|  01. Dezember 2014
aktualisiert am 31.08.15 09:15h

Plan B für Lang Lang

Eigentlich wollte Andreas Mattick ja Sportjournalist werden, um dann vornehmlich über Fortuna Düsseldorf zu berichten. Doch daraus wurde nichts. 1990 begann der heute 45-Jährige stattdessen bei L.W. Cretschmar in Düsseldorf seine Ausbildung zum Speditionskaufmann. Die Lehrstelle hatte ihm sein Vater vermittelt, der "als LKW-Verkäufer jeden Spediteur in Nordrhein-Westfalen kannte", so Mattick.

Die Begeisterung für die Logistik branche ließ nicht lange auf sich warten. Als Azubi lernte Mattick alle Bereiche der Spedition kennen - einschließlich Luft- und Seefracht. Besonders gut gefiel es ihm in der Auslandsmesseabteilung. "Dort machte ich schon während der Lehre meine ersten Dienstreisen nach Birmingham", erinnert sich der zweifache Vater. Nach der Abschlussprüfung blieb er der Abteilung treu, für die der Rheinländer 1997 ein halbes Jahr nach Hongkong wechseln durfte. "Das war eine spannende Zeit, denn damals wurde Hongkong gerade an China übergeben", sagt Mattick, der während der sechs Monate zahlreiche Geschäftskontakte knüpfen konnte.

Reizvolle Aufgaben bei DHL

Zurück in Düsseldorf stand bald die nächste Veränderung an. Der Liebe wegen ging es 1999 nach Frankfurt am Main, wo Mattick bei der Danzas Messe GmbH anheuerte. Doch noch vor seinem ersten Arbeitstag wurde sein neuer Arbeitgeber völlig überraschend von DHL übernommen. Der Konzern hatte mit der neuen Tochter viel vor, und für Mattick gab es reizvolle und konkrete Aufgaben. "Bei DHL half ich beim Aufbau des Kompetenzcenters für Überseemessen - ein Superjob", berichtet Mattick. Allein die Nähe zum Kunden fehlte ihm, so dass sich der nächste Wechsel bereits zwei Jahre später ankündigte.

Im Jahr 2001 warb ihn Kühne + Nagel für die gerade gegründete Eventabteilung in München ab. "Als Event galt alles außer Messen, so dass sich mein beruflicher Fokus stark veränderte", erklärt Mattick. Damals stand er kurz vor einer der größten Herausforderungen seiner Karriere. Am 12. September 2001 mussten er und sein Team die Bayerische Staatsoper für ein Konzert nach Tokio befördern. "Einen Tag nach den Anschlägen wusste niemand, wie es im Luftfrachtbereich weitergeht", berichtet er. Dass sich in Japan dann der Vorhang pünktlich hob, war eine große organisatorische Leistung.

Fortan ließ ihn die Konzertlogistik nicht mehr los. Der übrige Eventbereich brach im Sog der folgenden Wirtschaftskrise jedoch in sich zusammen. Für die überschwänglichen Feste der zahlreichen Start-ups des Neuen Markts war nach dem 11. September kein Geld mehr da. Dafür florierte der Konzertbereich umso mehr. In Kooperation mit Kühne + Nagel Tokio organisierte Mattick nun zum Beispiel Orchesterreisen der Mailänder Scala, der Dresdner oder der Bayerischen Staatsoper für superreiche japanische Mäzene. "Ein paar Privatleute haben sich dann auch diese berühmten Orchester in den heimischen Konzertsaal bestellt, immer wieder ein unglaubliches Szenario", erzählt Mattick. Er selbst habe einige der Milliardäre persönlich kennen gelernt.

Zu den schönsten Aufgaben seiner Laufbahn gehörte das Organisieren der jährlichen Welttournee des damaligen Verbier Festival Youth Orchesters der Schweizer UBS-Bank mit 120 Musikern und einem Stardirigenten. Diesen Auftrag nahm Mattick bei seinem vorerst letzten beruflichen Wechsel zu Rock-It Cargo mit. Seit 2006 ist er als Geschäftsführer für die deutsche Niederlassung des US-amerikanischen Logistikdienstleisters tätig.

Große Namen im Portfolio

Rock-It Cargo hat sich auf Konzert- und Eventlogistik spezialisiert und betreut vier von fünf der größten Rock- und Pop-Welttourneen. Zu den Kunden zählen Aerosmith, Bruce Springsteen, Elton John, U2 und die Rolling Stones. "In jedem CD-Booklet von U2 findet man eine Danksagung an Rock-It Cargo", erzählt Mattick nicht ohne Stolz.

Nicht zuletzt macht ihn die Nähe zu den Weltstars des Pop und Rock zu einem erstklassigen Botschafter für die Logistik - speziell in Hinblick auf die kommende Generation: "Meine beiden Jungs interessieren sich sehr für meinen Beruf und fiebern bei jeder Ausschreibung mit", sagt Mattick. Vor kurzem habe einer seiner Söhne - neun Jahre alt, dritte Klasse - sogar ein Schulreferat gehalten. Thema: "Was macht der Papa?" Die coolen Schilderungen der Logistik im Umfeld der weltberühmten Bands dürften bei den Klassenkameraden einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Wer weiß, vielleicht wird sich der eine oder andere nach dem Schulabschluss für einen Logistikberuf entscheiden.

Andreas Mattick hat es nie bereut, dass er kein Sportjournalist geworden ist. Nachwuchskräften rät er, die große Verantwortung zwar ernst, aber "sich nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen". Man dürfe sich gar nicht erst vorstellen, dass "ein Transport mal nicht funktionieren könnte und ein Pianist wie Lang Lang dann ohne Klavier auf der Bühne stehen würde". Dennoch müsse zu jeder Zeit ein Plan B bereit stehen. Wer diese Regeln befolge, sei für den Stress der Konzertlogistik gut gewappnet. Kein Wunder, dass Mattick "außer ein wenig Baseball und Squash mit seinen Söhnen" kaum einen privaten Ausgleich braucht. (sm)

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