|  17. März 2014

Der Logistiker, der auch Technik kann

Wäre das Thema nicht so ernst, ein Vergleich mit der berühmten Doppelnull wäre wohl erlaubt. Während 007 ausgefeilte Technik dazu nutzt, die Interessen Ihrer Majestät zu schützen, bringt Logistikspezialist Thomas Bögli Generatoren und Satellitentelefone in Gang, um Leben zu retten.

Neben seiner zivilen Tätigkeit als Geschäftsleitungsmitglied der Standardisierungsorganisation GS1 Schweiz kümmert sich Bögli seit 2011 um humanitäre Logistik in Krisengebieten. Bögli zählt zur Emergency Response Unit (ERU) des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK). 2012 und 2013 hatte er zwei Einsätze bei Amman in Jordanien. Dort kümmerte er sich um die Verbesserung der logistischen Abläufe für viele Tausende Flüchtlinge aus Syrien. Eine Herkulesaufgabe.

Mangel an logistischem Know-how

Jordanien sei momentan in der außerordentlich schwierigen Lage, die Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen zu müssen, beschreibt Bögli. Dem jordanischen Roten Kreuz fehlte die notwendige Logistikerfahrung, "um Hilfsgüterlieferungen entsprechend abwickeln zu können". So sei etwa das Zentrallager zur Versorgung der Flüchtlinge in Zeltstädten "in einem absolut katastrophalen Zustand" gewesen, erinnert sich der Schweizer. Die elementarsten Informationen waren nicht abrufbar. "Was haben wir noch, was brauchen wir" - Fehlanzeige. Bögli schaffte mit seinen Schweizer Kollegen Ordnung. Das war 2012. Im Jahr darauf kontrollierte er, ob die Arbeit Früchte getragen hatte. Sie hatte. Was vorher für 40 000 Flüchtlinge nicht funktionierte, gelang nun für mehr als 100 000 zumindest besser. Ein Anfang war gemacht.

Die beiden Einsätze in Jordanien dauerten je rund einen Monat. "Die Idee des SRK war es, Logistiker aus dem ERU-Pool dorthin zu schicken, um einerseits die Menschen vor Ort auszubilden. Andererseits sollte aber auch den Teammitgliedern aufgezeigt werden, was Logistik im humanitären Bereich bedeutet und was berücksichtigt werden muss", erklärt der 49-Jährige.

Auslöser war seinerzeit ein Aufruf des SRK. Das brauchte dringend mehr Leute für sein Logistik-Nothilfeteam - eines von weltweit fünf. "Ich war absolut begeistert von dieser Idee und habe sofort meinem CEO vorgeschlagen, dass auch wir da einen Beitrag leisten sollten", sagt Bögli.

Einen Beitrag leisten zu können, ist indes gar nicht so einfach: Neben sprachlichen Kenntnissen und einer gefestigten Persönlichkeit braucht es eine gewisse Offenheit anderen Kulturen gegenüber, technische Raffinesse sowie die Rückendeckung von Familie und Arbeitgeber. "Sie müssen in der Lage sein, ihre Haustür sehr kurzfristig für einen Monat schließen zu können ohne zurückzublicken", sagt Bögli unmissverständlich.

Die Hilfseinsätze finden dann in einer Umgebung statt, "die nichts mehr mit Fünf-Sterne-Hotels zu tun hat", führt der studierte Betriebswirt aus. "Jedes Teammitglied muss sich bewusst sein, dass es einfach irgendwo eingesetzt wird, wo wirklich nur noch Katastrophe ist. Das ist schon ein hartes Brot."

Hohe Anforderungen

Das SRK legt Wert darauf, dass seine Teammitglieder entsprechend ausgebildet werden. Das Rüstzeug für derartige Kriseneinsätze hat der Schweizer in einem zehntätigen Kurs zusammen mit anderen zivilen Logistikern erlernt. "Wenn Sie in einen Einsatz kommen, kann es sein, dass nichts mehr funktioniert", erläutert Bögli. "Keine Infrastruktur, keine Elektrizität, keine Kommunikation. Wenn Sie nicht selbst zum Sorgefall vor Ort werden wollen, müssen Sie die Fähigkeiten haben, das alles auch selbstständig aufzubauen."

Zum Beispiel müsse man in der Lage sein, einen Generator in Betrieb zu nehmen. Ob Satellitenausrichtung, Satellitentelefon oder Navigationssysteme - "Sie müssen diese Tools kennenlernen und imstande sein, sie operativ zu betreiben", betont Bögli.

Als Standardisierungsspezialist arbeitet der Logistiker bereits an einem Standardprozedere für Logistikabläufe in Krisen- und Katastrophengebieten. Dazu hat er kürzlich auf der europäischen Bühne in Brüssel vor der GS1-Gemeinschaft referiert. "Das Feedback war überwältigend", sagt er. "Das Thema wird künftig auf der Agenda stehen, wenn sich die Geschäftsführer europäischer GS1-Länderorganisationen treffen."

GS1 und SRK können indes die weltweite Umsetzung nicht alleine stemmen. "Das geht nur in Zusammenarbeit mit den wichtigsten humanitären Organisationen", weiß Bögli. Auch das erinnert an 007. Denn selbst James Bond wäre ohne "Q" ohne jede Chance. (sm)

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