|  04. April 2016

Möglichst viel ausreizen

Wimmeln? „Man kann auch ‚Reinbuttern‘ sagen“, meint Daniel Schäfer. Das kenne ich: möglichst viele Punkte in einen Stich legen, der sicher an mich und meinen Spielpartner geht.

Schäfer sitzt in einem Besprechungsraum von Hapag-Lloyd, vor sich einen Laptop, Skatkarten und diverse Piratengestalten. Bei der Reederei arbeitet der Systemanalytiker derzeit am Anfang 2016 gestarteten Projekt „Compete to Win“ mit, mit dem Hapag-Lloyd Kundenfokussierung und Umsatzqualität steigern will. Der Mathe-Fan hat bereits seine Ausbildung zum Fachinformatiker im Unternehmen absolviert.

Seit 1999 ist er bei Hapag-Lloyd. Noch länger währt seine Leidenschaft für sein größtes Hobby: Skat. Großvater, Vater und Bruder haben ihn angesteckt. Parallelen zum Job? Logistik und Informatik sind beide eine Verbindung von Logik und Strategie, Skat auch. Und für alle drei gilt laut Schäfer: Man lernt nie aus, immer gibt es Verbesserungsmöglichkeiten.

Der heute 37-Jährige spielt in der 2. Skat-Bundesliga und ist Präsident des Hamburger Skatverbands. Warum Skat und nicht Schach? „Ich bin ehrgeizig. Für eine echte Schachkarriere war es bei meinem Einstieg mit 16 bereits zu spät. Außerdem hat mir Skat von Anfang an mehr Spaß gemacht.“

Skat spielt Schäfer sehr erfolgreich. 2014 und 2015 hat er beispielsweise die Skat Masters gewonnen. Früher gab es auch bei Hapag-Lloyd ein Weihnachtsskatturnier, zwei Drittel der Spieler waren ehemalige Arbeitnehmer. Das zeigt das Dilemma des Spiels: Es gibt kaum Nachwuchs. Zwar zelebrieren Schäfers Teenagertöchter ebenfalls Skat. Doch die Vielzahl der Freizeitmöglichkeiten von Fußball und Reiten bis zu Computergames drängt das Spiel in den Hintergrund. Schäfer hat es mit einer Skat-AG an der Schule seiner Töchter versucht: vergeblich. Die meisten Schüler sind bereits wieder abgesprungen, bevor er mit dem Erklären der Theorie fertig war, haben also nie den Spaß am Spiel entdecken können, bedauert er. Aber die Skatregeln und Besonderheiten passen eben nicht auf den Rücken einer Spielkarte. Zumindest nicht, wenn ein Laie sie verstehen soll.

Also musste eine andere Möglichkeit her, um Jüngere von der Vielseitigkeit und Spannung des Skatspiels überzeugen zu können. Er hat sein Sendungsbewusstsein, seinen Gemeinsinn, seinen Ehrgeiz sowie seine Leidenschaft für Logik und Strategie zusammengetan und die Idee für ein Computerspiel entwickelt. Schäfer meint, uneigennützig sei sein Engagement nicht. Schließlich wolle er auch in 30 Jahren noch Skat spielen können und brauche dafür Mitspieler. Möglichst viele, damit es interessant bleibe. Und um die müsse man sich heute bereits kümmern.

Online-Skatspiele gibt es viele, online Skat zu lernen war bis Dezember 2015 kaum möglich. Dann hat Schäfer seine kostenlose Skatakademie unter www.skatinsel.de auf den Markt gebracht. Verpackt in eine Piratengeschichte, werden die kompletten Skatregeln vermittelt, jede Spielfarbe hat eine eigene Gemeinschaft. Die Karos leben sorglos auf einer Karibikinsel, die Piks sind die Wissenschaftler und Forscher unter den Spielfiguren, die Kreuze sind eiskalt berechnend, und Étienne ist ein Herzbube mit französischem Akzent, der auch mal eine Dame verliert. Einer kleinen Portion Theorie folgt immer ein Spiel, die ersten Level starten mit nur drei Karten einer Farbe. Der Spielgenuss beginnt also sofort. Einzige Voraussetzungen: lesen und rechnen können.

Dieser simple Einstieg ist auch den von Schäfer für die „Skatinsel“ engagierten Entwicklern von Beardshaker Games zu verdanken: Sie hatten bei Projektbeginn Ahnung von Online-Spielen, aber nicht von Skat. Nun können sie da ebenfalls mitmischen. Laut Schäfer sind auch Anfänger durchaus in der Lage, einem versierten Spieler ein sicher geglaubtes Spiel abzunehmen. Seine Beiträge zur „Skatinsel“: die Idee für die Spielwelt, die Lehrinhalte, das Scripting der mehr als 60 Level, stetige Tests und nicht zuletzt das erforderliche Kapital. Schäfer hat seine Arbeitszeit reduziert, sein Sparschwein geschlachtet und auch seine Turniergewinne in die „Skatinsel“ investiert. Schließlich wollte er keine Ente, sondern einen Porsche produzieren.

Weiteres Ziel ist etwa eine Version für mobile Endgeräte. Doch im Moment arbeitet er an einem Online-Skatportal, auf dem man gegen echte Mitspieler antritt, nicht nur gegen eine Maschine. Die psychologische Komponente im Wettkampf mit menschlichen Gegnern macht eine Runde Skat für Schäfer erst so richtig interessant und immer wieder anders. Das Portal ist fast fertig. Die Einnahmen daraus könnten die Weiterentwicklung der „Skatinsel“ ebenso stützen wie der Gewinn des hoch dotierten Deutschen Computerspielpreises 2016 in der Kategorie „Serious Games“ – die „Skatinsel“ ist hier unter den drei Finalisten. Sponsoren sind natürlich auch jederzeit willkommen.

Wann ich den goldenen Skat gewinnen kann, ist unklar. Immerhin löse ich die nächste Aufgabe auf einem der mittleren Level: Ein Spiel mit allen Karten, Kreuz ist Trumpf. Ich mache alle mit meinem Blatt möglichen Punkte. (sm)

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