|  22. Januar 2018

Ein Chaot, der keine Angst vor Visionen hat

Fragt man seine Mitarbeiter, dann möchte man sofort mit ihm zusammenarbeiten: Sie beschreiben Fokke Fels (60), Vorstand der L.I.T. AG aus Brake, als echten Visionär und Antreiber des Unternehmens. Oder man fühlt sich leicht unterlegen: Fels entdeckt immer noch eine Facette mehr – und wenn er seinen Rechner herausholt, kann keiner mehr mithalten, schildern sie Besprechungen mit ihm. Er selbst nennt als seine herausragende Eigenschaft, Phantasie zu haben, die ihm die Möglichkeit gibt, den Weg hin zu seinen Visionen zu denken. Als sein Laster nennt er Chaotik.

Dabei wirkt sein Tagesablauf – wenn er nicht gerade unterwegs ist – geordnet und fast gemütlich: Zum Frühstück dürfen Kaffee und Zeitung nicht fehlen. Um kurz vor acht kommt er danach ins Büro. Pünktlich um halb eins geht er zum Mittagessen nach Hause zu seiner Frau, ruht sich dann noch zehn Minuten auf dem Sofa aus, bevor er um halb zwei wieder am Schreibtisch sitzt. Meist bis halb sieben, manchmal länger. Auch samstags kommt er in die Firma, dann kann er sich in Ruhe mit den Fahrern unterhalten. Sehr wichtig und interessant, findet Fels. Und sonst? Segeln. Im Winter kümmert er sich um sein Boot und bereitet die Touren für den nächsten Sommer vor.

Schiffe haben es Fokke Fels sowieso angetan. Als Schüler hat er in der Nähe des Hafens gewohnt, folgerichtig Seehafenspediteur gelernt und danach in Bremerhaven Transportwesen studiert. Zudem hat L.I.T. von 2000 bis Ende 2017 die „Guntsiet“ bereedert, eine Herzensangelegenheit von Fels. Die Personenfähre – Baujahr 1963 und Eigentum der Stadt Brake – pendelt im Sommerhalbjahr zwischen Brake und der Insel Harriersand in der Unterweser. Fels hatte Kapitän Eberhard Diekmann versprochen, die Linie zu führen, bis Diekmann in Rente geht. Das ist nun eingetreten. In diesem Jahr übernimmt der Verein „Inselfreunde Harriersand“ die Bereederung, doch L.I.T. wird weiter finanziell unterstützen. Mit Harriersand verbindet Fels eher eine Hassliebe: Dort musste er einerseits in der Weser schwimmen lernen, hat aber andererseits die Ferien mit seinen Freunden am Strand der Insel sehr geschätzt.

Mehr Stratege als Lenker
An seinem Job liebt er, dass er auch heute noch Visionen leben kann. Genervt ist Fels von den Formalien, die gefühlt auf allen Ebenen immer mehr werden und vom eigentlichen Geschäft abhalten. Dabei ist das Tagesgeschäft nicht mehr sein Metier. Er ist der, der die strategische Ausrichtung des Unternehmens vorgibt und diese Freiheit genießt. Überhaupt: Frei und selbstbestimmt zu sein, ist für ihn Lebensqualität. Eigene Entscheidungen treffen zu können, war auch der Hauptbeweggrund, 1988 L.I.T. zu gründen. Und klar: Natürlich ist seine Leidenschaft sein Beruf.

Gefragt, welche Vision ihn derzeit umtreibt, denkt Fels kurz nach. Im Moment arbeite er daran, wie es gelingen könne, die Disposition dynamisch zu automatisieren und Kunde, Disponent, Fahrer und Fahrzeug miteinander kommunizieren sowie interagieren zu lassen.

Ein späteres Rentnerdasein kann Fels sich eigentlich nicht vorstellen. Lieber möchte er seine Erfahrungen weiter einbringen. Wenn doch irgendwann der Ruhestand droht, wird er einen Plan haben und jeden Tag wissen, was er tun wird, ist er überzeugt. Einen persönlichen Wunsch hat er nicht?– außer: Im Beruf noch einmal etwas Neues angehen können. An Visionen fehlt es Fels nicht. Aber nun geht es erst einmal darum, die Kontinuität im Unternehmen zu erhalten und die Geschäftsfelder, in denen sich L.I.T. bewegt – vor allem Automotive, Getränke und Baustoffe – noch etwas breiter aufzustellen. Fels hat da schon einige Ideen. (jpn)

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