zürich. Bergwandern geht er immer noch - ganz so hoch will er aber nicht mehr hinauf. Dafür soll mehr Zeit für das Gestalten und Modellieren des Gesteins bleiben, das ihm einst Halt für Seil und Sicherungshaken bot. Steinbildhauen ist seit mehreren Jahren Somaglias neues Hobby.

Dazu gekommen ist er "rein zufällig" - aufgrund eines Zeitungsinserats, in dem ein Bildhaueratelier Anfängerkurse angeboten hatte "Für mich war sofort klar: das passt zu mir", erzählt Somaglia. "Bisher habe ich eher einfache Skulpturen kreiert, wie ein großes Ei oder das Burj-al-Arab mit der typischen halbrunden Segelform", erklärt er weiter. Wobei jede Steinart anders bearbeitet werden müsse. Sandstein sei weich und eher einfach zu formen. Marmor dagegen sei hart und leicht brüchig.

Sein aktuelles Projekt ist die Arbeit an einem sogenannten "Irish Black" im Vorgarten des Steinbildhauerateliers. Aus dem Stein entsteht ein afrikanischer Sonnengott mit drei Gesichtern auf jeder Seite. Nach der Arbeit mit Hammer und Meißel folgt der Feinschliff. Durch eine unterschiedliche Körnung der Schleifsteine kann die Oberfläche farblich interessant gestaltet werden. Das macht die Skulptur in den Augen des Betrachters lebendig.

Kreativ in Hobby und Beruf

Somaglias kreatives Hobby ist durchaus übertragbar auf seine Karriere. Denn auch im Berufsleben übernahm er überall, wo er hinkam, die kreative Arbeit der Gestaltung. Der 64-Jährige hat dabei vielerorts seine Fußspuren hinterlassen: in Griechenland ebenso wie in Lateinamerika und in Deutschland. Zuletzt arbeitete er eine Dekade lang in der Schweiz. An all diesen Standorten hat Somaglia Luftfracht "gelebt" und "gestaltet".

Nach neun Jahren als Cargologic-Geschäftsführer ist Somaglia dabei, sein Arbeitspensum bis zu seiner ordentlichen Pensionierung im Jahre 2015 auf die Hälfte zu reduzieren. 35 Jahre Luftfracht, stets in leitender Funktion, neigen sich langsam einem ersten Ende. Den Job als Cargologic-Geschäftsführer hat er bereits zum Jahreswechsel an seinen Nachfolger Marco Gredig übergeben.

Doch einen Abschied vom Schweizer Luftfrachtgeschehen insgesamt, "den wird es nicht geben", kündigt der erfahrene Manager an. So will er bis zu seiner beruflichen Pensionierung Cargologic und Rhenus Alpina weiterhin für Spezialprojekte zur Verfügung stehen. Er bleibt auch Geschäftsführer der Rhenus-Tochter Aviasecure.

Der bildhauende Luftfrachtexperte will sich zudem künftig stärker auf seine Arbeit als Präsident der Interessengemeinschaft Air Cargo Switzerland und auf politisches Lobbying konzentrieren. "Das Thema Luftfracht in der Schweiz ist mir wichtig", sagt er - und in diesem Zusammenhang liegt ihm die Weiterführung des Präsidiums der IG Air Cargo besonders am Herzen. In der Luftfrachtbranche gilt Somaglia als bestens vernetzt.

"Dieser vor drei Jahren gegründete Verband zur Förderung der Schweizer Luftfracht hat sich innerhalb kurzer Zeit einen Namen gemacht", betont er. Neben der Lobby- und PR-Arbeit konzentriere sich die IG Air Cargo auf Aktivitäten zur Optimierung der Arbeitsprozesse. Unter anderem habe sie die Projektleitung für "e-freight@switzerland" übernommen und Schulungen für eine korrekte Abfertigung von Gefahrgutsendungen organisiert. "Über lokale Arbeitsgruppen stellt sie zudem sicher, dass Aktivitäten wie Security, Infrastrukturbelange und so weiter unter den beteiligten Firmen und Behörden koordiniert und abgestimmt werden", erläutert der Präsident.

Wenig Zeit zum Überlegen

Aufgaben, wie die eines Cargologic-Geschäftsführers oder Präsidenten der IG Air Cargo, füllten einen Tag schon ziemlich aus, räumt Somaglia ein. "Da bleibt nicht viel Zeit und Muße zu überlegen, was ich nach der Pensionierung machen könnte." Er bewege sich gerne draußen und mache sehr viel Sport. "Das war und ist für mich immer der Ausgleich zum Job gewesen." Dies möchte er künftig noch intensivieren.

Die Steinbildhauerei, Somaglias "ganz privates Hobby", wie er sagt, passt dabei gut ins Konzept. Einmal die Woche ist für ihn Pflicht. "Nicht nur immer Papier vollschreiben, Präsentationen halten oder E-Mails beantworten, sondern etwas Kreatives entstehen zu lassen" treibt den Luftfrachtexperten an. Nichtsdestotrotz: "Die Fliegerei wird mir bleiben", weiß er, "im Kopf, im Bauch und im Herzen." (sm)

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