|  06. Juli 2015

Missionar für gutes Bier

Michael Sack ist Missionar für Bier als kulinarisches Kulturgut – und Bierbrauer aus Leidenschaft. Das wissen seine Kollegen vom Zurich Airport nur zu gut. Selbst vor seinen beiden Söhnen machte der Frachtchef auf seiner Mission nicht halt, damals im heimischen Keller, als die ersten Gerstensaftversuche starteten. Aber für den Nachwuchs waren die Kunst und Logistik als Berufsbilder interessanter. Sack hatte natürlich Verständnis dafür, er selbst machte aber mit seinem Hobby Ernst.

Seit fünf Jahren hält Sack die alleinigen Markenrechte an seinem eigenen naturtrüben, obergärigen Spezialbier. Das Zurich Airport Beer, kurz ZAB, gibt es, wie der Name schon sagt, am Flughafen Zürich zu kaufen. „Heb ab mit ZAB!“ heißt der passende Claim dazu. Außerdem wird es dort verkauft, „wo es mir gefällt“, ergänzt der Hobbybierbrauer im Gespräch mit der DVZ. So etwa im Radisson Blu Hotel Zürich Flughafen. „Die haben eine schöne Bar, dort fühle ich mich wohl, also möchte ich auch hier mein Bier trinken können“, sagt Sack, der gar nicht so viel produzieren kann, wie der Markt einfordert.

„Wir denken mittlerweile in Hektolitern“, sagt er. Kein Wunder bei rund 25.000 direkten Mitarbeitern im Flughafen und etwa 25 Mio. Passagieren im Jahr. „Wenn ich sehe, dass Passagiere mein Bier trinken, dann ist das ein unbeschreibliches Gefühl der Freude“, sagt Sack begeistert.

So international wie ein Flughafen sind auch die Ingredienzien von Sacks Bier: Malz aus Franken, Hefe aus Oregon/USA, Aromahopfen vom Bodensee, aus der Steiermark und England sowie Wasser aus der Schweiz. Und natürlich ist es ein unfiltriertes Bier. „Dadurch bleiben die gesunden Inhaltsstoffe der Hefe im Bier“, weiß der Experte.

Mit seinem Chefposten in Zürich kollidiert sein Hobby nicht, erzählt Sack weiter, der kürzlich sein 15-Jähriges am Flughafen beging. Das wurde mit der Belegschaft gefeiert, mit am Start – natürlich – sein Bier, streng gebraut nach bayerischem Reinheitsgebot von 1516.

Das Brauen nach Sacks Rezept übernimmt eine Hausbrauerei, nicht weit vom Flughafen entfernt. René Kündig von der Kündigbräu AG in Rietheim/Kanton Aargau füllt das ZAB in umweltfreundliche Pfandflaschen ab, genauer in braune Bügelflaschen mit gelbem Etikett. Schottische Hochlandrinder dürfen sich übrigens über die Treber freuen, ein Abfallprodukt, das beim Bierbrauen entsteht.

„Bierbrauen ist eine hochkomplexe Sache“, betont Sack. „Das wird oft unterschätzt.“ Wie oft er an der für ihn richtigen Rezeptur scheiterte? Sack sieht das entspannt: „Es gibt Unterlasser und Unternehmer. Ich zähle mich zu Letzteren“, sagt er und fügt hinzu: „Jedes Scheitern bringt einen auch weiter. Nur so ist verbessern möglich.“

Sack weiß, wovon er spricht. Ohne einen Pfennig startete er als 24-Jähriger 1984 in Westdeutschland; er kam aus der damaligen DDR. Nur mit einem LKW-Führerschein in der Tasche verdingte er sich auf dem Bau, gründete eine Werbeagentur und war „grundsätzlich keinen einzigen Tag arbeitslos“, wie er erzählt. „Man muss Dinge ausprobieren“, findet er. Sack hat es auf diese Weise bis zum Flughafenleiter geschafft.

Nie vergessen hat der Manager dabei den Duft der Brauerei. „Ich habe ihn geliebt“, sagt er. Dort, wo andere eher die Nase rümpften, konnte Sack als Enkel des damaligen Brauereiprokuristen nie genug bekommen. „Ich kannte jeden Winkel in der Brauerei. Als Knirps, und dann noch mit der Opa-Connection, durfte ich natürlich überall hin. Das und die großen Lastwagen haben mich wohl am meisten geprägt“, sagt er. Obgleich sein Großvater nie selbst Bier braute. „Er sorgte vielmehr dafür, dass die Zahlen stimmten“, erinnert sich Sack.

Was im Keller zu Hause einst als Feldversuch startete, weil Sack einfach kein Bier mehr schmeckte, setzte sich recht schnell in der Kantine am Flughafen fort. Als das Rezept dann stand, wurde das Hobby größer und größer. „Es soll aber ein Hobby bleiben“, sagt Sack, der den Begriff Work-Life-Balance nicht mag. Vielmehr spricht er gern von der Life-Balance. Die hat er für sich gefunden, als begeisterter Opa, Traktorfahrer, Segler, Frachtchef und Bierbrauer.

Seit Anfang des Jahres hat Sack sein Arbeitspensum am Zurich Airport auf vier Tage reduziert. Ob das mit seinem Erfolg als Bierbrauer zu tun hat? „Nein“, antwortet Sack deutlich. „Mir gefällt mein Job, und den möchte ich auch noch ein paar Jahre machen. Aber im November werde ich 55 Jahre, die Kinder sind aus dem Haus, jede Ecke im Garten ist im rechten Winkel geschnitten, das heißt: So langsam merke ich, dass die Zeit ein immer kostbarerer Faktor für meine Frau und mich wird.“ (sm)

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