09. Juli 2015
aktualisiert am 18.08.15 14:59h

Logistikwelt ganz klein

Mitten in einer Wohnung in Hamburg-Winterhude ziehen eine Märklin- und eine Roco-Modelleisenbahn auf einer Platte von knapp 5 m2 ihre Runden. Auf der Miniaturanlage passieren sie neben einem Güter- und einem Personenbahnhof auch die Spedition Bursped in der Halskestraße, die etwa die Fläche eines Din-A3-Blatts einnimmt. An der Rampe stehen Sattelschlepper und andere Fahrzeuge der Speditionen Bursped, Köster & Hapke und Cargoline.

Fast sieben Jahre tüftelte Werner Brasch an der Anlage und verlegte dabei rund 150 m Schienen. Sein Bestand an 80 Lokomotiven kostete ihn rund 15.000 EUR. Und das teure Hobby hat dem 65-Jährigen nicht nur Spaß, sondern darüber hinaus sogar seine Ehefrau beschert. Ihr, ebenfalls eine begeisterte Modellbauerin, gehört nämlich die Roco-Bahn. Brasch half ihr vor einigen Jahren beim Errichten ihrer Bahn, und dabei kamen sich die beiden näher. Auch sein beruflicher Werdegang wurde durch sein Hobby geprägt.

Als sein damaliger Chef den gelernten Zentralheizungsbauer einmal zu Hause besuchte und die Eisenbahn sah, erkundigte er sich, wer wohl die Schaltung installiert habe. „Ich erklärte ihm, dass ich alles anhand von Märklin-Büchern selbst gemacht habe“, erinnert sich Brasch. Daraufhin schlug sein Chef ihm eine Schulung zum Regeltechniker vor, die er schließlich auch erfolgreich absolvierte. Später arbeitete Brasch in einem Ingenieurbüro, das medizinische Geräte entwickelte. Als das Büro pleiteging, lud ihn der damalige Lagermeister von Bursped, mit dem Brasch befreundet ist, zu einem Vorstellungsgespräch ein. Die Spedition hatte damals noch keine Betriebshandwerker und suchte einen Techniker. Das war 1992. Seitdem kümmert sich Brasch mit Leidenschaft um Stapler, Förderanlage und Rolltore und sorgt dafür, dass die Technik reibungslos funktioniert.

Nun steht ihm bald der Renteneintritt bevor, und dem sieht Brasch nicht ohne Bauchschmerzen entgegen: „Ich war so viele Jahre bei Bursped und kenne viele Mitarbeiter seit ihrem ersten Arbeitstag in der Spedition. Es wird mir schwerfallen, nur noch ab und zu als Besucher vorbeizuschauen.“

Zumindest bleibt ihm die Spedition aber noch im Miniaturformat erhalten – und die nimmt einige Zeit in Anspruch: „Alle 40 Betriebsstunden müssen die Elektroloks abgeschmiert werden, damit das Getriebe leichtgängig bleibt“, erklärt Brasch und stellt die Weichen neu. (reg)

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